Alle Beiträge von Ulrich Scharfenorth

Marcus Maida: Aktuelle Hinweise zu Kursangeboten

FYI

Dear All,

I hope, this finds you well.

Das Winter-Semester 2021/22 ist nahezu beendet.

Kurz vor dem offiziellen Semesterende eine Information bezüglich meiner aktuellen Lehraktivitäten an der FH Dortmund.

Im Fachbereich Design praktizierte ich auf Anfrage in diesem Semester aussergewöhnlicherweise insgesamt drei W1-Kurse:

Die Visualität der Popkultur – Acting in Mass-Culture. Einführung in Theorie-, Phänomen-, Ästhetik- und Handlungsanalysen der Pop- und Massenkultur.

Understanding Visuals. Einführung in Bildanalyse, Visuelle Kommunikation und Visual Studies.

The Design of Moving Images – Einführung in Film- und Bewegtbildanalyse.

Die Kurse waren einmal mehr ausserordentlich anregend und erfolgreich. Trotzdem werde ich im kommenden Sommersemester auf eigenen Wunsch und aus persönlichen Zeitgründen mein Kursangebot definitiv reduzieren und dann nur einen ausgesuchten Kurs anbieten.

Die Abstracts der 3 Kurse des Wintersemesters sind weiter unten in der Mail zu finden.

Soviel zum state of the art.

Die Situation ist pandemiebedingt logischerweise immer noch alles andere als sicher. Zumindest die Wissenschaftskurse finden aller Wahrscheinlichkeit weiterhin digital statt – eine Veranstaltungsform, die neben diversen Nachteilen auch mittlerweile definitiv aussergewöhnlich viele Vorteile aufgezeigt und bewiesen hat.

Für dieses neue Jahr 2022 wünsche ich Allen in jedem Fall gute und gesunde Zeiten!

Danke für die Aufmerksamkeit, beste Grüße an Alle, & einen schönen Frühling,

Best Wishes,

Marcus Maida

Die Visualität der Popkultur – Acting in Mass-Culture. Einführung in Theorie-, Phänomen-, Ästhetik- und Handlungsanalysen der Pop- und Massenkultur.

Der Fokus der Visualität wird in diesem Kurs spezifisch konzentriert durch konkrete Expositionen, Analysen und Ergänzungen von Theorien, Praxen, Kontexten und Phänomenen der Pop- und Massenkultur.

In Einzel- & Gruppenanalysen werden historische wie aktuelle Phänomene, Anwendungen sowie Methoden und Strategien der Visualität und der sozialen wie ästhetischen Formgebung und handlungsorientierten Inszenierung in Pop- und Massenkulturen erkundet und präsentiert.

Diese Kontexte werden zudem immer wieder mit wichtigen Positionen der Kunst- und Designgeschichte sowie neueren Phänomen-Entwicklungen in Technik und Medien (z.B. KI / VR / Deep Fakes/ NFT) abgeglichen und ergänzt.

Neben der gestalterischen Implikation ist eine nicht unbedeutende Frage dabei, welche verändernde Kraft oder welchen subversiven Impuls Popkultur für das Design und die Umsetzung von gesellschaftlichen Inhalten aktuell noch haben kann.

Ziel des Seminars ist es, analytische Grundlagen für das Verständnis von pop- und massenkultureller Visualität zu schaffen, um dementsprechend in unterschiedlichsten Themen, Phänomenen und Kontexten des Kursfokus eigene Interessen zu sondieren und auszuwählen.

Understanding Visuals. Einführung in Bildanalyse, Visuelle Kommunikation und Visual Studies.

Die Lehrveranstaltung stellt Theorien, Ansätze, Methoden und Impulse der Bildanalyse, Visuellen Kommunikation und Visual Studies grundlegend vor, analysiert beispielhaft visuelle Praxen und Phänomene und untersucht nicht zuletzt auch, ob und wie sich daraus ästhetische Gestaltungsprinzipien und –strategien für die eigene Arbeit ableiten lassen.

Ziel des Seminars ist es, Visualität in ihren verschiedensten Formen und Inhalten grundlegend analysieren und verstehen zu können und dementsprechend eine anwendungsorientierte Ästhetik und Praxis von visuell basierten Phänomenen und Visueller Kommunikation zu finden.

The Design of Moving Images – Einführung in Film- und Bewegtbildanalyse.

Bewegtbild kann vieles sein: Film (in unterschiedlichsten Genres wie Spielfilm, Dokumentation, Experimentalfilm), Werbeclip und Musikvideo, oder auch Vlog, Tutorial, Influencer-Inszenierung / Insta-Story.

Dieser Kurs konzentriert sich ausführlicher und genauer auf die verschiedenen Funktionen, Wirkungen, Techniken, Effekte und Inszenierungs-Strategien in den unterschiedlichen Bewegtbildgenres, als es im Basis-Kurs „Understanding Visuals“ möglich ist, wobei dem Film hier generell ein Schwerpunkt zukommen soll.

Funktions- und Inhaltsanalysen verbinden sich mit theoretischen Grundlagen, die vor allem zur Filmtheorie behandelt werden sollen, z.B. durch die Einführungen in die Filmtheorie von Elsässer/Hagener und James Monaco.

