Verschwenden, wegwerfen – bloß nicht reparieren!

Es stinkt zum Himmel, ist aber KAP-typisch: Viele Hersteller verkürzen die Lebensdauer ihrer Produkte durch eingebaute Schwachstellen und behindern deren Reparaturfähigkeit sowie den Austausch defekter Teil durch bewusste konstruktive Fehlgestaltung. Sie erschweren darüber hinaus den Zugang zu Ersatzteilen durch künstliche Verknappung und Verteuerung und unterstützen Reparaturen nur dann, wenn sie im eigenen Netzwerk erfolgen. Das gegen den ausdrücklichen Widerstand der Unternehmen/Konzerne geforderte Recht auf Reparatur ist ein kleiner Schritt in die richtige, die nachhaltige Entwicklung. Doch noch schließt es in Deutschland vor allem die Geräte aus, für die ein extrem steigender Bedarf beobachtet wird: PCs und Smartphones.

Frankreich ist da einen großen Schritt weiter.

https://presseportal.zdf.de/pressemitteilung/mitteilung/kampf-dem-elektroschrott-zdfzoom-ueber-reparatur-rechte/

https://www.youtube.com/watch?v=l97P8iZipXw

 

Die Kirchen sind reich, wollen aber weiter ausbeuten

Wenn es selbst in CoronaZeiten nicht gelingt, den Pflegenotstand zu beseitigen, wird er wohl auf Ewigkeiten festgeschrieben bleiben https://www.campusnaturalis.de/magazin/fachkraeftemangel-in-der-pflege-gibt-es-loesungen-fuer-das-dilemma/. Uns fehlen derzeit über 30.000 und 100.000 Kräfte* in der Altenpflege, und die noch tätigen 1,1 Millionen sollen unter gleichbleibenden Bedingungen weiter schuften. Nur 70.000 können hoffen, dass sich aus der Tarif-Vereinbarung zwischen Verdi und den im BVAP organisierten Arbeitgebern signifikant bessere Verhältnisse ergeben (der Stundenlohn steigt für gelernte Pflegekräfte bis 2023 auf 18,75 Euro, für Hilfskräfte auf 14,40 Euro, der Urlaubsanspruch von 20 auf 28 Tage) https://www.freitag.de/autoren/ulrike-baureithel/was-ist-systemrelevanz-wert. Wie schön und wichtig wäre es doch, wenn man die aus der Branche geflohenen Arbeitskräfte auf Basis dieser Bedingungen zurückgewinnen könnte. Ganz zu schweigen von der notwendigen Legitimierung ausländischer Arbeitskräfte (!!!).

Ich betrachte es geradezu als Schande, dass ein durchgängiger Flächentarifvertrag für die Pflege am Widerstand beider Kirchen gescheitert ist https://www.fr.de/politik/altenpflege-pflege-caritas-verdi-tarifvertrag-heil-gewerkschaft-bvap-kritik-arbeitgeber-90220105.html. Barmherzigkeit ist hier offenbar brutaler Rechenkälte zum Opfer gefallen – wie so oft.

Nimmt man hinzu, dass private Fonds den PflegeMarkt (was für ein Wort?) neoliberal aufmischen, sprich: monopolisieren, filetieren und zur Plattform profitbringenden Verhökerns machen, dann wird das Elend gänzlich deutlich. Nordic Capital, Waterland, Chequers Capital, Oaktree und Carlyle teilen sich auch den deutschen Kuchen, und Waterland entblödet sich nicht, ein Gewinnziel von bis zu 30% auszuhängen („der Freitag“ – Schwester Heuschrecke, Seite 06).

Hat man unter dieser Prämisse die in der Pflege Arbeitenden auf Niedrigstlöhne getrimmt, dann sind schlicht die Patienten dran. Deren Eigenanteil an der Finanzierung ihres Seins steigt unaufhörlich. Zudem spottet die Versorgung jeder Beschreibung. Nicht nur, dass zu wenige Menschen da wären, die sich um sie kümmerten. Nein: Auch am Essen wird gespart. Ich habe es aus erster Hand: Was da zum Abend serviert wird, ist beschämend. Immer dieselbe, ungesunde Wurst, immer der derselbe ekelhafte ScheiblettenKäse plus WeizenToast – ungetoastet. Oder DrecksNahrung für Leute, die frisch am Darm operiert sind (Dabei gibt es alles, was in dieser Sphäre gebraucht wird. Die Vielfalt deutscher Lebensmittel sprengt jede Vorstellung – ich denke da an vierzig bis fünfzig Sorten Käse! Aber das kostet natürlich).

