10. September 2021: Hallo Freunde, hier wieder die Aktuellen Schlagzeilen aus dem BLOGhaus

Ich habe an Herrn Habeck geschrieben, obwohl mir klar ist, dass ich keine Antwort bekommen werde. Warum das so ist, erfahrt ihr im Newsletter … ganz unten.

 

 

 

 

 

 

Zum Thema Afghanistan ist fast alles gesagt worden. Deshalb erspare ich mir überflüssige Kommentare. Interessant ist vielleicht, dass die Europäer, die für die Katastrophe mit verantwortlich sind, jetzt illusorische Forderungen an die Taliban stellen, Forderungen, von deren Erfüllung sie die dringend erforderliche Hilfe für das afghanische Volk abhängig machen. Obwohl man moralisch am Boden liegt, ist man erneut unfähig zur Demut und bläst den EuroSack beschämend weit auf. Barbara Tuchmann, die ich immer wieder zitiere, kennt dieses Phänomen https://www.amazon.de/Die-Torheit-Regierenden-Troja-Vietnam/dp/3596153948/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&crid=3QXMXCS3120H6&dchild=1&keywords=barbara+tuchmann+die+torheit+der+regierenden&qid=1630948850&sprefix=Barbara+Tuchmann%2Caps%2C174&sr=8-1  und Hans-Georg Ehrhart weist ebenfalls darauf hin https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/eine-guerilla-hat-zeit. Die Eroberer begeben sich auf Kreuzzüge, geraten selbst als Übermacht in die Bredouille (siehe auch Vietnam) und versuchen die Defizite dadurch zu beheben, dass sie bei gleicher SchussRichtung noch einen (ebenso falschen) draufsetzen. Der MaliEinsatz bleibt sakrosankt und die Konservativen bekräftigen lautstark, dass Auslandseinsätze ein Mittel ihrer Wahl bleiben.

Auch ganz bezeichnend: Der MorgenpostSchleimer Thadeusz diffamiert diejenigen, die schon immer gewusst haben, dass das AfghanistanAbenteuer über die unmittelbare Bestrafung von Al Kaida hinaus ein imperialer Irrsinn ist

https://www.morgenpost.de/kolumne/thadeusz/article233100721/Das-Drama-in-der-Ferne-tut-dem-deutschen-Besserwisser-gut.html Als ob die Sache nicht von vornherein völlig klar war.

Eine Schande, dass die BundestagsMandate für die mehrmalige Fortsetzung der ISAF-Einsätze von allen Parteien außer den Linken mitgetragen wurden. Europa und insbesondere Deutschland haben sich zum devoten Affen der Amis gemacht – die, man nimmt es ja langsam zur Kenntnis – ihr eigenes Ding drehen. Sie schrieben ohne Abstimmung mit den Aliierten das AbzugsDatum fest, verhandelten mit den Taliban in Doha allein und ebenfalls unabgestimmt die konkreten Prozeduren und machten sich dann –  nach eigenem Ermessen – in Kabul aus dem Staub. Der dumme Rest der Besatzer konnte sehen, wo er bleibt.

So sieht Freundschaft, so sieht die Allianz mit dem überseeischen Partner – so sieht das aus, was SPD-Kanzlerkandidat Scholz trotz aller Malaisen weiterhin einfordert. Im Streit mit den Linken, die diesbezüglich den Kanal übervoll haben.

Dass die chaotische Evakuierung aus Afghanistan weitere Gefährder auch nach Deutschland spült, ist nicht nur offensichtlich, sondern bereits nachgewiesen. Viel bedrohlicher allerdings scheint die Tatsache, dass sich hier zu Lande eingenistete Extremisten durch den Exodus aufgerufen fühlen könnten, ihre Tauglichkeit und Schlagkraft im Kampf gegen den Westen zu beweisen.           Experten gehen davon aus, dass sich die Gefahrenlage in Deutschland und Europa relativ schnell verschärft https://www.br.de/fernsehen/das-erste/sendungen/report-muenchen/taliban-afghanistan-terrorgefahr100.html.

Krieg ist ein Geschäftsmodel. Währt er kurz wird wenig, währt er lang, wird viel verdient https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/gestorben-wird-woanders

Viel genauer lässt sich das Desaster in Afghanistan nicht beschreiben:

https://www.stoerfall-zukunft.de/sehr-viel-besser-laesst-sich-die-gesamtsituation-fuer-afghanistan-kaum-darstellen/

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/eine-guerilla-hat-zeit

 

Borodin – ein großer europäischer Komponist! https://www.youtube.com/watch?v=5-tPOU5Dwso

Auf zu grotesker Monotonie, zu Illusionen und verqueren Weltsichten! Gursky, der derzeit in Duisburg ausstellt, muss nichts kommentieren ….

 

Wir hoffen inständig auf höhere Wirkungsgrade bei Solarzellen. Die Gallium-ArsenitZelle könnte ein Schlüsselelement für bessere SonnenAusbeute werden. Fragt sich, ob die erforderlichen Werkstoffe wieder nur rar und teuer, ob ihre Gewinnung umweltfreundlich oder –schädlich ist https://photovoltaiksolarstrom.com/photovoltaiklexikon/galliumarsenid/

 Endlich sind die Bücher der Ratinger ERA-Autoren in den Bestand des Medienzentrums der Stadt aufgenommen worden …. Sie können über den Link http://89.107.70.39/webopac/index.asp?DB=webopac  ausfindig gemacht werden.

Es folgt … die Eigenwerbung: Meine  sind auch dabei https://www.stoerfall-zukunft.de/meine-buecher-konnen-ab-sofort-im-medienzentrum-der-stadt-ratingen-ausgeliehen-werden/

BEETHOVEN: Schöner geht’s nicht  https://www.youtube.com/watch?v=aWSXFUiDPDQ

Der aktuelle Standpunkt: Schluss mit dem Gefasel über das Weiterbetreiben der Kernkraftwerke! Diese Technologie ist und bleibt teuer, unsauber, alles andere als nachhaltig und … gefährlich! https://www.mdr.de/investigativ/atomstrom-klimakrise-atomkraft-reaktor-atommuell-100.html

Naika Foroutan meint, dass in Deutschland eine postmigrantische Partei gegründet werden müsste, damit die Interessen der Zugewanderten besser vertreten würden https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/fuer-offensive-gleichheitspolitik.