 

FYI Dear All, I hope this finds you well. The winter semester 2021/22 is almost over. Shortly before the official end of the semester, some information regarding my current teaching activities at the FH Dortmund. On request, I practiced a total of three W1 courses in the design department this semester: The Visuality of Pop Culture – Acting in Mass Culture. Introduction to theory, phenomenon, aesthetics and action analyzes of pop and mass culture. Understanding Visuals. Introduction to image analysis, visual communication and visual studies. The Design of Moving Images – Introduction to film and moving image analysis. The courses were once again extraordinarily stimulating and successful. Nevertheless, I will definitely reduce my range of courses in the coming summer semester at my own request and for personal reasons of time and then only offer one selected course. The abstracts of the 3 courses of the winter semester can be found below in the mail. So much for the state of the art. Due to the pandemic, the situation is logically anything but safe. At least the science courses will in all probability continue to take place digitally – a form of event that, in addition to various disadvantages, has now definitely shown and proven many exceptional advantages. For this new year 2022 I wish everyone good and healthy times! Thank you for your attention, best regards to all, & have a nice spring, Best wishes, Marcus Maida

The Visuality of Pop Culture – Acting in Mass Culture. Introduction to theory, phenomenon, aesthetics and action analyzes of pop and mass culture.

The focus of visuality is specifically concentrated in this course through concrete exposures, analyzes and additions to theories, practices, contexts and phenomena of pop and mass culture. In individual and group analyses, historical and current phenomena, applications as well as methods and strategies of visuality and social and aesthetic design and action-oriented staging in pop and mass cultures are explored and presented. These contexts are also repeatedly compared and supplemented with important positions in art and design history as well as newer phenomena in technology and media (e.g. AI / VR / deep fakes / NFT). In addition to the design implication, there is a not insignificant question as to what transformative power or what subversive impulse pop culture can currently have for the design and implementation of social content. The aim of the seminar is to create an analytical basis for understanding pop and mass culture visuality in order to explore and select one’s own interests in a wide variety of topics, phenomena and contexts of the course focus.   Understanding Visuals. Introduction to image analysis, visual communication and visual studies. The course fundamentally introduces theories, approaches, methods and impulses of image analysis, visual communication and visual studies, analyzes exemplary visual practices and phenomena and, last but not least, examines whether and how aesthetic design principles and strategies can be derived for one’s own work. The aim of the seminar is to be able to fundamentally analyze and understand visuality in its various forms and contents and accordingly to find an application-oriented aesthetics and practice of visually based phenomena and visual communication.   The Design of Moving Images – Introduction to film and moving image analysis. Moving images can be many things: film (in a wide variety of genres such as feature film, documentary, experimental film), advertising clip and music video, or vlog, tutorial, influencer staging / Insta story. This course concentrates more extensively and precisely on the various functions, effects, techniques, effects and staging strategies in the different moving image genres than it is possible in the basic course „Understanding Visuals“, whereby the feature film and motion picture should generally have a focus here. Functional and content analyzes are combined with theoretical basics, which are to be dealt with primarily in relation to film theory, e.g. through the introductions to film theory by Elsässer/Hagener and James Monaco.

 

Dr. Marcus Maida – Web: www.hoteldiscipline.net www.krafla.org

Ukraine-Die RP auf dem Weg zum GesamtBild

zweimal ins Bild klicken!

Ich hadere oft mit den politischen Inhalten der Rheinischen Post, aber heute war ich positiv überrascht. Denn zum ersten Mal habe ich bei den Leserbriefen Meinungsäußerungen zum UkraineKonflikt gelesen, die ich der RP nie zugetraut hätte. Ich schrieb spontan einen Brief an den Chefredakteur:

Sehr geehrter Herr Bröcker, Sie werden mit den heute veröffentlichten Leserbriefen einen Sturm der Empörung auslösen, was Sie ja sicher auch wissen. Gleichwohl finde ich es nicht nur mutig, sondern höchst überfällig, dass in Sachen Ukraine auch mal andere Stimmen zu Wort kommen. Denn die gehören unbedingt zu einem vollständigen Gesamtbild. Nicht einmal der SPIEGEL hat es drauf, einigermaßen objektiv zu berichten. Schauen Sie sich mal das Heft Nr. 10 an – eine völlig einseitige, verzerrte Darstellung der Verhältnisse. Nix über die Kritik an den Waffenlieferungen, nix zur Kritik am 100 Mrd.-Mrd.-Rüstungspaket und zu den dazugehörenden standing ovations, die mir kalt über den Rücken liefen. Und nix über die zu starre Haltung des Westens gegenüber Putin und die Saboteure des Minsker Abkommens. Der UkraineKonflikt ist m. E. nur im Rahmen eines Kompromisses zu lösen, der auch Russland in substanziellen Fragen der eigenen Sicherheit entgegenkommt. Denken müssen wir auch an die vielen Menschen in den östlichen Bundesländern, die viele Freunde in Russland haben, an die Männer, die mit russischen Frauen verheiratet sind. Sie leben derzeit in Schockstarre und fühlen sich nur von der AfD verstanden – schrecklich. Ich verurteile Putins Krieg aufs Schärfste. Aber jetzt müssen alle relevanten Staaten, insbesondere Frankreich, Deutschland, Israel und die Türkei, den Konflikparteien den Frieden abringen.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit!

Brief an den SPIEGEL

Meine Damen und Herren, Sie haben mir unter der Kunden-Nr. 408760344 sechs Ausgaben des SPIEGEL für 5,95 Euro geliefert. Danke dafür!

Leider bin ich von der einst großen Zeitschrift schwer enttäuscht. Sie hat sich zu einem reaktionären einseitigen Revolverblatt entwickelt.  Nr. 10 ist geradezu unerträglich und voller Schieflagen. Nirgendwo wird eine ausgewogene Meinung zum UkraineKonflikt dargeboten. Wenn Andreas Zumach (der Friedensbewegte wird hier natürlich auch nicht erwähnt) dem Westen 80% der Schuld für den Kriegsbeginn zuweist, dann müsste doch die kompromisslose ZündlerRolle der USA auch einmal unter die Lupe genommen werden. Wo sind die kritischen Stimmen gegen die deutschen Waffenlieferungen und das 100 Mrd.- Euro-Aufrüstungspaket. Kriegsberichte über Kriegsberichte und ein Jubeln westlicher Rüstungs- produzenten und -exporteure. Bei ausschließlich zerstörten russischen Panzern. Der SPIEGEL will seine Leser ganz offensichtlich auf die offizielle, staatstragende Schiene bringen und vorsätzlich verdummen.