Ich habe es immer schon gefordert: Die Daseinsfürsorge – und dazu gehört in erster Linie die Pflege – gehört nicht in private Hände. Denn private Träger sind nicht nur bemüht, ihr Unternehmen zu erhalten (was ihnen jeder schnell zubilligen würde), sie wollen auch Profit – ja allermeist sogar MaximalProfit –  machen. Doch wie soll das klappen, wenn nicht auf Kosten der Belegschaften und Patienten? Wir haben es hier mit einem Krebsschaden zu tun, der sich ständig weiter ausbreitet. In den letzten zwanzig Jahren hat sich die Zahl der privaten Betreiber von Alten- und Pflegeheimen verdoppelt. Gleichzeitig sind private und kirchliche Betreiber von Heuschrecken wie Waterland & Co auch in die Zange genommen und zum Verkauf genötigt worden. Was oft genug damit einherging, dass man ihnen die eingebrachten Immobilien abluchste und meistbietend am Markt verhökerte. Mit der Folge, dass die zum Verkauf genötigten Betreiber gezwungen waren, auch noch Mieten zu zahlen. Womit sich der beschriebene Druck auf Pflegekräfte und Patienten noch einmal erhöhte.

Wie sich VER.DI die Altenpflege in Deutschland vorstellt: https://gesundheit-soziales.verdi.de/gemeinsamesache/++co++a4190d84-04ba-11eb-9bab-001a4a160119

*die Spreizung ist vor allem auf die unsichere Situation bei ausländischen Pflegekräften begründet, die zu fast 90% illegal in Deutschland arbeiten (300.000 bis 500.000 Personen). Viele von ihnen sind wegen Corona in ihre Heimatländer zurückgekehrt https://mediendienst-integration.de/artikel/wo-die-meisten-arbeitskraefte-fehlen.html.

Rosa Luxemburg – ethisch und moralisch ein Vorbild

Rosa Luxemburg wäre am 5. März 2021 einhunderfünfzig Jahre alt geworden. Ihr Bild ist seither nicht verblasst. Ich halte sie für eine der tapfersten Frauen des zurückliegenden Jahrhunderts. Sie hat für die Erniedrigten und Beleidigten geschrieben, vorgetragen und gekämpft und dabei einen „Pool aus Moralvorstellungen, Gesellschaftsentwürfen und Utopien“ generiert, aus dem jeder Demokrat auch heute noch schöpfen kann.

Für den, der ihre Geschichte nicht kennt, folgendes: Luxemburg vertrat immer die Ansicht, dass der Antrieb für gesellschaftliche Umwälzungen aus der ausgebeuteten Masse der arbeitenden Bevölkerung kommen muss und dass dieser Antrieb der Masse nicht durch eine diktatorisch regierende Partei a la Lenin oder Trotzki oktroyiert werden darf. Der gesellschaftliche Wandel müsse über den Generalstreik – dann vor allem auch länderübergreifend organisiert werden. Luxemburg hat das, was unter Lenin geschah, nicht gebilligt und war deshalb als Abweichlerin geächtet worden.

Konkret forderte sie, politische Räume zu schaffen und zu erhalten, in denen die Freiheit des Anders-Denkenden als höchstes Gut geschützt wird. Als Sprechender sollte auch der Feind unangetastet bleiben. Nur in dem Raum des Frei-Sprechens könnten sich Selbstermächtigung und Selbstbestimmung entfalten. Demokratie war für Luxemburg keine Durchgangsstufe, und die Diktatur des Proletariats sollte geprägt sein durch „eine freie, ungehemmte Presse, ungehindertes  Vereins- und Versammlungsleben …“

Luxemburg forderte von den Menschen, in Wahrheit zu leben und zu handeln. Luxemburgs Wahrsprechen erfolgte aus dem Marxismus heraus, den sie weder als reine Lehre, noch als Orden der Überzeugten, weder als formalisierte Ideologie, noch als bloßes politische Instrument sondern real in der Lebenspraxis verankert sah.

Gleichwohl mutet vieles, was Rosa Luxemburg in eine neue sozialistische Gesellschaft projizierte, utopisch an. Zwar vermochte sie im Januar 1919 festzustellen, dass die Arbeiterklasse für ein Rätesystem nicht reif genug war und setzte auf Zeit …. https://www.stoerfall-zukunft.de/kaisersturz-raeterepublik-und-rosa-luxemburg/. Dies in der Hoffnung, dass man die Unterprivilegierten soweit bilden könne, dass sie sich ihrer eigenen Kraft bewusst und in die Lage versetzt würden, ein ganzes Rätedeutschland zu lenken (sie folgte immer der Marx-Engelschen These, dass die Arbeiter keineswegs zu ungebildet seien, um sich selbst zu befreien – dass sie keineswegs der Befreiung von oben bedürften). In diesem Sinne hat sie es niemals aufgegeben, den Sozialismus als machbare Größe zu sehen und darzustellen.