Ich glaube, dass dieser Ansatz ein grundfalscher ist, weil zum einen die Interessen der Migranten aus den unterschiedlichen Ländern und Kulturkreisen niemals einvernehmlich, gebündelt oder zumindest von den Hauptthemen her einigermaßen einheitlich vertreten werden können. Zum Zweiten widerspricht der Ansatz dem Integrationsbestreben. Die schon heute vorhandene Gettoisierung – übrigens eine Erscheinung, die es überall auf der Welt gibt und gegen die kein Kraut gewachsen ist (warum auch? Deutsche im Ausland siedeln auch nicht anders) – würde weiter verstärkt. Natürlich im Sinne einer Parallelgesellschaft. Drittens müsste eine solche Partei Kompetenzen/Erfahrungen auf allen wichtigen Politikfeldern entwickeln, was allein schon dadurch behindert wird, dass ein exklusiver Zugang zu relevanten Fakten und Infos auf „sektiererische Weise“ (also auf sich allein gestellt) kaum oder gar nicht erreicht werden kann. Viele Beispiele zeigen, dass Menschen mit Migrationshintergrund – so sie denn in Unternehmen oder in der Politik eingebettet sind – sehr viel stärker im Sinne ihrer Wurzeln und Befindlichkeiten agieren können. Hinzu kommt, dass der Druck von rechts und damit die Polarisierung in der Gesellschaft immens zunehmen würde. Grüne und Linke würden an Gewicht verlieren – was nicht nur die Machtverhältnisse, sondern auch das Durchsetzungsvermögen für Themen wie den Klimawandel extrem negativ beeinflussen würde. Klar, das Vorhandensein einer postmigrantischen Partei würde mehr Wähler an die Urnen bringen, natürlich auch solche, die mit Deutschland nichts, aber auch gar nichts am Hut haben. Ganz zu schweigen von der Wahrscheinlichkeit, dass eine solche neue politische Kraft von extremistischen Kräften unterwandert würde – ja selbst die Interessen von Erdogan befördern könnte.

Deutschland gilt derzeit als einer der größten Umweltverschmutzer weltweit. Nach Experteneinschätzung wird es die in Paris versprochenen Klimaziele deutlich verfehlen. Derzeit emittiere Deutschland doppelt soviel CO2 wie zur Erreichung des 1,5 Grad-Zieles zulässig wäre. Die Coronakrise hatte zu einer zeitweiligen Dämpfung der Verschmutzung geführt. 2021 dürfte sie erneut von 739 Millionen t auf 786 Millionen t Co2 zulegen https://www.rbb-online.de/kontraste/archiv/kontraste-vom-26-08-2021/klimaschutz-aber-wie.html

E. ist die Einmischung in die Angelegenheiten anderer Länder eines der Grundübel von Vergangenheit und Gegenwart. Dass es vor allem nie gelingt, anderen Kulturen die Demokratievorstellungen des Westens von außen aufzupfropfen, hat der Fall Afghanistan einmal mehr bestätigt. Selbst Diktaturen müssten von den eigenen Bevölkerungen beseitigt werden. Nur wenn es um akute NaturKatastrophen oder Menschenrechtsverletzungen – etwa um Genozide – ginge, wäre ein militärisches Einschreiten geboten. Allerdings ausschließlich unter dem Mandat der UNO. Auch Bundeswehreinsätze müssten dieser Forderung genügen. Es kann nicht angehen, dass die deutsche Regierung sogar robuste Aktionen zur Sicherung von Rohstoffen und Rohstofflieferungen in Erwägung zieht. Rohstoffe gehören den Ländern, in deren Territorium sie gefördert werden. Ihre Ausbeutung und ihr Transport müssen völkerrechtlichen Richtlinien genügen. Verträge mit korrupten Diktatatoren, die die Güter ihres Landes unter Marktwert verscherbeln und die Rohstoffgewinnung in militärisch gesicherten Claims gestatten, sind zu ächten.

Diese Thesen werden unterstützt, teilweise aber auch in Frage gestellt (der Beitrag ist online nicht verfügbar – offenbar zu heiß! Freitag 34/2021, S. 14)

Irgendwer behauptet, dass dieser Song der Hit des Sommers sei. Na ja!  

Rücksichtslosigkeit, Ignoranz und Aggressivität haben seit Ausbruch von Corona ein bedrohliches Ausmaß angenommen. Einmal mehr ist mir bewusst geworden, von welchen Typen unser Land durchsetzt ist und wie diese den Zusammenhalt in der Gesellschaft gefährden. Ob wir uns die Demos der Querdenker, deutsche Autobahnen, die Ekstase in Clubs und Fußballstadien oder das masken- und abstandslose Menschengewühl beim Formel-1-Rennen in Zandvoort vornehmen – überall wird Chaos und regelloser Wahnsinn sichtbar. Dass jetzt nicht nur Polizisten und Rot-Kreuz-Helfer, sondern auch Politiker an ihren Infoständen beleidigt und tätlich angegriffen werden, ist die unmittelbare Folge dieser Entwicklung. Vor allem aber auch ein Zeichen dafür, dass allzu oft Milde waltet, wenn der Mob zu regieren beginnt. Panorama 2.9.

Russland/Permafrost: Ganze Städte könnten im Schlamm versinken  https://www.berliner-zeitung.de/news/tauender-permafrost-russen-bricht-der-boden-unter-fuessen-weg-li.174890?pid=true

Rezo rechnet mit der KlimaPolitik der CDU/CSU ab: „Die Regierung scheitert nicht nur an ihren eigenen Zielen, sie beschließt nicht nur verfassungswidrige Gesetze – mehr noch: sie bremst jeden Fortschritt aktiv aus   https://www.youtube.com/watch?v=NOSh0ovnxU4

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/rezo-zerstoerung-teil-2-warum-das-klimapolitik-video-die-adressaten-nicht-erreicht-a-e911f2c9-84ea-46c9-9f40-0f2136ea2545

„Bald haben wir sie geschafft“. Stephan Hebel serviert ein sensationelles MerkelPorträt

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/bald-haben-wir-sie-geschafft

Bitte nicht den Der Wahl-O-Mat benutzen. Die 38 Fragen sind so gestellt, dass die Wahlempfehlung konservative Parteien bevorteilt. Auch der deutsche Kulturrat hat bereits protestiert. Keine der Fragen befasse sich mit einem kulturpolitischen Thema. Mein Rat: Immer mal fragen, wer solche Wahl-O-Maten ins Leben ruft und bestückt. Immer mal fragen: Wem soll er nützen? An Neutralität, Objektivität und Ausgewogenheit muss man auch an dieser Stelle nicht glauben. Deutschlandfunk „Wahl-O-Mat“ keine Fragen zur Kulturpolitik aufgeführt https://www.deutschlandfunk.de/deutscher-kulturrat-kritik-an-wahl-o-mat-keine-fragen-zur.2849.de.html?drn:news_id=1298738

Wenn Gererit Starczewski nackte Player auf den Fußballplatz bringt und meint, dass das mit Kunst zu tun hat, ja mehr noch: wenn dieser Mann vorgibt, mit einer solchen Inszenierung           gegen die Kommerzialisierung des Fußballs und die WM in Katar protestieren zu wollen, müsste jeder denkende Bürger aufschrecken. So ein Spektakel ist NICHTS, aber auch GAR NICHTS!             