Jetzt sind nur zwei Dinge wichtig: einen Vermittler zwischen den Kontrahenten zu finden, eine für beide Seiten tragbare Friedenslösung aufzutun – auf jeden Fall die Eroberung von Kiew zu verhindern. Davon herzlich wenig im Magazin. und wenn ja: dann einseitig verrissen. Eine Friedenslösung für Europa ist nur mit und nicht gegen Russland zu erreichen – schon gar nicht, wenn wir damit beginnen, die Russen in ihrer Gesamtheit zu verdammen. An so einer Entwicklung hat der SPIEGEL leider regen Anteil…

Foto: Ausschnitt aus dem SPIEGEL-Cover der Ausgabe Nr. 10 vom 5.3. 2022

Hirnloses Pack oder Volksvertreter

Sie haben die AfghanistanEinsätze gebilligt, sie haben dem Fiskalpackt zugestimmt, obwohl sie ihn nicht verstanden haben. Heute klatschen sie, wenn aus einer vergänglichen Situation heraus 100 Milliarden € für Waffen locker gemacht werden

Es ist nicht zu glauben: Die überwiegende Mehrheit der Bundestagsabgeordneten hat die Ansage von Olaf Scholz zum 100 Milliarden-Aufrüstungspaket mit stehenden Ovationen begrüßt. Da fällt mir nur 1914 ein. Auch Jacob Augstein ist zu Recht entsetzt https://www.freitag.de/autoren/jaugstein/gigantisches-ruestungspaket-ist-gefaehrlicher-irrweg

Ebenso Andreas Zumach, der sowohl die deutschen Waffenlieferungen als auch den „Kriegskredit“ für völlig falsche Signale hält https://neue-entspannungspolitik.berlin/krieg-in-europa-expertengespraech-mit-andreas-zumach-28-2-2022/

Offenbar ist die Welt aus den Angeln. Die MainstreamMedien überschreien vor InfoGeilheit und die Rüstungskonzerne, die im Vorfeld schon zündelten, sind irre vor Freude.

Wir bewegen uns derzeit auf eine Welt zu, in der Aggression, Restauration und kalter Krieg auferstehen. Eine Welt, in der Menschen mit kritischem Bewusstsein zunehmend ausgegrenzt und in die Phalanx der AfD verdrängt werden.

 

In die Enge getrieben

Andreas Zumach erklärt in einem aufsehenerregenden Beitrag, warum es zum Krieg kam und was jetzt folgen könnte. https://neue-entspannungspolitik.berlin/krieg-in-europa-expertengespraech-mit-andreas-zumach-28-2-2022/

 

Die Sonne scheint, und die Bomben fallen. Wir sind entsetzt – vor allem, weil wir das nicht verhindern können. Wir blinzeln vom Wohlstand gepampert ins Licht und freuen uns, dass das alles nicht hier passiert. Mir selbst fällt es schwer, dem hektisch umfunktionierten Kölner Rosenmontagsumzug zu glauben. Allzu heftig wurde noch am Vortag gefeiert. Und an der Rheintreppe in Düsseldorf polizeilich abgeräumt.

Liebe Freunde, ich würde jetzt den Laden lieber zumachen. Ich habe kaum noch Freude am Recherchieren. Die Medien haben nur noch ein Thema – selbst Corona ist bei täglich 120.000 Neuinfektionen in den Hintergrund geraten. Ich musste in den vergangenen zwei Jahren feststellen, dass das Gros der Menschen in unserem Land so viel anders tickt als ich – und bin zutiefst enttäuscht. Auf der anderen Seite der Konflikt. Putin lebt und handelt in den Vorstellungen des Mittelalters, gibt sich machtgeil und befiehlt Tausenden, für seinen Großmachtwahnsinn zu sterben. Eine 60 Kilometer lange Kolonne ist auf dem Weg nach Kiew. Die großen Städte werden mit Raketen und Granaten attackiert. Was, frage ich, soll das bewirken – wenn nicht wachsenden Widerstand und noch mehr Tod. Ich sehe keine Lösung im UkraineProblem. Schon gar nicht, wenn das mit Waffenlieferungen aus Deutschland einhergeht. Unsere Politiker sind einmal mehr eingeknickt und vom Strudel des Mitgefühls in gefährliche Wässer geraten. Wann immer das angesagt oder genehm erscheint, wird gegen fundamentale Grundsätze verstoßen. Plötzlich heiligt der gute Zweck die schlechten Mittel. Und die Rüstungsindustrie jubelt.

Ich vermisse jedes Fingerspitzengefühl und fürchte die Eskapaden der Rechthaber. Wer jetzt irgendwie auf „russisch“ macht, ist erledigt. Da kickt man Sportler aus und vergisst die Anfänge der Konfrontation. Man bejubelt den Verteidiger Selenskij, der das Minsker Abkommen, die Verhandlungen im NormandieFormat von Grund auf sabotiert und damit Feuer in Putins Irrsinn gelegt hat. Wer jetzt ukrainische Städte verteidigt, ist ein Held. Basta!

Dabei müssten die Großmächte alles nur Mögliche tun, um die Bombardierung Kiews und anderer Städte nebst aufkommende Straßenkämpfe zu verhindern. Gewiss: Eine einfache Forderung, die schwer zu erfüllen ist. Denn Putin von seinen Absichten zu trennen, scheint derzeit unmöglich. Ebenso wenig ist sein Sturz oder ein brauchbares Ziel auszumachen. Die indoktrinierte Zivilgesellschaft in Russland muss erst aufwachen – und das dauert.