In der heutigen Zeit ist die Arbeiterklasse oder das, was man ihr hier zu Lande derzeit zuordnen könnte, zersplittert und noch weniger bereit und in der Lage, auf die Barrikaden zu gehen/einen branchen- und länderübergreifenden Generalstreik auszulösen.

Ja, mehr noch: Man muss einfach fragen: 1) Kann der über hunderttausende von Jahren verprägte Homo Sapiens überhaupt für den Sozialismus (den freiheitlichen neuer Prägung, wohlgemerkt) begeistert und tauglich gemacht werden – und wollte er das überhaupt oder sollte er es? (meine Antwort heißt nein – solange Freiwilligkeit angesagt ist – und nur diese Option kann gelten).

Und 2) Ist ein Sozialismus, der alle nur denkbaren Freiheitsrechte impliziert, mit dem derzeit auf der Erde vorhandenem Spektrum von Menschen überhaupt zu machen. Oder kommt da wieder die menschliche Ratte zum Vorschein, eben jene, die vor gut dreißig Jahren den RealSozialismus ausgehöhlt und ins Verderben getrieben hat? (Meine Antwort ist ja: diese Ratten wie Honecker, Mittag, Hager, Schürer, Schalck … wird es immer geben: Sie werden wie eh und je … clever, intelligent und brutal die Macht ergreifen und jede human gedachte, menschenwürdige Ordnung zerstören. Der moralische, sog. anständige Mensch ist weder machtbewusst, noch durchsetzungsfähig genug und folglich als Führungsfigur auf der Verliererstrecke). In diesem Sinne ist ein Verweis auf Che Guevara interessant: Auch er hat an die Schaffung eines neuen Menschen geglaubt, und ist dann verzweifelt wieder im Dschungel verschwunden. Wahr bleibt, dass selbst in der dynamischsten kulturellen Evolution besagte Wunder niemals vollbracht werden. Dass andererseits aber aus dem zutiefst menschlichen und hochwertigen Gedankengut immerfort geschöpft werden muss – um das, was wir derzeit als Gesellschaft vorfinden … besser, sprich: ethischer und nachhaltiger zu gestalten.

 

Bleibt auf dem Teppich mit eurem Identitätsgetöse!

Dieser Beitrag von Wolfgang Thierse zur Identitätskrise in unserer Gesellschaft war überfällig. Er ist beispielgebend in seiner Klarheit  https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/wolfgang-thierse-wie-viel-identitaet-vertraegt-die-gesellschaft-17209407.html. Thierse formuliert zunächst: Themen kultureller Zugehörigkeit scheinen unsere westlichen Gesellschaften mittlerweile mehr zu erregen und zu spalten als politische Diskurse über Gerechtigkeit.

Ich stimme dem Autor ausdrücklich zu. Tatsächlich wuchert überall, wo man hinschaut der Begriff der „Identität“– vor allem in rechten, aber auch in linken Lagern. Mir geht das zunehmend auf die Nerven.

Thierse hingegen steht das gut durch. Er stellt fest, dass Identitätspolitik stark polarisiert: „Ethnische, kulturelle, religiös-weltanschauliche Pluaralität, die auch in Deutschland zunimmt, ist kein Idyll, sondern ist voller Streit und Konfliktpotential“ und zur Identitätspolitik im Besonderen: „In ihrer Entschiedenheit ist sie in der Gefahr, nicht akzeptieren zu können, dass nicht nur Minderheiten, sondern auch Mehrheiten berechtigte kulturelle Ansprüche haben und diese nicht bloß als konservativ oder reaktionär oder gar als rassistisch denunziert werden sollten.“ Und fünf Sätze weiter: „Menschen, die andere, abweichende Ansichten haben und die eine andere als die verordnete Sprache benutzen, aus dem offenen Diskurs in den Medien oder aus der Universität auszuschließen, das kann ich weder für links noch für demokratische politische Kultur halten.“ Im weiteren Verlauf des Beitrags heißt es dann: „Die eigene Betroffenheit, das subjektive Erleben sollen und dürfen nicht das begründete Argument ersetzen. Biographische Prägungen, und seien sie noch so bitter, dürfen nicht als Vorwand dafür dienen, unsympathische, gegenteilige Ansichten zu diskreditieren und aus dem Diskurs auszuschließen. Opfer sind unbedingt zu hören, aber sie haben nicht per se recht und sollten auch nicht selbst Recht sprechen und den Diskurs entscheiden.“