https://www.zeit.de/news/2021-09/04/aktionskuenstler-inszeniert-fussballteam-ganz-ohne-kleider

Die Menschenrechte werden oft auch in Ländern verletzt, in denen sie vehement eingefordert werden. Weißrussland, Russland und China sind dann Mode, obwohl es im eigenen Nest auch stinkt. Nehmen wir nur Großbritannien, wo es in den Haushalten vieler Reicher noch Sklavenarbeit gibt. Dort schuften Frauen von den Philippinen und aus Indonesien unter unsäglichen Bedingungen – ohne dass es die Briten wirklich interessiert. Ich hatte bereits vor längerer Zeit auf diesen Umstand hingewiesen. Damals waren ca. 5000 solcher Fälle registriert worden    https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/sklavin-mitten-in-london

 

Ich habe zwei Lesungen anzubieten: die eine in der Stadtbücherei Düsseldorf-Gerresheim (28. September 2021, 18:30 Uhr), die zweite im Haus der evangelischen Kirchengemeinde Düsseldorf-Knittkuhl/ (10. November 2021, 18 Uhr). Ihr seid herzlich eingeladen!
https://www.stoerfall-zukunft.de/scharfenorth-praesentiert-film-und-liest/

Euch wird vielleicht aufgefallen sein, dass ich des Öfteren die Wochenzeitung „Der Freitag“ zitiere. Ich tue das, weil dieses Blatt regelmäßig aus dem Diskurs der bürgerlichen Zeitungen aussteigt und ausbleibende Fakten/Wahrheiten serviert. Und dabei die unvollständigen Bilder der Massenmedien, die politisch Missliebiges, Positives über WeißRussland, Russland, China etc. systematisch ausblenden, zu einem sachlich richtigeren, kompletten Ganzen zusammenfügt. Immer wieder aber enttäuscht mich dieses Journal – etwa, wenn es über abstruse Bücher faselt („Sex mit Hitler“ https://www.freitag.de/autoren/marlen-hobrack/sex-mit-hitler) oder Dealer zu Opfern der Gesellschaft stilisiert („Mythos Dealer“). Mich interessiert nicht, wann eine Dame überm Hitlerbild orgasmiert und ich bekomme die Wut, wenn Dealern Zuspruch gewährt wird https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/mythos-dealer. Scott Holmquist könnte selbst mit Drogen unterwegs gewesen sein. Anders ist seine Haltung nicht zu verstehen. Und die Behauptung, dass es in Deutschland bei Konflikten mit Dealern noch nie zur Verletzung eines Polizisten gekommen sei, ist zweifellos ein Witz. Man muss nur mal surfen, um das Gegenteil herauszufinden. Ich sage immer: Hand ab, wenn jemand harte Drogen weitergibt. Klar: Es gibt tiefgreifende Versäumnisse der Politik im Umgang mit Migranten – die Tätigkeit von Kriminellen, vor allem auch die ätzende ClanKriminalität, lässt sich deshalb noch lange nicht rechtfertigen. In der Serie „4 Blocks“ https://www.youtube.com/watch?v=OboeYzrZQh8 sind die Zusammenhänge eindrucksvoll dokumentiert https://de.wikipedia.org/wiki/4_Blocks, aber gerade diese Serie wird von Holmquist als klischeelastig abgewertet. M. E. ein verdammter Irrtum!

Super Witz der SatirePartei: Leider – wie bei Giffey – ohne Quellenangabe

Schöne Grüße aus dem Altweibersommer!

Ulrich Scharfenorth

Hallo Herr Dr. Habeck,

der aktuelle IPCC-Bericht sieht die Erde kurz vor dem Kollaps. Brände, Überschwemmungen und Vermüllung plagen den Planeten. Und in Deutschland – dem einstigen UmweltVorzeigeland – wachsen die Orders für SUVs und Laubbläser um 30 %. Es ist offenbar fünf nach zwölf, es stehen Wahlen an, und deshalb schreibe ich Ihnen.

Einen Monat vor dem 26. September treibt mich die Frage um, ob irgendein Green Deal, ob letztlich Ihr grünes Konzept die Lösung unserer Umwelt- und Klimaprobleme kraftvoll, will sagen: signifikant befördern würde. Gibt doch die politische Landschaft in Deutschland zwar ein helles, aber keineswegs ein Tiefgrün her. Genau das aber dürfte selbst Ihre eher bescheidenen (und natürlich keinesfalls ausreichenden) Forderungen a priori behindern. Immerhin dürften weder der frühere Ausstieg aus der Braunkohle, noch eine höhere Besteuerung der Superreichen oder sachgerechte CO2- und Kraftstoffpreise heute mehrheitsfähig sein. Noch aussichtsloser gäbe sich ihr Ansatz, wenn die gleichfalls unabdingbaren Forderungen nach mehr Investitionen für bezahlbares Wohnen oder eine Erhöhung des Mindestlohnes auf 13-15 Euro impliziert wären.

Damit wir uns nicht falsch verstehen, Herr Habeck: All das unterstütze ich ohne Vorbehalt.

Ihr Problem ist, dass Sie angesichts der bevorstehenden Wahlen für das volle Paket nirgendwo werben können. Denn schon das, was in ihrem jetzigen Programm steht, ist schwer durchsetzbar, geschweige denn finanzierbar. Immerhin müssen Sie für Ihren VielleichtdochnochPartner, die CDU/CSU, bündnisfähig bleiben. Was zweifellos bedeutet, dass Sie die Rüstungsanstrengungen wie von den USA gefordert (2% vom BIP), massive deutsche Waffenexporte und Auslandseinsätze der Bundeswehr weiterhin mittragen müssen (sorry, das tun Sie ja eh schon!).

Schlimm nur, dass diese ohnehin stressig anmutende Partnerschaft jetzt auch noch das Zeitliche segnen könnte. Denn sowohl Laschet als auch Ihre Gefolgsleute torpedieren gerade wichtige Wählerstimmen. Oder soll man die Nach-und Fahrlässigkeiten von Annalena, die Ausgrenzung von Palmer, die SelbstTore der Saarlandgrünen als marginale Entgleisungen hinnehmen?

Um es deutlich zu sagen. Mir schwant eine Dreierkoalition mit der FDP, was – wie Sie zugeben werden – durchaus auch … verhängnisvoll wäre. Denn dann könnten Sie in einer künftigen Regierung nicht einmal die weniger einschneidenden Teile Ihres Wahlprogramms durchbringen. Das aber hieße, am Pariser Abkommen meilenweit vorbeizusegeln. Ich muss Ihnen nicht sagen, dass schon Paris die Jahrhundertabrechnung mit 1,5-oder 2-Grad Erderwärmung verfehlt. Was aber, wenn erst …?