Die deutsche Linke zerfasert zunehmend. Auf Sahra Wagenknecht wird wieder mal eingedroschen. Weils sie nicht davon ablässt, das UkraineBild vollständig zu zeichnen. Eben das kommt parteipolitisch grottenschlecht an. Denn jetzt muss – will man denn die letzte noch taugliche Position halten – mit den Wölfen geheult, sprich:  die Ukraine bedingungslos unterstützt werden. Ein übel verratenes Russland – ob von Putin oder vom Westen – darf da auf keinen Fall vorkommen. Sic!

Ein Freund will eine Initiative der Alten gründen, die gegen den Krieg aufbegehrt. Es sollen und müssen die ganz Alten sein, die den 2. Weltkrieg noch erlebt haben. Er selbst könne sechs von denen aktivieren. Tut mir leid, mein Freund, aber die Chance, irgendetwas zu bewirken – nur weil man Krieg tatsächlich erlebt hat – ist denkbar gering. Auf die Alten hört tatsächlich kaum jemand, und man muss die Granaten schon pfeifen hören, um zu wissen, wie furchtbar das ist.

Ich schaue erneut aus dem Fenster. Die unschuldig/gnadenlos scheinende Sonne macht mir erneut Kopfschmerzen. Spende ich nun für die Ukraine oder nicht? Ich spende vermutlich nicht, weil das Geld – wie immer schon – in dunklen Kanälen verschwindet. Ich finanziere keinen Selenskij, ich gebe kein Geld für Waffen. Ich hasse Rheinmetall.

 

Ukraine – der QuotenKnall!

Jetzt werden Krieg und Not ausgeweidet. Die Medien überschlagen sich. Quoten und Umsätze schießen in die Höhe. Es gibt Leute, die den Fernseher rund um die Uhr laufen lassen und im digitalen Blut waten. Ist es nicht schön, wenn man die Einschläge live erleben kann? So zeitnah und modern war Krieg lange nicht.

Unter dem Mäntelchen der Solidarität verbirgt sich auch heute wieder die schnöde Gier nach Sensation und Kick.

Fragt mal, wieviel Prozent der Bevölkerung bewusst für den Frieden eintreten! Ihr werdet schockiert sein…

Soeben geht ein Brief vom ZFD (Forum Ziviler Friedensdienst) bei mir ein. Auf dem Flyer die immer währende BlümchenAufschrift „Nicht noch mehr fürs Militär“. Im Text längst Verdorbenes von Anfang Februar. Dazu ein SpendenAufruf.

Nichts kommt mehr zur Unzeit als dieser Appell. Deutschland wird jetzt echt aufrüsten – auf 2% vom BruttoInlandsprodukt (so wie das die Amis seit Jahren wollen). Ich beginne das angesichts der aktuellen Lage irgendwie zu verstehen. Eine marode Bundeswehr nützt niemandem etwas – sie ist pure Geldverschwendung und Narrativ für eine Sicherheit, die es nicht gibt. Also entweder das Militär weg oder die Bundeswehr im Rahmen von Europa (nicht im Rahmen der Nato) handlungsfähig machen. Alles andere wäre wirklichkeitsfremd.

Die Waffen nieder !

Angesichts der katastrophalen Lage, in der sich die Ukraine seit Donnerstag befindet, ist Umsicht geboten. Und obwohl in Kiew und Umgebung viel (verständlicher) Patriotismus blüht, sollte jetzt alles getan werden, um weitere Opfer zu vermeiden. Vertreter der deutschen Regierung haben Waffenlieferungen ins Kriegsgebet abgelehnt und das in einem zynisch anmutendem Satz begründet: Es mache keinen Sinn, Waffen zu liefern, wenn die Niederlage der Ukrainer kurz bevorstehe. Und tatsächlich: Jedwede militärische Unterstützung würde den Krieg nur verlängern und weitere sinnlose Opfer bringen. Angesichts der russischen Übermacht bleibt nur eine weniger blutige Option: die möglichst frühzeitige Kapitulation, besser: eine gemeinsame Übereinkunft beider Staaten. Beide Seiten haben gestern Gespräche angeboten. Die müssten jetzt unbedingt zu Stande kommen und wahrgenommen werden. Es geht jetzt nicht darum, Putin ein zehntes Mal als Aggressor zu brandmarken, sondern ausschließlich um die sofortige Herstellung von Frieden. Ob Putin wirklich bereit ist, substanzielle Verhandlungen zu führen, bleibt zunächst offen. Selenskij hat bereits die Neutralität der Ukraine angeboten. Eine Zusage, die unter Druck wenig Wert hat, aber dennoch zu beachten ist.

Wie auch immer die Lösung aussieht: Ein Waffenstillstand dürfte den Ukrainern teuer zu stehen kommen. Denn Putin wird nicht nur auf einem Sonderstatus für seine Anhänger in der Ukraine bestehen, sondern auch Gebiete annektieren. Das dürfte den gesamten Donbass – vor allem aber die Gebiete um Mariupol und den Landweg zur Krim betreffen.

Der Westen, der in den Konflikt nicht eingreifen wird, übt sich in Sanktionen. Die dürften auch diesmal moderat ausfallen, weil die wirklich schmerzhafte Abkopplung der Kommunikationsplattform Swift nicht zu Stande kommt. Wirtschaftliche Interessen Deutschlands, Italiens und Frankreichs stehen konsequent dagegen. Genau das aber wird die Ukrainer weiter verbittern und ihr Gespür für eine neue Ballance in Europa stärken. Russland wird dabei weiter den Teufel spielen. Es sei denn, Putin würde gestürzt – was längst überfällig ist.

Der von Putin ausgelöste Krieg hat auch bei den Mitgliedern der deutschen LINKEN Entsetzen ausgelöst. Alle führenden Politiker beeilen sich, den Überfall zu verurteilen. Und wissen dennoch ganz genau, dass es die ewig Gestrigen- die Immer-noch-PutinVersteher weiterhin gibt. Für alle Linken ist der neue Zar zum Einflussvernichter geriert. Sie werden ihre ohnehin schon prekäre Situation weitere Jahre, vielleicht auch Jahrzehnte, ausleben müssen.

