Archiv der Kategorie: Gesellschaft

gewissenlos

Profitgier – ein Markenzeichen des Kapitalismus

 

Große Spenden – dass ich nicht lache!

Ich bitte Sie, Herr Lauer, wenn Sie an das Gewissen der Reichen glauben https://www.zeit.de/2019/47/rechtsextremismus-geld-verteilung-faschismus-gesetze/seite-3, sind Sie im Wesentlichen auf dem Holzweg. Freiwillig und selbstlos gibt kaum jemand etwas. Es sei denn, die Spende/Zuwendung dient direkt den wirtschaftlichen/persönlichen Interessen. Das ist wie mit der freiwilligen Selbstbeschränkung von Konzernen – wenn es z.B. um Lohndumping, um den CO2-Ausstoß, um die Reduzierung prekärer Löhne, Antibiotika bei der Massentierhaltung, von Güllemengen oder NOx-Emissionen geht. Auch hier führt Freiwilligkeit zu nichts – dennoch beleben die Konservativen dieses Prinzip stets aufs Neue. Nun ja, wir wissen, warum: Die Konzerne und ihre Lobbyisten versuchen alles, was Profite beschneidet, zu mindern oder gänzlich zu verhindern.

Zurück zu ihrem Beitrag, Herr Lauer. Sie als Ex-Pirat müssten doch genau wissen, dass nur gesetzliche Reglungen die Geldverteilung verbessern könnten. Wenn, ja wenn die Gesetze nicht unter Mitwirkung der Lobbyisten in den Hinterzimmern der Ministerien verzapft würden. Wäre das anders, dann gäbe es Reglungsmöglichkeiten. Doch bei so entscheidenden Fragen wie zur Vermögenssteuer oder beim Spitzensteuersatz, bei der kalten Progression oder bei der Mehrwertsteuer sind Optionen kaum denkbar. Schon gar nicht, wenn konservative oder grün-konservative Kräfte an der Macht sind. Folglich passiert nichts, resp. nichts Signifikantes.

Mit dem Gewissen hat das zu tun, aber nicht … mit dem Gewissen der Reichen …

Tod und Verderben

Vom HilfsTarzan zur SumpfQuappe

Wer ist Günter Krause?  werden sie fragen. Und ich antworte: Das ist der, den Schäuble &Co. eingekauft haben, um von Seiten der DDR den Einigungsvertrag abzunicken https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/30844402_wegmarken_einheit6-202386. Krause war einen Moment lang der wichtigste Mann im Lande, der Willigste zudem.

Ja, das gab damals, das gibt heute null Punkte für Krause! Denn sein einstiges Wirken ist nicht feststellbar, sein bevorstehendes dürfte ebenso beschämend ausfallen. Er hat es nicht vermocht, auch nur ein Wort an der bundesdeutschen Verfassung/ am Grundgesetz zu ändern.    Auch im Camp wird es nicht zu mehr als zum Erfüllungsgehilfen reichen. Aber warten wir ab ….

Wir wissen nicht, ob dieser Krause, der von Kohl für sein Mit- und Nichtstun hoch belohnt wurde, ob dieser Krause, der wenig  später bankrott und kriminell abstürzte, plötzlich verarmt ist. Nahe liegt das schon. Denn wer von den ehemals Prominenten im DschungelCamp auftaucht https://rp-online.de/panorama/fernsehen/dschungelcamp-2019-ex-verkehrsminister-guenther-krause-will-als-teilnehmer-einziehen_aid-34920719, ist in der Regel kaputt. Krause war es bereits damals. Gut möglich, dass jetzt auch der Rest nachfolgt.

 

Der Kaufrausch hat die Proteste erstickt

Ich weiß nicht, ob das für den 29. November bewusst so eingerichtet wurde: dieses Aufeinandertreffen von irrwitzig vorgezogenen Weihnachtsmärkten und BlackFriday auf der einen und der „machtvoll sein wollenden“ Friday-for-Future-Demo auf der anderen Seite. Fakt ist, dass dieser Kontrast beispielgebend war für das , was sich in unserer Gesellschaft wirklich tut. Da geht es vor allem um Konsum, um noch mehr Raffen in Zonen, die vor Weihnachtsmännern (hey, warum nicht Frauen?) und abgeholzten Bäumen nur so strotzen, in Zonen, die alles hergeben, was den Hohlköpfen an Wünschen so eingeblasen wurde.

Die Schar der Protestierer nahm sich dagegen echt mickrig aus. Zumindest in meiner Stadt, in Ratingen, wo das Häuflein von ehemals gut tausend (20.9.) auf zweihundert Teilnehmer geschrumpft war.

Und dann erst der folgende Samstag, und Sonntag und Montag. Die Anbieter hatten die Preishosen knallig runtergelassen. Bis zu dreißig Prozent reichten die Rabatte, und alle Welt suhlte sich im Kaufschaum, schmiss – kaum zur häuslichen Ruhe gelangt – die alten, dann aber auch die fast neuen, erst vor ein paar Monaten erstandenen Klamotten weg – gerade so, dass Verschwendung und Ressourcenverbrauch schön sichtbar wurden. Jetzt quellen die Altkleiderboxen schwer über, die Sperrmüllhaufen erreichen astronomische Ausmaße und die polnischen (immer weißen) Transporter sahnen ab, bevor die offiziellen Abräumer auf der Bildfläche erscheinen.