Die Frage ist also eine weit grundsätzlichere, sogar eine, die in zwei Richtungen zielt. Sollen wir uns auf ein Leben mit der Untätigkeit/Unfähigkeit einrichten – mit dem vergeblichen Versuch, den Paradigmenwechsel auch nur anzukratzen. Oder müssen wir ein gänzlich neues System ins Auge fassen? https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/systemfrage-oder-barbarei . Auf beide Fragen reagiert allenfalls die Linke, wenn auch wenig überzeugend. Zwar rüttelt deren Programm an den Grundfesten der Gesellschaft, doch gerade, weil es diese nicht zu stürzen vermag, ist es auch unfinanzierbar. Zweifellos enthält es berechtigte Forderungen, doch dürften die allenfalls als Pflichtenheft Bestand haben. Als Kampfprogramm, um Bestehendes im Rahmen des Bestehenden zu verbessern.

Seltsamer- oder auch bezeichnender Weise gehen die Grünen auf diese Problemstellungen nicht ein. Weil die Beschäftigung damit die Wähler noch mehr verschrecken könnte als Baerbocksche FauxPas‘ oder Erwägungen zu höheren Benzinpreisen. Man mag das verstehen. Akzeptieren kann man es nicht!

Dennoch wird Ihnen klar sein, dass besser als bisher gerechnet werden muss. Immerhin wäre zu prüfen, ob die Vorgaben Europas und Deutschlands zur Reduzierung der Emissionen (bis 2030: minus 65% gegenüber 1990) irgendwie realistisch sind. Jeder denkende Mensch kommt doch zu dem Schluss, dass etwas, das in dreißig Jahren nicht funktioniert hat, auch in 9 Jahren eher in die Hose als woandershin geht. Wie soll der vollmundig beschworene CO2-Schwund angesichts weiter steigender Emissionen und fehlender Konkretisierung nach Branchen, Unternehmen und Bürgern bewerkstelligt werden? Wo doch all diese Menschen und Institutionen nie konkret befragt, geschweige denn hinterleuchtet wurden. Schon mit Blick auf Laschets Vorgaben – und Laschet könnte, wenn er nicht noch mehr ins Stürzen gerät, das Sagen haben – dürfte klar sein, dass hier Hirngespinste, Worthülsen und Dummenpulver verbreitet werden. Die Vertreter des ÖkoKapitalismus versprechen zwar, Wachstum und Zerstörung zu entkoppeln. Sind dabei aber natürlich auf dem Holzweg https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/solch-gruener-schein. Denn auch mit einer sogenannten grüne Wachstumsstrategie ist der Planet nicht zu retten https://www1.wdr.de/daserste/monitor/sendungen/gruenes-wachstum-100.html

Genau genommen, bedürfte es bereits jetzt der ÖkoDiktatur, eines totalen Umsturzes, um Klima, Umwelt und Menschheit zu retten. Doch genau das ist – ausgehend von den weltweiten Kräfteverhältnissen weder mehrheitsfähig, noch machbar. Selbst wenn einige Protagonisten hemmungslos dafür trommeln.

Insgeheim hoffe ich, dass Sie das alles kopfnickend zur Kenntnis nehmen. Trotzdem bleibt für mich die Frage, warum in den Projektionen aller großen Zukünftler – ganz gleich ob wir da Precht, Opaschowsky, Horx, Schätzing, Harari, Miegel oder Janszky meinen – ein Weiterbestehen des kapitalistischen Systems unterstellt wird. Obwohl damit die unheilige Vernichtung von Umwelt, Ressourcen und Ersparnissen quasi festgeschrieben ist. Ja, es bleibt die Frage, warum all diese Koryphäen mit keinem Wort die notwendige EINE WELT, den Verzicht auf Verschwendung, auf ressourcenfressende Technologien und Produkte, auf leistungslose Einkommen, Milliardenvermögen und dergleichen einfordern. Gesellschaftliche Entwicklungen finden in den Prognosen der „Experten“ entweder gar nicht oder nur neoliberal angepasst statt. Wobei auch künftig das weltweite Gefälle im Lebensniveau der Menschen billigend in Kauf genommen wird.

Ganz im Gegensatz zu diesen irrwitzigen Projektionen ist etwas anderes entscheidend: die Frage nämlich, ob das Gesamtgefüge allen Seins tragfähig bleibt. Denn nicht in wissenschaftlich-technischen Errungenschaften zum Nutzen Einzelner, sondern in der erfolgreichen Balance zwischen freiem Forschen, sinnhafter Innovation und Verantwortung liegt der Schlüssel für ein Weiterbestehen der Menschheit. Die Schere zwischen Arm und Reich jedenfalls muss wieder zugehen.

Buchautor Gero Jenner ist einer der wenigen, der hier Tacheles redet. Für ihn ist völlig klar, dass die Fortführung des endlosen, profitgetriebenen Wirtschaftens, eines Wirtschaftens mit traditionellen Wachstumsraten vor die Wand führt. Denn Ressourcen und Energien sind endlich. Gerade jetzt, da man sich mittel- und langfristig auf die Bedarfsdeckung mittels alternativer Energien (und nur dieser Energien) verständigt hat, heißt das: Deutschland müsste in einer Weise verspargelt und versolardächert werden, dass weder Mensch noch Tier freie Sicht hätten, ja im Gegenteil: zugedröhnt, zugedeckt und versiegelt würden. Denn schließlich müssten bei weiter steigendem Energiebedarf nicht nur die ausfallenden Braunkohle- und Atomenergien, sondern auch die fossilen Energieträger für den Verkehr durch saubere Alternativen ersetzt werden („Ob wir das schaffen?“, S. 38 und 39 – https://www.amazon.de/OB-WIR-DAS-SCHAFFEN-bessere/dp/B08LJZLPXF/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&dchild=1&keywords=ob+wir+das+schaffen&qid=1630774345&sr=8-1). Doch selbst die dann zum Tragen kommenden Technologien blieben problematisch, bringen sie doch mit der Suche nach seltenen Werkstoffen neue Landstriche und Meeresböden in Bedrängnis. Ganz zu schweigen davon, dass die schon abgemeldete Kernenergie neuerlich in die Diskussion gerät.

Um es kurz zu sagen: Eine aufgeziegelte, dem neoliberalen Wachstum unterworfene Welt der WEITERSO wird niemand aushalten/beherrschen/weiter gestalten können.

Deshalb muss wie Jenner folgert – die Lebensdauer fast aller Produkte immens verlängert (er sagt: verzehnfacht) werden. Was den Menschen problemlos in die Lage versetzen könnte, mit einem Zehntel der Produktion und dem dazugehörigen extrem verringerten Arbeitsaufwand ethisch und energetisch zu überleben. Im Agrarbereich müsste allerdings eine handfeste Unterstützung dazuwachsen: Verzicht auf die Massentierhaltung, Rückgewinnung degradierter Böden und die komplette Umstellung auf nachhaltige Pflanzen- und Viehzucht und damit Lebensmittelbereitstellung.