Ich würde mich freuen, wenn jeder Leser die Möglichkeit nutzen würde, an Anti-Kriegsdemos teilzunehmen. Wir haben lange nichts Machtvolles auf unseren Straßen erlebt. Jetzt ist es höchste Zeit dafür!

https://www1.wdr.de/nachrichten/ukraine-russland-krieg-nrw-reaktionen-solidaritaet-100.html

https://gruene-ratingen.de/volle-solidaritaet-mit-der-ukraine/

Foto oben: Demo und Menschenkette am 27. Februar in Ratingen

 

 

 

Die USA – klarer Punktsieger im Konflikt

Man muss zutiefst betroffen sein. Putin hat seine Truppen in die Ukraine einmarschieren lassen und damit das Völkerrecht eklatant gebrochen. Er holt sich jetzt, was zum Erreichen des von ihm definierten Sicherheitsstandards notwendig scheint. Und verhindert dann auch die drohende NATO-Mitgliedschaft des überfallenen Landes.

Es ist furchtbar, dass die Machtpolitik der Blöcke einmal mehr auf dem Rücken unschuldiger Menschen ausgetragen wird. Jetzt sterben Ukrainer wie Russen für ein Ziel, das nirgendwohin, vor allem aber nicht ins 21. Jahrhundert passt. Europa erlebt das, was fast niemand für möglich gehalten hat.

Spätestens die Tatsache, dass die russische Duma ein solches Vorgehen von Putin verlangt hat, dann aber auch der Umgang Putins mit seinen Untergebenen, haben mir eines klargemacht: Putin regiert wie ein einsamer absolutistischer Herrscher, der strikte Anerkennung und Gefolgschaft einfordert, als Führer einer Weltmacht akzeptiert und nicht ständig durch gegnerische Umzingelung bedroht werden will. Putin hat den mit dem Untergang der Sowjetunion einhergehenden Bedeutungsverlust Russland nie verwunden. Das alles scheint klar. Und so wie ein Herrscher des späten Mittelalters dressiert Putin die von ihm herangezüchteten Lakaien und scheut sich keineswegs, Tausende Menschen in den Tod zu treiben.

Putins Zeit ist um, doch niemand scheint zur Stelle, um ihn abzulösen und den Krieg zu beenden. Es liegt nunmehr beim russischen Volk, nicht bei den Geheimdiensten des Westens, den neuen Zaren vom Thron zu stoßen.

Soweit die eine Seite. Die andere, die europäische, die transatlantische Seite scheint auf moralisch festem Grund zu stehen. Doch das täuscht. Denn ohne die totale Kompromisslosigkeit des Westens hätte ein Krieg mit hoher Wahrscheinlichkeit vermieden werden können (keine einzige substanzielle Forderung der Russen wurde erfüllt!). Es sei denn, man schurkt Putin noch weiter auf und wirft ihm vor, die diplomatischen Bemühungen nur zum Schein inszeniert zu haben. Nach dem Motto: Er habe von Anfang an nur diese eine Option, nämlich den Krieg gegen die Gesamt-Ukraine, im Auge gehabt. Sehr wahrscheinlich ist diese Deutung nicht, und Beweise dafür gibt es auch nicht. Gleichwohl müssen solche Gedanken in die Betrachtung mit einbezogen werden.

Sehr viel einleuchtender ist allerdings, dass Putin die immensen wirtschaftlichen Verluste und den Imageverlust lieber vermieden hätte – was bei Durchsetzung des Minsker Abkommens und Verzicht der Ukraine auf NATO-Mitgliedschaft durchaus möglich gewesen wäre. Der Westen, genauer gesagt: die USA, haben diese Lösung mit Hilfe des Filmemachers Selenskyj zu Tode diskutiert und letztlich unmöglich gemacht. Das Bemühen um eine Konfliktlösung, der Wille zu einer Autonomielösung für die Aufständischen in Donezk und Luchansk – beides war vor allem von Seiten der Ukraine nicht gegeben. Es ist völlig sicher, dass diese Haltung von den USA maßgeblich erzeugt und befördert wurde. Denn sie sind letztlich die Einzigen, die vom laufenden Krieg profitieren – und die Geschehnisse folglich auch von vornherein so programmiert haben dürften:

  • Es ist ihnen gelungen, den Abstand zwischen Europa und Russland immens zu vergrößern (klare Festigung des bestehenden westlichen Blocks/der NATO mit Unterwerfung der europäischen BündnisPartner – bei Ausschluss einer schleichenden Kooperation mit Russland/China)
  • Die USA dürfen auf die Stilllegung von Nordstream 2 und auf den Export von US-FrackingGas hoffen
  • Die von den USA und von der NATO inszenierte kompromisslose Haltung des Westens mit Kriegsfolge hat das zarte Pflänzchen „Souveränität Europa“ komplett niedergetreten. Europa wird sich nach den zurückliegenden und künftigen Ereignissen nicht von den USA emanzipieren -sondern weiter den „devoten Dackel“ spielen. Der Krieg spaltet und schwächt Europa in erheblichem Umfang (höhere Kosten und verringerte Marktchancen) und verbessert die Wettbewerbsfähigkeit der Amerikaner. Polen, Rumänien und die baltischen Staaten werden sich wegen der vermeintlichen russischen Bedrohung (obwohl es die angesichts der Beistandsverpflichtung der NATO-Staaten überhaupt nicht gibt) noch mehr an die USA anlehnen und Resteuropa wegen seiner Handlungsunfähigkeit verachten.
  • Das US-Establishment kann das Trauma von Irak und Afghanistan endlich relativieren. Denn es hat jetzt den Schurken auf der anderen Seite
  • Der losgetretene Krieg, der vermutlich länger dauert als von Putin vorgesehen, schwächt Russland moralisch und materiell. Sein Status als Weltmacht könnte durch „Totrüsten“ gänzlich verloren gehen.
  • Die USA hoffen auf massive ukrainische Gegenwehr – folglich auch auf neue Erkenntnisse/den Verbrauch von neuen amerikanischen Waffen/Munition
  • Deutschland muss sich angesichts des KriegsDiktates der Forderung der USA nach höheren Rüstungsausgaben (2% des BIP) beugen. Profitieren werden die Rüstungskonzerne in Deutschland und in den USA*, leiden werden deutsche Investitionen in Klimatechnik und Infrastruktur.
  • Putin – und leider auch Russland –  verlieren viele Freunde und Unterstützer in der gesamten Welt
  • Europa, insbesondere Deutschland verlieren weiter an Glaubwürdigkeit (DDR-Waffen an die Ukraine) und werden  durch die immensen Flüchtlingsströme wirtschaftlich geschwächt