Die Rheinische Post, die dominierende NRW-Zeitung ohne politische Alternative, macht da schön mit. Sie erwähnt mit keiner Zeile die bevorstehenden Demos, erfreut sich vielmehr der vielen Konsumjünger, düpiert unaufhörlich diejenigen, denen die notwenige Politikwende am ehesten zuzutrauen ist (Borjans/Esken, Habeck und Baerbock) und wirbt prahlerisch für die neuen, hochmotorisierten Umweltverpester, die in der LA Autoshow auf die Bühne kommen https://rp-online.de/leben/auto/die-neuheiten-von-der-la-autoshow_aid-47515281.

Muss diese Ignoranz nicht auch digitalisiert werden?

 

Wo Kapitalismus gänzlich zum Irrsinn wird

Nicht nur, dass Fußballer, Basketballer, Tennisspieler und Lottokönige ein Geld verdienen, dass mit ihrer Leistung nichts zu tun hat. Jetzt wird auch noch ein Heuhaufen für 111 Millionen US-$ versteigert https://www.tagesschau.de/kultur/monet-111.html. Gut möglich, dass sich den nur wenige leisten wollen/können. Den gegen Bayer klagenden  Pilliods, die jetzt mit einer Schadensersatzsumme in mehrstelliger Millionenhöhe rechnen können https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/bayer-verliert-glyphosat-prozess-in-usa-soll-zwei-milliarden-dollar-zahlen-a-1267278.html, fiele das leicht. Unklar wäre, ob die Nadel dann im Haufen oder im Filz bliebe.

 

Groß rumtönen und dann wegducken geht garnicht!

Ich finde es wichtig, dass es Utopien gibt. So es denn Modelle und Konstrukte einer zukünftigen nachhaltigen Welt sind, deren Inhalte und Ideen zur Qualifizierung unserer heutigen Gesellschaft beitragen. Helder Yuren hat das in seinem 2014 erschienen Buch HOMO RAPIENS RAPIENS mehrfach angestoßen https://www.amazon.de/Homo-rapiens-Utopie-als-Ultimatum/dp/3739270071/ref=sr_1_4?ie=UTF8&qid=1552742407&sr=8-4&keywords=Homo+Rapiens+Rapiens. Das Problematische an solchen Betrachtungen ist, dass es wie z. B. bei Harald Welzer („Alles könnte anders sein – Eine Gesellschaftsutopie für freie Menschen“) allzuoft bei einem Mix aus Angstmachen (diese Welt ist total gefährdet) und bloßen Gutmensch-Bildern bleibt. Wobei sowohl die Widersprüche im jetzigen Leben der Menschen als auch die Wege in eine neue bessere Welt eher verschüttet als aufgezeigt werden. Es macht tatsächlich wenig Sinn, und es ist auch alles andere als überzeugend, wenn Futuristen aus der eigenen Wohlstandsinsel heraus nur eines im Sinn haben: ihr moralisch-ökologisches Gewissen zu optimieren. Wie die Welt heute beschaffen ist, wissen wir zu Genüge. Sie erneut und immer wieder als das zu beschreiben, was letztlich nicht funktionieren wird, bringt niemanden vorwärts. Denn wer darauf verzichtet, die gesellschaftlichen Verhältnisse dialektisch zu analysieren, wer darauf verzichtet, veränderbare Dinge anzufassen und umzuformen, ist nicht mehr als ein Wiedergänger plakativer Sprüche. Wenn Bernd Stegemann auf dem Weltretter Harald Welzer herumhackt https://digital.freitag.de/1119/gehirn-aus-lego/, dann tut das zunächst weh. Ich selbst habe Welzers Bücher vor gut zehn Jahren mehrfach zitiert, weil sie zumindest von der Zustandsbeschreibung her die Beschaffenheit von Welt und Gesellschaft gut spiegelten. Jetzt aber, zehn Jahre später, reicht das nicht mehr. Das Was und Warum muss endlich mit dem Wie, dem Tool des Gestalterischen verknüpft werden. Noch wird überall dort, wo man den notwendigen Übergang von fünf benötigten Erden auf unsere eine, real zur Verfügung stehende, einfordert, entweder nichts oder aber gleich die Weltrevolution plus Sozialismus und Ökodiktatur eingefordert. Beides geht an der Wirklichkeit vorbei. Denn Nichtstun bedeutet, der Hölle weiter Vorschub zu leisten und Revolution allenfalls Chaos. Aller Wahrscheinlichkeit nach müssen wir nicht nur den Kapitalismus weiter ertragen, sondern verlustreich mit seinen immer neuen und brutaler werdenden Auswirkungen kämpfen. Nicht in einer Revolution, denn die ist nur nach einer totalen Katastrophe denkbar, sondern in bürgerschaftlichen Aktionen, sprich: Bürgerbewegungen, Massenprotesten etc. Leider lassen sich die Menschen vor allem in Deutschland wenig motivieren. Ihr Lebensstandard ist zu hoch und Aldi immer noch billig genug, um alles aufzufangen (ja, ja, ich höre die Schreie derer, die das für Beschwichtigung halten). Natürlich gibt es relative Armut, natürlich segelt unsere Gesellschaft in die Altersarmut, aber doch erst in Jahren und Jahrzehnten. Solange der Stachel nicht spürbar wird – und das bleibt aus, solange die Menschen irgendwie über die Runden kommen – so lange sind progressive Gelbwesten hier zu Lande nicht zu erwarten. Teile der Linken, der SPD und der Grünen versuchen, mit „Aufstehen“ eine breite Front gegen die oft zitierten Missstände – vor allem gegen zu niedrige Mindestlöhne und Hartz-IV-Sätze, gegen Umweltverbrechen, gegen Wohnungsnot, gegen zweierlei Maß bei Gesundheit, Bildung, Steuern und Strafverfolgung etc. –  aufzurichten. Was vom Prinzip her richtig ist. Denn nur wenn sich Menschen unterschiedlicher Positionen hinter gemeinsam vertretenen Losungen/Handlungsoptionen versammeln, können Menschenmassen auf die Straße gebracht werden. Und nur auf die reagiert die Politik. Aber es hapert an der Kraft von unten, einer Kraft, die sich in Frankreich an unzumutbaren Lebenslasten entzündet und über das Internet organisiert hat. Freilich mit dem Ergebnis sehr unterschiedlicher, z. T. auch verhängnisvoller Auftretensweisen und Erscheinungsformen. Sicher scheint indes, dass in erster Linie die vom Elend Betroffenen aufstehen müssen – freilich mit dem Wissen, was wie zu bewerkstelligen ist, um die Lage zu verbessern.  Hier ist dann die Führung gefragt, die aufklären, sorgfältig sortieren und dann auch führen muss. Siehe auch