Soviel … zu den unmittelbaren Hier-zu-Lande-Erfordernissen.

Tatsächlich müssten die Verantwortlichen sehr viel weiter, nämlich über den Tellerrand hinaus blicken und dabei weitere, extrem wichtige Bemühungen anstoßen, nämlich die Einrichtung von drei internationalen Fonds. Fonds, aus denen wichtige länderüberspannende UmweltVorhaben finanziert werden: ein Fond zum Erhalt großer Waldbestände, einer zur Reinigung der Meere und ein weiterer zur Beräumung des erdnahen Weltraums.

Solche Bestrebungen sind schwer anzustoßen, weil niemand die Verantwortung von Ländern und Konzernen für weltweite Abholzung und Vermüllung erkennt ober erkennen möchte.

Fakt ist, dass diese Positionen direkt ins Arbeitsfeld der Grünen gehören. Freilich mit dem Bemerken, dass deren Handlungsfähigkeit sowohl materiell als auch politisch gestärkt werden muss. Zumal dann, wenn man die Sachlage international betrachtet. Vor allem die reichen Länder müssten animiert werden, viel Geld in die Hand zu nehmen. Sie müssten besagte Fonds füllen, sprich: finanzielle Anreize für die waldreichen Staaten zur Waldbewahrung gestalten und Großkonzerne fürs Saubermachen von Meeren und Weltall gewinnen – natürlich gegen Bezahlung. Heißt auch: die weltweiten grünen Bewegungen müssten die Regierenden der Weltgemeinschaft nicht nur an runde Tische, sondern auch zu allgemeinverbindlichen Handlungen gegen Klima- und Umweltvergehen zwingen. Geschähe das nicht, reagierte man letztlich nur auf läuternde Mega-Katastrophen, wäre es für uns alle zu spät.

Dass die Unterlassung der vorgeschlagenen Maßnahmen in zehn oder zwanzig Jahren ein Vielfaches an Kosten heraufbeschwören wird, ist immer wieder betont worden. Bisher ohne nennenswerten Effekt – denn das Blut blieb unsichtbar.

Ob die nachhaltigen Szenarien wirtschaftlich und politisch aufgehen, müsste vor allem von der Wissenschaft, von Grünen und LINKEN, aber auch von Konzernen und Politik geprüft werden. Noch stehen sich Staaten, die einander die Vormachtstellungstreitig machen, feindselig gegenüber. Die Atomwaffen sind ausgerichtet, und niemand ist bereit, Klima und Umwelt auf Position 1 der Rankinglisten zu setzen. Dabei geht es auf diesen Feldern um Trag- und Existenzfähigkeit des Planeten, um verbesserte materielle und ethische Strukturen, die natürlich anders aussehen müssten als heute.

Stichwort WIRTSCHAFT: Wenn es in der angedachten grünen Ökonomie zur einfachen und leicht erweiterten Reproduktion nicht reichen würde, müsste komplett umgedacht werden. Nach dem Motto: genossenschaftliche, kleinteiligere, dezentrale, lokale Erzeugung und Versorgung, radikale Kostensenkung durch disruptive, auf das Lebensnotwendige konzentrierte Innovationen (3-D-Drucker, bessere Sonnenenergieausbeute, tauglichere Speichermedien, bedarfsgerechte Bionik und Robotertechnik, Nanotechnik etc.); und ebenso nach der Devise: innovative Reparaturstrategien statt Neubau (Basis: Subventionierung des Reparierens, Durchsetzung reparaturfreundlicher Konstruktionen).

Bei verkürzten Arbeitszeiten (auch Lebensarbeitszeiten) würde es sehr wahrscheinlich zur Reduzierung des Wohlstandes in den entwickelten Länder kommen, wobei Wohlstand tatsächlich neu definiert werden müsste. Wie ausreichend wäre es doch, wenn wir privilegierten Deutschen in Summe wie 1990 gestellt würden und bei gerechterer Einkommensverteilung mehr Lebensfreude ob der glücklichen Weiterexistenz empfänden.

Bei aller Diskussion um Zukunft: Es ist immer mit den Schwächen des westlichen DemokratieModells, aber auch mit der Dummheit und Verführbarkeit der Menschen zu rechnen – auch mit dem Unwissen, der Ignoranz und Arroganz der Politiker. Wer schon die exponentielle Entwicklung bei Corona nicht verstanden hat, wird sich auch, wenn es um die Verzögerungseffekte beim Klima geht, schnell ausklinken – und die globalen Verpflichtungen schon aus wahltaktischen Erwägungen heraus zurückweisen. Was schon könne ein kleines Deutschland bewirken, wenn die Restwelt nix tut? Tatsächlich könnte eine deutsche Vorreiterrolle zunächst nur in dem Maße wirksam werden, wie sie die Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt nicht ursächlich bedroht. Deutschland ist ein reiches Land, und die ExportWeltmeisterschaft keinesfalls zwingend, ja mit Blick auf die oft auskonkurrierten Europäer sogar schädlich. Wäre es da nicht sehr viel sinnvoller, die überbordende Kraft zu nutzen, um die geschilderten globalen Probleme massiv anzugehen? Und dabei innovative Technologien für nachhaltiges Leben zu entwickeln, Technologien, die im Rahmen von Entwicklungshilfe weltweit verbreitet, in Teilen auch weltweit vermarktet werden könnten.

Leider dürfte es schwerfallen, voll demokratisch zu agieren. Denn selbst wenn die Politik alles verstünde und wollte, sie könnte die allumfassende Aufgabe wissenschaftsfremden Volksmassen nicht freundlich beibiegen. Wer schon mag glauben, dass heute verursachte Umweltbelastungen in 25 Jahren zurückschlagen. Wer begreifen, dass sich das Wetter selbst bei Null CO2-Verursachung ab heute, ein Viertel Jahrhundert lang weiter verschärfen wird. Bei Null Verursachung wohlgemerkt … dennoch!!!! Fix weiter gedacht, wird das noch gravierender, denn… wir verursachen weiter.

All das taugt im Vorfeld von Wahlen wenig. Muss aber, wenn man ernsthaft über Zukunft nachdenkt, im Spiel bleiben. Denn die Fragen, die ich heute aufwerfe, werden im Laufe noch dieses Jahrzehnts hundertfach gestellt werden und – da die Antworten dann noch schwieriger sind – zu Hasstiraden beitragen. Ich tippe auf bürgerkriegsähnliche Zustände. Niemand der heute Geborenen wird den handlungsunwilligen/-unfähigen Alten von 2021 ihre Sünden (das Verschweigen, Lügen und Nichtstun) vergeben.

