Archiv der Kategorie: Poesie

Die Kehrseite der Medaille

Es ist zum Kotzen und wie immer: Jemand tritt die Kampagne los und das Pendel – es schlägt, bevor es im Rückwärtsgang alles tot macht – bis ins Endlos. Aus dem Versuch, altes Unrecht zu tilgen, wird die Vernichtungsmaschine, wird ein Gesetz, dass nachschlechtert, das Männer zur Schriftform zwingt, bevor sie zur Sache kommen.  In Schweden sollen Männer Frauen jetzt offiziell und Erlaubnis bitten müssen. Geplant ist ein „Einverständnis-Gesetz“ http://www.rp-online.de/politik/ausland/schweden-verschaerft-strafrecht-kein-sex-ohne-einwilligung-aid-1.7275527 Haben die einen Knall?

Natürlich: Wedel müsste in den Knast, wenn er Frauen vergewaltigt hat. Aber bitte: Vorher muss das zweifelsfrei bestätigt sein.

Andererseits weiß man doch: Viele Frauen schlafen sich hoch, ohne dazu genötigt zu werden. Ja, mehr noch: H. S. Spöde weiß von Frauen, die ihre Liebhaber der Vergewaltigung bezichtigen, um ihrem Partner nicht gestehen zu müssen, dass sie ihn betrogen haben http://www.rp-online.de/nrw/staedte/mettmann/vom-tatort-haelt-der-kripochef-nicht-viel-aid-1.7370906.    Soweit kommt’s.

Wenn  Frauen da zu relativieren beginnen, bekommen sie gleich eins auf den Dez. Stichwort: Deneuve. Sie musste sich gleich entschuldigen, um einem Imageschaden zu entgehen http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-01/metoo-catherine-deneuve-liberation-entschuldigung. Andere Frauen sind da unangreifbarer und mutiger. Heike-Melba Fendel zum Beispiel. Sie schreibt: Wo heute Macht und Sexualität thematisch verknüpft werden, landet man zügig beim Missbrauch. Und fast immer bei jenem Gedanken, der von mächtigen, triebhaft aufgeladenen Männern ausgeht und sich gegen machtlose und in ihrer Sexualität nicht beschriebene Frauen richtet. Die Femme fatale hingegen, also jene verheißungs- wie verhängnisvolle Verführerin, die Männer im Dienste des eigenen Begehrens in vielgestaltiges Unglück zu stoßen weiß, ist als Vorschlag für ein weibliches Gesamtkunstwerk nicht einmal mehr im Kino anzutreffen“ https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/die-rueckseite-des-begehrens.

So weit zu den Absurditäten von heute,  zu den Halbbildern und Profiteuren. Unterm Strich bleibt wie immer der große Kick. Man nimmt, was ankommt und knallt.  Wen interessiert schon die Gesamtheit?

(Me)Too nicht so,

hast Dich doch nur

hochficken wollen.

Als das schief ging

und der Boss blockte,

warst Du sauer

– dreißig Jahre lang.

Jetzt,

da das Schwein

am Boden liegt,

kriegst du Lust

nachzutreten.

Etwas spät

für Deine Kariere:

Deine Brüste,

sie kreisen

auf halb sechs

und die Falten,

sie graben sich

in MeToo-Salema …

 

 

unten

 

Mehleintreiber,

weißt sehr  wohl,

dass es nicht

der Wind ist,

der Deine Mühle

beflügelt.

 

Im Zeichen

der Flaute

sind es wieder

die Barfüßigen,

die billigen Pedaltreter,

die dein Korn

aufbrechen.

 

Wie immer,

erklärst Du

die Welt,

lässt ihn

gold schminken,

den Brosamen

und nennst ihn

 

GLÜCK.

Vorbei

Vorbei

 

Ich wollt’
Dir Antwort geben,
doch Du warst
schon fort.

Ich wollt’
Dich fragen,
doch Du kamst
meiner Frage zuvor.

So asynchron
verbringen wir
unsere Zeit:

Immer fragwürdig,
nie
um eine Antwort

verlegen.

Sprüche

Ein Fass
ohne Boden-
haftung:

 
Was Hänschen nicht leert
Leert Hans
klaglos.
Niemand predigt Wasser
und weint heimlich
ins Plüschsofa.
Gut geht’s und
Früh übt sich,
was ein Meister …
Morgens den Königsschinken
Mittags den edlen Braten
Und abends
den Bettelbrief
des Mieters.

Wieder ist
die Wünschelrute
der Vater
des Gedankens.
Was sie ihm
heute besorgt,
verschiebt er morgen
ins Flattergewand.
Vergeblich ihr Flehen
nach Morgenstund
mit nichts im Mund.

Dem Glücklichen
schlägt kein Hund an,
nur den letzten
beißen die Stunden
ins Gesicht,
Ihm ist nicht
aller Tage
Asyl.

 
Billig
ist bitter
und was der Bauer
nicht melkt
frisst ihm
die Haare
Von Kopf
bis Fuß
sieht ihn niemand
und sein täglich Brot
wird teuer.

Guten Rat gibt es
heut nimmer
Da hoffe,
wer die Bäume
in den Himmel
und die Wolle
mit Fell
vom Balg zieht

 
Wem Ohren
wachsen,
der wird unser Gras
hören.

Mond

Wieder
hat der blasse Mond
sein Gesicht
meiner Seele aufgehängt.
Wieder hat er diese Nacht
mit der Helle seiner Meere
sich ins Bett zu mir gedrängt.

Was ist, wenn wir morgen
Wasser füllen
in dieselben?
Macht er dann
ein Blaugesicht,
statt mich immer wach zu gelben?