Schlimm auch, dass der Mensch in diesem VabanqueSpiel nicht vorkommt. Er wird  – wie immer – belogen und verheizt. Gleichfalls schlimm, dass die auf Putin gerichteten Vorbehalte auf ganz Russland abfärben und dieses Land in den Augen einer breiten Öffentlichkeit – ganz egal, ob zaristisch, kommunistisch oder kapitalistisch – weiter diskreditieren. Schlimm ebenfalls, dass sich Russland mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine immer enger werdende Kooperation mit China einstellen wird. Nicht nur, was den Warenaustausch anbelangt. Nein – auch was die langfristige Erschließung und Besiedlung Sibiriens betrifft. Hier wird es über kurz oder lang zu einer großflächigen Win-Win-Situation kommen: Chinesen und neueste Technologie nach Sibirien – in der Folge: Moderner Aufbau ganzer Regionen/Erschließung gigantischer Rohstoffvorkommen und Befriedigung von Bedürfnissen, die durch weiteres chinesisches Wachstum entstehen. Wachsende Prosperität Russlands durch immense Rohstofferlöse und „Landvermietung“.

Diese Entwicklung angestoßen zu haben, wird sich in Kürze als Kardinalfehler der westlichen Politik erweisen. Denn vereint werden Russland und China dem Westen, wenn nicht mittel- so doch langfristig den Garaus machen. Und schon bald wird klar sein, dass allgemeine Rüstungsanstrengungen – und seien sie noch so groß – angesichts von möglichen Cyberattacken und  atombombenbestückten LangstreckenRaketen allenfalls für Rüstungskonzerne, nicht aber für Staaten oder Staatenverbunde zu mehr Stärke, geschweige denn Abschreckung führen.

Russland mag trotz erheblicher wirtschaftlicher Einbußen aus einer Besatzungsmacht-Lösung langfristig profitieren, Europa aber wird – wie oben schon angeführt – nur verlieren. Denn nicht nur viele Importe (Gas!) dürften teurer werden – auch der Export wird signifikant beschädigt (wachsende Produktionskosten, abgeschnittene Märkte). Europa dürfte – Putins Weiterregieren vorausgesetzt – manigfaltige kulturelle Kontakte zu Russland einbüßen. Das europäische Russland mit all seinen Schriftstellern, Künstlern und Wissenschaftlern wird in weite Ferne rücken.

*Nachtrag vom 1. Juni 2022: Die USA dürften vom 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen für die Bundeswehr überproportional profitieren. Es geht um  die Lieferung von bis zu 35 US-Tarnkappenjets F-35 https://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundeswehr-bundesregierung-will-f-35-tarnkappenjets-beschaffen-a-753b7a99-9617-442e-98ca-1c040a72d035. Gut möglich, dass dann für die Modernisierung dessen, was heute vorhanden ist, wieder kein Geld da ist. Schließlich könnten sich die Importe – wie immer mal üblich – verteuern.

Die gegenwärtige Politik wird von einer heuchlerischen Bande von Scharfmachern beherrscht

Die Situation ist nicht nur brenzlig, sie ist höllisch gefährlich. Das ist der psychologischen Kriegsführung, aber auch dem aktuellen Geschehen geschuldet. US-Außenminister Blinken zerrt – aufgehetzt durch absurde Recherchen der Geheimdienste – an sämtlichen roten Linien, die das Geschehen hergibt. Blinken wörtlich: „Wir befinden uns in einem Zeitfenster, in dem ein Einmarsch zu jedem Zeitpunkt beginnen könnte, und um es ganz deutlich zu machen: Das schließt die Zeit der Olympischen Spiele mit ein“, https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/usa-russland-nato-ukraine-101.html.

Ist dieser Mann noch bei sich? Ist das, was er sagt, nicht genau das falsche Zeichen – in einer Situation, die dringend des Innehaltens bedarf. Stattdessen werden die Russen bis aufs Blut gereizt – in der Hoffnung, dass sie doch irgendwann die Nerven verlieren*.

Die Russen werden sie nicht verlieren. Aber die deutsche Regierung ist dicht dabei. Wenn sie sich im Vorfeld von Scholz‘ Ukrainebesuch doch noch entschließen sollte, Waffen zu liefern, sind wir auf Dauer diskreditiert https://www.tagesschau.de/inland/ruestungshilfe-ukraine-101.html. weniger in den Augen derer, die uns ständig zum Bruch unserer Selbstverpflichtung überreden wollen – vielmehr vor uns selbst. Denn unser Tun wäre nicht nur angesichts unserer Vergangenheit schändlich, sondern auch, weil immer dann, wenn von Deutschland die Rede ist, üble Eigenschaften wie Wankelmütigkeit und Unterwürfigkeit assoziiert würden. Keine Waffen in Spannungsgebiete –  jener edle und (bislang) eiserne  Vorsatz – wäre dann erneut und diesmal sehr ernsthaft  zur Worthülse verkommen. Deutschland würde zu einem Land, dem man nicht vertrauen kann.