Auf die Bundestagswahl angesprochen, kann ich nur folgendes schlussfolgern: Wir sollten diesmal weniger dem Bauch und dem Herzen folgen, sondern pragmatisch denken. Ich selbst werde beide Stimmen der SPD geben, um etwas zum Wahlsieg von Olaf Scholz, aber auch zum Erfolg der hiesigen Lokalmatadorin, beizutragen. Obwohl das rot aussieht, geht es vor allem darum, die grüne Klima- und Umweltpolitik voranzubringen, sprich: ein handlungsfähiges Konstrukt zu befördern, dass den Paradigmenwechsel überzeugend angehen kann. Da die Grünen schwächeln, muss es eine SPD-geführte Regierung richten. Natürlich verbündet mit den Grünen und vorzugsweise mit … den LINKEN. Da aber Scholz die Dunkelroten wegen außenpolitischer Differenzen kaum ins Boot holen wird, ist Ampel angesagt. Und mir schwant tatsächlich, dass besagtes Duo die gelbe, rückwärtsgewandte Kröte schlucken will – so die denn mitmacht.

Schöne Grüße aus Ratingen und … guten Tag, Herr Habeck!

 Ulrich Scharfenorth

 

Ein Brief an Herrn Habeck

…. derhöchstwahrscheinlich nie beantwortet wird. Schade … aber auch verständlich…..

Hallo Herr Dr. Habeck,

der aktuelle IPCC-Bericht sieht die Erde kurz vor dem Kollaps. Brände, Überschwemmungen und Vermüllung plagen den Planeten. Und in Deutschland – dem einstigen UmweltVorzeigeland – wachsen die Orders für SUVs und Laubbläser um 30 %. Es ist offenbar fünf nach zwölf, es stehen Wahlen an, und deshalb schreibe ich Ihnen.

Ein Monat vor dem 26. September treibt mich die Frage um, ob irgendein Green Deal, ob letztlich Ihr grünes Konzept die Lösung unserer Umwelt- und Klimaprobleme kraftvoll, will sagen: signifikant befördern würde. Gibt doch die politische Landschaft in Deutschland zwar ein helles, aber keineswegs ein Tiefgrün her. Genau das aber dürfte selbst Ihre eher bescheidenen (und natürlich keinesfalls ausreichenden) Forderungen a priori behindern. Immerhin dürften weder der frühere Ausstieg aus der Braunkohle, noch eine höhere Besteuerung der Superreichen oder sachgerechte CO2- und Kraftstoffpreise heute mehrheitsfähig sein. Noch aussichtsloser gäbe sich ihr Ansatz, wenn die gleichfalls unabdingbaren Forderungen nach mehr Investitionen für bezahlbares Wohnen oder eine Erhöhung des Mindestlohnes auf 13-15 Euro impliziert wären.

Damit wir uns nicht falsch verstehen, Herr Habeck: All das unterstütze ich ohne Vorbehalt.

Ihr Problem ist, dass Sie angesichts der bevorstehenden Wahlen für das volle Paket nirgendwo werben können. Denn schon das, was in ihrem jetzigen Programm steht, ist schwer durchsetzbar, geschweige denn finanzierbar. Immerhin müssen sie für ihren VielleichtdochnochPartner, die CDU/CSU, bündnisfähig bleiben. Was zweifellos bedeutet, dass Sie die Rüstungsanstrengungen wie von den USA gefordert (2% vom BIP), massive deutsche Waffenexporte und Auslandseinsätze der Bundeswehr weiterhin mittragen müssen (sorry, das tun Sie ja eh schon!).

Schlimm nur, dass diese ohnehin stressig anmutende Partnerschaft jetzt auch noch das Zeitliche segnen könnte. Denn sowohl Laschet als auch Ihre Gefolgsleute torpedieren gerade wichtige Wählerstimmen. Oder soll man die Nach-und Fahrlässigkeiten von Annalena, die Ausgrenzung von Palmer, die SelbstTore der Saarlandgrünen als marginale Entgleisungen hinnehmen?

Um es deutlich zu sagen. Mir schwant eine Dreierkoalition mit der FDP, was – wie Sie zugeben werden – durchaus auch … verhängnisvoll wäre. Denn dann könnten Sie in einer künftigen Regierung nicht einmal die weniger einschneidenden Teile Ihres Wahlprogramms durchbringen. Das aber hieße, am Pariser Abkommen meilenweit vorbeizusegeln. Ich muss Ihnen nicht sagen, dass schon Paris die Jahrhundertabrechnung mit 1,5-oder 2-Grad Erderwärmung verfehlt. Was aber, wenn erst …?

Die Frage ist also eine weit grundsätzlichere, sogar eine, die in zwei Richtungen zielt. Sollen wir uns auf ein Leben mit der Untätigkeit/Unfähigkeit einrichten – mit dem vergeblichen Versuch, den Paradigmenwechsel auch nur anzukratzen. Oder müssen wir ein gänzlich neues System ins Auge fassen? https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/systemfrage-oder-barbarei . Auf beide Fragen reagiert allenfalls die Linke, wenn auch wenig überzeugend. Zwar rüttelt deren Programm an den Grundfesten der Gesellschaft, doch gerade, weil es diese nicht zu stürzen vermag, ist es auch unfinanzierbar. Zweifellos enthält es berechtigte Forderungen, doch dürften die allenfalls als Pflichtenheft Bestand haben. Als Kampfprogramm, um Bestehendes im Rahmen des Bestehenden zu verbessern.

Seltsamer- oder auch bezeichnender Weise gehen die Grünen auf diese Problemstellungen nicht ein. Weil die Beschäftigung damit die Wähler noch mehr verschrecken könnte als Baerbocksche FauxPas‘ oder Erwägungen zu höheren Benzinpreisen. Man mag das verstehen. Akzeptieren kann man es nicht!

Dennoch wird Ihnen klar sein, dass besser als bisher gerechnet werden muss. Immerhin wäre zu prüfen, ob die Vorgaben Europas und Deutschlands zur Reduzierung der Emissionen (bis 2030: minus 65% gegenüber 1990) irgendwie realistisch sind. Jeder denkende Mensch kommt doch zu dem Schluss, dass etwas, das in dreißig Jahren nicht funktioniert hat, auch in 9 Jahren eher in die Hose als woandershin geht. Wie soll der vollmundig beschworene CO2-Schwund angesichts weiter steigender Emissionen und fehlender Konkretisierung nach Branchen, Unternehmen und Bürgern bewerkstelligt werden? Wo doch all diese Menschen und Institutionen nie konkret befragt, geschweige denn hinterleuchtet wurden. Schon mit Blick auf Laschets Vorgaben – und Laschet könnte, wenn er nicht noch mehr ins Stürzen gerät, das Sagen haben – dürfte klar sein, dass hier Hirngespinste, Worthülsen und Dummenpulver verbreitet werden. Die Vertreter des ÖkoKapitalismus versprechen zwar,  Wachstum und Zerstörung zu entkoppeln. Sind dabei aber natürlich auf dem Holzweg https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/solch-gruener-schein.