Sahra ist gestürzt – was für eine Dummheit!

Uns geht es gut, aber ……..

Uns geht es vergleichsweise gut. Grassierende Not ist uns Deutschen seit Weltkrieg zwei so gut wie unbekannt. Dass wir diese Situation nicht nur dem Fleiß, der Strebsamkeit und Intelligenz der Arbeitenden, sondern auch der Trickserei und dem Egoismus der Eliten zu verdanken haben, wird häufig nicht bemerkt. Oder aber ausgeblendet. Ich nenne von den vielen Tatbeständen/Fakten nur drei, die das immer wieder belegen. Fakt 1: die gegen die Interessen der Nachbarländer gerichtete Exportgeilheit der deutschen Wirtschaft. Fakt 2: die von Deutschland durchgedrückte Dublin-Vereinbarung, die es allen Ländern, die nicht an einer EU-Außengrenze liegen, erlaubt, Flüchtlinge dorthin zurückzuweisen, wo sie in den EU-Raum eingetreten sind. So konnte sich z. B. Deutschland theoretisch alle Flüchtlinge/Migranten vom Hals schaffen, den keiner von denen hat die EU über Deutschland betreten können. Dass Deutschland infolge der unglücklichen Merkel-Politik für diese Unverschämtheit bestraft wurde (das kann man mit einem Augenzwinkern ruhig so sehen), hat die Dinge etwas zurecht gerückt. Aber inzwische gibt es wieder mehr Zurückweisungen, also das System läuft noch, und niemand ändert es. Dritter, eher unspektakulärer Punkt:  keine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Großteilen der deutschen Autobahn. Auch hier unterläuft Deutschland Europa. In allen Nachbarländern nämlich geht es auf den Autobahnen höchst friedlich zu. Nur hier zu Lande schafft man Freiräume (und entblödet sich nicht, diese Freiräume als einen unverzichtbaren Teil von Freiheit darzustellen) – vor allem im Interesse der Autoindustrie, die ihre hoch motorisierten, teuren Benzinfresser vermarkten möchte. Jedes Jahr werden Tausende Autofahrer aus den Nachbarländern mit der Möglichkeit nach Deutschland gelockt, ihre Karren auszufahren, deutsch zu drängeln und hochtourig-zeiteffektiv nach Süden zu rasen. Wobei dann auch in Deutschland konsumiert und ggf. übernachtet wird.

Uns geht es vergleichsweise gut. JA. Weil  die Arbeitenden in Deutschland schlecht bezahlt werden und damit die für die EU vereinbarte Inflationsrate von 2% gezielt unterlaufen wird. Weil wir den Grenzländern Kosten und Probleme, die sich mit der Lösung der Flüchtlingsprobleme auftun, schonungslos aufbürden. Und nahezu nichts dafür tun, dass vor allem Griechenland, Italien und Spanien großzügig entlastet werden.  Und ja, weil wir allzu oft in den Chor derjenigen einstimmen, die die Deutsche Umwelthilfe (weniger NO2 und CO2 sowie Tempo 120 km/h auf deutschen Autobahnen) ausklicken, zumindest aber von ihren Subventionen abschneiden möchten.