Dass US-Außenminister Blinken den kommenden Mittwoch als möglichen Termin für den Beginn einer militärischen Aggression der Russen gegen die Ukraine benennt, ist einzigartig in der Geschichte der modernen Welt https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/krisen/id_91650602/drohender-krieg-russlands-praesident-putin-fuehrt-den-westen-vor.html. Es zeigt aber auch, wozu Politiker, die innenpolitisch unter Druck stehen, heute fähig sind.

Worauf soll die Ansage hinauslaufen? Soll sie der Aufforderung an alle Amerikaner, die Ukraine schleunigst zu verlassen, zusätzlichen Druck verleihen? Soll sie die Menschen diesseits und jenseits in Panik versetzen, sie zu Vorkehrungen animieren, die im Ernstfall notwendig sind? Oder soll sie die Menschen täuschen?

Immerhin wäre es möglich, dass auf die Russen gezeigt wird, während Ukrainer einen Angriff auf die Separatisten vorbereiten und dann lostreten. Letzteres wäre ein Schreckensszenario, denn die Lage würde zweifellos so dargestellt, dass auch hier die Russen schuld wären. Weil deren Agenten, perfekt getarnt, einen solchen Angriff steuerten. Die USA haben solch ein Szenario bereits beschworen und vorveranstaltet. Was also, wenn in jedem Fall Putin der Verbrecher wäre  – und nicht die Amerikaner?

Jetzt wird gegen Gerhard Schröder blank gezogen – weil er die Nähe zu Putin nicht aufgibt, weil er für Frieden in der Ukraine plädiert und alle Provokationen an dieser Stelle verurteilt, weil er zur offiziellen Politik der Ampel quer steht und den Amis ihre Fracking-Gas-Träume (es handelt sich hier um ein höchst verachtenswertes Produkt**)verhagelt.  Vorgeschoben werden seine materiellen/wirtschaftlichen Interessen, dass er NordStream II und damit das russische Gas für Deutschland um jeden Preis durchsetzen möchte, dass er mit seinen Aufsichtsrats-/Verwaltungsrats-Mandaten bei Gazprom&Co. reich und ein politischer Fürsprecher/ eine Galionsfigur der Russen werde.

Ich habe Schröder nie besonders leiden können – vor allem deshalb nicht, weil er sich gnadenlos für die Wirtschaft und zu wenig für die Unterprivilegierten in unserem Land einsetzte. Er erlaubte deutschen Banken den Handel mit toxischen Papieren, er ließ Hartz IV lostreten, reduzierte die Steuerlast von Unternehmen und hievte das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre. Außerdem lobbyierte er für die russische Gasindustrie – kaum, dass er 2005 sein Amt als Kanzler loswurde. Witzig ist, dass ihm die CDU für sein Wirken nach wie vor dankbar ist, während ihn die eigene Partei mehrheitlich verteufelt.

Auf der anderen Seite hat Schröder – vor allem außenpolitisch – Mut bewiesen. Er hat sich von den Amis nicht in den Irakkrieg hineinziehen lassen, die Sicherheitspartnerschaft zwischen der NATO und Russland unterstützt und damit auch den Geist der Brandtschen Ostpolitik weiter getragen. Und das gegen den erklärten Widerstand der amerikahörigen, russlandfeindlichen Kräfte, die heute das Sagen haben. 

Schröder war und ist ein dynamischer Politiker – er wusste, was er tat und bewies im Amt ein starkes Durchsetzungsvermögen, etwas, dass heutigen Politikern zumeist abgeht.

Jetzt, da er alt ist, wagt man, auf ihm rumzuhacken, spricht von Verweisen gegen ihn, will ihn sogar aus der Partei ausschließen.

Dass russisches Gas nur dann fließt, wenn zwischen Deutschland und Russland Frieden herrscht, ist klar. Schröder zu unterstellen, dass er ausschließlich deshalb für Frieden plädiert, wäre mehr als bösartig. Schröder pflegt seine Freundschaft mit Putin. Das allein reicht schon, um ihn anzuprangern – als ob Freundschaften und gute Beziehungen nichts wert wären. Klar, die USA wollen ihre Vorherrschaft auf den Weltmärkten nicht nur befestigen, sondern weiter ausbauen. Das bedeutet auch, Konkurrenten – wo immer möglich – zu schwächen/ niederzurüsten. Eine Politik gegen Russland und China ist damit ebenso vorprogrammiert wie der Hass auf all diejenigen, die mit Russland oder China kooperieren möchten. Vor allem letzteres bestimmt die politische Situation der Gegenwart. Wer aus Russland die Hauptmenge seines wichtigsten Energieträgers (Gas) bezieht und eine Substitution durch US-FrackingGas vom Grundsatz her ablehnt, verstößt ganz ausdrücklich gegen amerikanische Interessen, geriert zum Bremser, zum unsicheren Kantonisten.  Diese Diskussion ließe sich endlos fortsetzen und trefflich um Befindlichkeiten der umgangenen Nachbarländer, um Gas als Brückentechnologie, um die Fragwürdigkeit von Partnerschaften und die Europa betreffenden Spaltungsbemühungen der USA ergänzen.