Genau genommen, bedürfte es bereits jetzt der ÖkoDiktatur, eines totalen Umsturzes, um Klima, Umwelt und Menschheit zu retten. Doch genau das ist – ausgehend von den weltweiten Kräfteverhältnissen weder mehrheitsfähig, noch machbar. Selbst wenn einige Protagonisten hemmungslos dafür trommeln.

Insgeheim hoffe ich, dass Sie das alles kopfnickend zur Kenntnis nehmen. Trotzdem bleibt für mich die Frage, warum in den Projektionen aller großen Zukünftler – ganz gleich ob wir da Precht, Opaschowsky, Horx, Schätzing, Harari, Miegel oder Janszky meinen – ein Weiterbestehen des kapitalistischen Systems unterstellt wird. Obwohl damit die unheilige Vernichtung von Umwelt, Ressourcen und Ersparnissen quasi festgeschrieben ist. Ja, es bleibt die Frage, warum all diese Koryphäen mit keinem Wort die notwendige EINE WELT, den Verzicht auf Verschwendung, auf ressourcenfressende Technologien und Produkte, auf leistungslose Einkommen, Milliardenvermögen und dergleichen einfordern. Gesellschaftliche Entwicklungen finden in den Prognosen der „Experten“ entweder gar nicht oder nur neoliberal angepasst statt. Wobei auch künftig das weltweite Gefälle im Lebensniveau der Menschen billigend in Kauf genommen wird.

Ganz im Gegensatz zu diesen irrwitzigen Projektionen ist etwas anderes entscheidend: die Frage nämlich, ob das Gesamtgefüge allen Seins tragfähig bleibt. Denn nicht in wissenschaftlich-technischen Errungenschaften zum Nutzen Einzelner, sondern in der erfolgreichen Balance zwischen freiem Forschen, sinnhafter Innovation und Verantwortung liegt der Schlüssel für ein Weiterbestehen der Menschheit. Die Schere zwischen Arm und Reich jedenfalls muss wieder zugehen.

Buchautor Gero Jenner ist einer der wenigen, der hier Tacheles redet. Für ihn ist völlig klar, dass die Fortführung des endlosen, profitgetriebenen Wirtschaftens, eines Wirtschaftens mit traditionellen Wachstumsraten vor die Wand führt. Denn Ressourcen und Energien sind endlich. Gerade jetzt, da man sich mittel- und langfristig auf die Bedarfsdeckung mittels alternativer Energien (und nur dieser Energien) verständigt hat, heißt das: Deutschland müsste in einer Weise verspargelt und versolardächert werden, dass weder Mensch noch Tier freie Sicht hätten, ja im Gegenteil: zugedröhnt, zugedeckt und versiegelt würden. Denn schließlich müssten bei weiter steigendem Energiebedarf nicht nur die ausfallenden Braunkohle- und Atomenergien, sondern auch die fossilen Energieträger für den Verkehr durch saubere Alternativen ersetzt werden („Ob wir das schaffen?“, S. 38 und 39 – https://www.amazon.de/OB-WIR-DAS-SCHAFFEN-bessere/dp/B08LJZLPXF/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&dchild=1&keywords=ob+wir+das+schaffen&qid=1630774345&sr=8-1). Doch selbst die dann zum Tragen kommenden Technologien blieben problematisch, bringen sie doch mit der Suche nach seltenen Werkstoffen neue Landstriche und Meeresböden in Bedrängnis. Ganz zu schweigen davon, dass die schon abgemeldete Kernenergie neuerlich in die Diskussion gerät.

Um es kurz zu sagen: Eine aufgeziegelte, dem neoliberalen Wachstum unterworfene Welt der WEITERSO wird niemand aushalten/beherrschen/weiter gestalten können.

Deshalb muss – wie Jenner folgert – die Lebensdauer fast aller Produkte immens verlängert (er sagt: verzehnfacht) werden. Was den Menschen problemlos in die Lage versetzen könnte, mit einem Zehntel der Produktion und dem dazugehörigen extrem verringerten Arbeitsaufwand ethisch und energetisch zu überleben. Im Agrarbereich müsste allerdings eine handfeste Unterstützung dazuwachsen: Verzicht auf die Massentierhaltung, Rückgewinnung degradierter Böden und die komplette Umstellung auf nachhaltige Pflanzen- und Viehzucht und damit Lebensmittelbereitstellung.

Soviel …  zu den unmittelbaren Hier-zu-Lande-Erfordernissen.

Tatsächlich müssten die Verantwortlichen sehr viel weiter, nämlich über den Tellerrand hinaus blicken und dabei weitere, extrem wichtige Bemühungen anstoßen, nämlich die Einrichtung von drei internationalen Fonds. Fonds, aus denen wichtige länderüberspannende UmweltVorhaben finanziert werden: ein Fond zum Erhalt großer Waldbestände, einer zur Reinigung der Meere und ein weiterer zur Beräumung des erdnahen Weltraums.

Solche Bestrebungen sind schwer anzustoßen, weil niemand die Verantwortung von Ländern und Konzernen für weltweite Abholzung und Vermüllung erkennt ober erkennen möchte.

Fakt ist, dass diese Positionen direkt ins Arbeitsfeld der Grünen gehören. Freilich mit dem Bemerken, dass deren Handlungsfähigkeit sowohl materiell als auch politisch gestärkt werden muss. Zumal dann, wenn man die Sachlage international betrachtet. Vor allem die reichen Länder müssten animiert werden, viel Geld in die Hand zu nehmen. Sie müssten besagte Fonds füllen, sprich: finanzielle Anreize für die waldreichen Staaten zur Waldbewahrung gestalten und Großkonzerne fürs Saubermachen von Meeren und Weltall gewinnen – natürlich gegen Bezahlung. Heißt auch: die weltweiten grünen Bewegungen müssten die Regierenden der Weltgemeinschaft nicht nur an runde Tische, sondern auch zu allgemeinverbindlichen Handlungen gegen Klima- und Umweltvergehen zwingen. Geschähe das nicht, reagierte man letztlich nur auf läuternde Mega-Katastrophen, wäre es für uns alle zu spät.

Dass die Unterlassung der vorgeschlagenen Maßnahmen in zehn oder zwanzig Jahren ein Vielfaches an Kosten heraufbeschwören wird, ist immer wieder betont worden. Bisher ohne nennenswerten Effekt – denn das Blut blieb unsichtbar.