Hier soll es aber ausschließlich um Naheliegendes gehen, darum, dass sich die USA erfrechen, in deutsche Wirtschaftsprojekte einzugreifen, sprich: einen Boykott gegen alle am Bau beteiligten Firmen auszusprechen. Dass es sich dabei um einen einzigartigen feindlichen Vorgang handelt, wird hier zu Lande so gut wie nicht thematisiert. Um die Fertigstellung und Finanzierung sicherzustellen, müssen sich die mit dem Pipelinebau beteiligten Firmen quasi abducken und eine staatliche Stiftung um Unterstützung bemühen. Weil staatliche Unternehmen von US-Boykott ausgenommen sind. Wo leben wir denn, wo kriechen wir denn. Unsere Souveränität ist auch hier wieder einmal total am Boden. Und wenn Biden bereits verspricht, dass er NordStream II stillegen will, dann sieht das nach kompletter, nicht nur nach Schröders, sondern nach Deutschlands Niederlage aus. Keiner weiß heute, wie er im Konfliktfall russisches Gas ersetzen könnte. Das amerikanische FrackingGas reichte hinten und vorn nicht (man wäre auch gar nicht in der Lage, kurzfristig die dazugehörige Infrastruktur zu schaffen) und anderweitig beschafftes Gas würde die schon jetzt rasanten Preise weiter ins Uferlose katapultieren.  Sprich: die Wirtschaft müsste gigantische Zusatzkosten schlucken. Sie würde ihre Konkurrenzfähigkeit auf den Weltmärkten gefährden – sie geriet in Schockstarre.

Fragt sich natürlich, ob dass den USA nicht bestens ins Konzept passte. Sie würden ihr FrackingGas zu Vorzugspreisen in Deutschland loswerden, sie würden Deutschland mit Erfolg von Russland abkoppeln, sie würden im Baltikum, in Polen und in der Ukraine weiter Punkte sammeln und damit die Spaltung Europa – so auch dessen Schwächung – erfolgreich fortsetzen. Wenn es dann noch gelänge, einen Stellvertreterkrieg vom Zaun zu brechen, sprich: die ukrainischen Nationalisten – allen voran die faschistischen Swoboda-Brigaden – gegen die Aufständischen in Donezk und Luhansk in Stellung zu bringen, wäre der amerikanische Fischzug perfektioniert. Immerhin dürfte es leicht fallen, ein paar korrupte und waffengeile Provokateure zu finden, die den Konflikt morgen lostreten. Die neuen amerikanischen Waffen und Granaten würden dann auch getestet. 

Was hat das alles mit Schröder zu tun?

Nun, Gerhard will den USA das einträgliche, höchst komplexe Geschäft vermasseln. Doch nicht nur das. Er setzt dem ständigen, im Grunde unerträglichen RusslandBashing mal eine Mahnung an die Ukraine entgegen (hört auf mit dem Säbelrasseln!). Etwas höchst Ungewolltes, eine Botschaft, die nach Auffassung der tonangebenden Politik zur Unzeit kommt, etwas, dass in den MainstramMedien total ausgespart wird. Klar, dass Olaf Scholz und sein Team da aufstöhnen. So kurz im Amt, so vordergründig auf Fortschritt gebürstet und schon in der alten Kniefälligkeit. Alles kuscht vor den USA, und auch Gabriel – einst so nett verbündet mit Schröder –  fährt klaren BRÜCKE***-Kurs. Schon erstaunlich, dass das Volk völlig anders gepolt ist. Nach letzten Recherchen des SPIEGEL wünschen 46 % der Deutschen mehr Nähe zu Russland. Zu vermuten ist, dass sie in Sachen Frieden auch eher nichts gegen Gerhard Schröder haben. Dass diese Haltung völlig konträr zur weitgehend gleichgeschalteten Propaganda steht, ist grotesk. Da wird die mecklenburgische Ministerpräsidentin Schwesig als SchröderVersteherin und NordStream II- Trickserin verunglimpft, da wird verbreitet, dass Schröder bis auf ein paar ihm verpflichtete Typen keine Freunde und Fürsprecher habe (DER  SPIEGEL Nr. 7/2022, S. 22 ff.: „Ein fatales Signal“ https://www.spiegel.de/politik/deutschland/gerhard-schroeder-wie-der-altkanzler-die-spd-mit-seinen-russland-jobs-quaelt-a-5cc8d3be-0fa0-4edb-adf6-7b60ecfa57a3), da wird letztlich die Panikmache von US-Außenministers Blinken (alle Amis sofort raus aus der Ukraine!) durch gleichlautende Aufrufe an deutsche Staatbürger befeuert.

Ich finde das alles zutiefst unfriedlich … und höchst gefährlich …

 

*Ich halte es für mutig, dass DER SPIEGEL in seiner Ausgabe vom 12. Februar 2022 umfangreiche Rechercheergebnisse zum Thema „NATO-Erweiterung“ preisgibt. Und dann feststellt,dass es bereits Anfang der Neunziger Jahre – nicht nur von den USA, sondern auch von Großbritannien und Frankreich – mündliche Versprechen gab, den Einflussbereich der NATO nicht weiter auszudehnen. Der Westen habe mit einer gegenteiligen Politik keine Verträge gebrochen (denn die gab es schriftlich nie), er habe aber sehr deutlich gegen den Geist der Absprachen verstoßen (Genscher in einem Interview)  https://www.spiegel.de/panorama/nato-osterweiterung-was-hat-der-westen-1990-heimlich-dem-kreml-zugesagt-a-38b7dc85-ab4f-48db-837d-1b974c8ae95a

** https://www.stoerfall-zukunft.de/?s=Fracking

***gemeint ist die Atlantik-Brücke – lt. Wikipedia ein gemeinnütziger Verein, der mit dem Ziel gegründet wurde, eine wirtschafts-, finanz-, bildungs- und militärpolitische Brücke zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland zu schlagen.

Der US-Diplomat George F. Kennan hatte am 5. Februar 1997 eindringlich vor der Osterweiterung der Nato gewarnt – ist aber von Clinton nicht gehört worden https://www.infosperber.ch/politik/welt/so-kann-man-aus-der-geschichte-lernen/.

So kann man aus der Geschichte lernen