Ob die nachhaltigen Szenarien wirtschaftlich und politisch aufgehen, müsste vor allem von der Wissenschaft, von Grünen und LINKEN, aber auch von Konzernen und Politik geprüft werden. Noch stehen sich Staaten, die einander die Vormachtstellungstreitig machen, feindselig gegenüber. Die Atomwaffen sind ausgerichtet, und niemand ist bereit, Klima und Umwelt auf Position 1 der Rankinglisten zu setzen. Dabei geht es auf diesen Feldern um Trag- und Existenzfähigkeit des Planeten, um verbesserte materielle und ethische Strukturen, die natürlich anders aussehen müssten als heute.

Stichwort WIRTSCHAFT: Wenn es in der angedachten grünen Ökonomie zur einfachen und leicht erweiterten Reproduktion nicht reichen würde, müsste komplett umgedacht werden. Nach dem Motto: genossenschaftliche, kleinteiligere, dezentrale, lokale Erzeugung und Versorgung, radikale Kostensenkung durch disruptive, auf das Lebensnotwendige konzentrierte Innovationen (3-D-Drucker, bessere Sonnenenergieausbeute, tauglichere Speichermedien, bedarfsgerechte Bionik und Robotertechnik, Nanotechnik etc.); und ebenso nach der Devise: innovative Reparaturstrategien statt Neubau (Basis: Subventionierung des Reparierens, Durchsetzung reparaturfreundlicher Konstruktionen).

Bei verkürzten Arbeitszeiten (auch Lebensarbeitszeiten) würde es sehr wahrscheinlich zur Reduzierung des Wohlstandes in den entwickelten Länder kommen, wobei Wohlstand tatsächlich neu definiert werden müsste. Wie ausreichend wäre es doch, wenn wir privilegierten Deutschen in Summe wie 1990 gestellt würden und bei gerechterer Einkommensverteilung mehr Lebensfreude ob der glücklichen Weiterexistenz empfänden.

Bei aller Diskussion um Zukunft: Es ist immer mit den Schwächen des westlichen DemokratieModells, aber auch mit der Dummheit und Verführbarkeit der Menschen zu rechnen – auch mit dem Unwissen, der Ignoranz und Arroganz der Politiker. Wer schon die exponentielle Entwicklung bei Corona nicht verstanden hat, wird sich auch, wenn es um die Verzögerungseffekte beim Klima geht, schnell ausklinken – und die globalen Verpflichtungen schon aus wahltaktischen Erwägungen heraus zurückweisen. Was schon könne ein kleines Deutschland bewirken, wenn die Restwelt nix tut? Tatsächlich könnte eine deutsche Vorreiterrolle zunächst nur in dem Maße wirksam werden, wie sie die Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt nicht ursächlich bedroht. Deutschland ist ein reiches Land, und die ExportWeltmeisterschaft keinesfalls zwingend, ja mit Blick auf die oft auskonkurrierten Europäer sogar schädlich. Wäre es da nicht sehr viel sinnvoller, die überbordende Kraft zu nutzen, um die geschilderten globalen Probleme massiv anzugehen? Und dabei innovative Technologien für nachhaltiges Leben zu entwickeln, Technologien, die im Rahmen von Entwicklungshilfe weltweit verbreitet, in Teilen auch weltweit vermarktet werden könnten.

Leider dürfte es schwerfallen, voll demokratisch zu agieren. Denn selbst wenn die Politik alles verstünde und wollte, sie könnte die allumfassende Aufgabe wissenschaftsfremden Volksmassen nicht freundlich beibiegen.  Wer schon mag glauben, dass heute verursachte Umweltbelastungen in 25 Jahren zurückschlagen. Wer begreifen, dass sich das Wetter selbst bei Null CO2-Verursachung ab heute, ein Viertel Jahrhundert lang weiter verschärfen wird. Bei Null Verursachung wohlgemerkt … dennoch!!!! Fix weiter gedacht, wird das noch gravierender, denn… wir verursachen weiter.

All das taugt im Vorfeld von Wahlen wenig. Muss aber, wenn man ernsthaft über Zukunft nachdenkt, im Spiel bleiben. Denn die Fragen, die ich heute aufwerfe, werden im Laufe noch dieses Jahrzehnts hundertfach gestellt werden und – da die Antworten dann noch schwieriger sind – zu Hasstiraden beitragen. Ich tippe auf bürgerkriegsähnliche Zustände. Niemand der heute Geborenen wird den handlungsunwilligen/-unfähigen Alten von 2021 ihre Sünden (das Verschweigen, Lügen und Nichtstun) vergeben.

Auf die Bundestagswahl angesprochen, kann ich nur folgendes schlussfolgern: Wir sollten diesmal weniger dem Bauch und dem Herzen folgen, sondern pragmatisch denken. Ich selbst werde beide Stimmen der SPD geben, um etwas zum Wahlsieg von Olaf Scholz, aber auch zum Erfolg der hiesigen Lokalmatadorin, beizutragen. Obwohl das rot aussieht, geht es vor allem darum, die grüne Klima- und Umweltpolitik voranzubringen, sprich: ein handlungsfähiges Konstrukt zu befördern, dass den Paradigmenwechsel überzeugend angehen kann. Da die Grünen schwächeln, muss es eine SPD-geführte Regierung richten. Natürlich verbündet mit den Grünen und vorzugsweise mit … den LINKEN. Da aber Scholz die Dunkelroten wegen außenpolitischer Differenzen kaum ins Boot holen wird, ist Ampel angesagt. Und mir schwant tatsächlich, dass besagtes Duo die gelbe, rückwärtsgewandte Kröte schlucken will – so die denn mitmacht.

Schöne Grüße aus Ratingen und … guten Tag, Herr Habeck!

Ulrich Scharfenorth

 

 

Scharfenorth präsentiert Film und liest

Liebe Freunde, auch wenn eure Kalender nicht so zulaufen wie vor Corona – es wäre schön, wenn ihr drei Termine mal vermerken würdet:

   OTTO  ZWO, Düsseldorf, Ottostr.2 – 11. September 2021, 19 Uhr„Paris Belle Epoque – eine Spurensuche“  (Dokumentarfilm über Kunst und Kultur Anfang des 20. Jahrunderts – Rückschau und OrtsBegehung im Paris der Gegenwart)  …. hierfür ist eine Anmeldung beim Veranstalter erforderlich: Tel. 0211 2880194

  Stadtbücherei Düsseldorf-Gerresheim, Heyestr. 4 – Dienstag, 28. September 2021, 18:30 Uhr: „Alter Mann, was tun? – 19 Versuche zu überwintern“

– Lesung aus dem gleichnamigen Buch,

– KonfliktProsa, eine Ungeimpfte betreffend,

– Wider den GeschenkeIrrsinn

  Evangelisches Gemeindezentrum Düsseldorf-Knittkuhl, Am Mergelsberg 3 – Mittwoch, 10. November, 18 Uhr: Grotesk-heiterer Querschnit aus allem, was geschrieben steht – darunter Auszüge aus „Alter Mann, was tun? – 19 Versuche zu überwintern“