Diese Sätze sollten sich diejenigen, die fortlaufend überschießende Gender-, Feminismus- und KorrektheitsDebatten lostreten, ja offenbar Mühe haben, die deutsche Sprache unaufgeregt zu benutzen,  strikt vor Augen führen. Thierse bringt es auch hier auf den Punkt: „Wir erleben neue Bilderstürme. Die Tilgung von Namen, Denkmalstürze, Denunziation von Geistesgrößen gehören historisch meist zu revolutionären, blutigen Umstürzen.  Heute handelt es sich eher um symbolische Befreiungsakte von lastender, lästiger, böser Geschichte. Die subjektive Betroffenheit zählt dabei mehr als der genaue Blick auf die Bedeutungsgeschichte eines Namens, eines Denkmals, einer Person, wie die Beispiele Mohrenstraße und Onkel Toms Hütte in Berlin zeigen. Weil mich der Name beleidigt und verletzt, muss er weg, das ist die fatale Handlungsmaxime. Die Reinigung und Liquidation von Geschichte war bisher Sache von Diktatoren, autoritären Regimen, religiös-weltanschaulichen Fanatikern. Das darf nicht Sache von Demokratien werden. In jedem Fall ist breite öffentliche Diskussion (und als Konsequenz: Kommentierung) sinnvoller als Zerstörung …

 

Die dritte Welle ist im Kommen

Ich hab den Eindruck, dass die Politik angesichts der SpazierMassen und der wirklichkeitsfremden Öffnungsphantasien (also auf Druck der Masse) Schulen und Kitas öffnen wird https://rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/rheinufer-duesseldorf-stadt-erwaegt-sperrung-grossandrang-durch-ausfluegler_aid-56359295. Gegen den ausdrücklichen Willen des Lehrerverbandes (VBE). Und das nicht stufenweise im BundesGleichschritt, sondern fahrlässig föderal. Merkel hat das Geschehen leider den Ländern überlassen müssen.

Meines Erachtens ist das Öffnen von Kitas und Schule derzeit völlig unverantwortlich. Wer mal Mathe, Physik und Biologie studiert und Drosten/Cisek von der Berliner Charite/vom Universitätsklinikum Frankfurt zugehört hat, weiß ganz genau, dass es die Mutanten sind, die ein weiteres Absinken der Inzidenz verhindern. Drosten hat bereits von 14 Tagen erklärt, dass sich die Inzidenz – sofern sie nicht von Covid-19-Mutanten beeinflusst wird – in immer kürzeren Abständen halbieren würde. Was auch heißt, dass sie jetzt schon ein Niveau um 30 Neuinfektionen pro Woche und 100.000 Einwohner erreichen müsste. Da dem bei gleichbleibenden Randbedingungen (Lockdown) nicht so ist, müssen die VirusMutationen für die ausbleibenden Erfolge zuständig sein. Wir befinden uns also am Anfang der dritten Welle https://www.mdr.de/wissen/corona-impfen-britische-mutante-dritte-welle-100.html. Einfach unverständlich, dass die NRW-Politiker diesen Zusammenhang noch immer nicht begreifen, geschweige denn auf ihn reagieren https://rp-online.de/nrw/landespolitik/nrw-oppositionschef-kutschaty-will-infrastruktur-fuer-woechentliche-tests-aller-buerger_aid-56376675?output=amp.

Ich glaube inzwischen, dass man es aus Feigheit vor dem Volk drauf ankommen lässt. Um bei erneutem starken CoronaAusbruch einfacher rigide durchregieren zu können. Das Problem ist nur, dass wir dann bei hoher Inzidenz bis zum FrühSommer ausharren und noch mehr Tote hinnehmen müssen. Auch die Impfungen werden uns bis dahin nicht retten, obwohl sie ab April forciert möglich sein dürften. Sehr wahrscheinlich ist, dass unsere Hoffnungen dann durch ein erneutes Chaos bei Lieferung, Verteilung und Impforganisation ausgebremst werden.

https://de.rt.com/meinung/113465-dritte-welle-rollt-auf-deutschland-zu/

 

Jetzt muss unverzüglich gehandelt werden!

Wer immer noch zögert, Besucher und Personal von Alten- und Pflegeheimen konsequent zu testen, gehört in Untersuchungshaft. Dasselbe gilt für Pflegende, die sich um allein lebende alte Menschen kümmern – auch illegale Pflegekräfte aus dem Ausland https://www.spiegel.de/politik/corona-schnelltest-pflicht-in-altenheimen-wir-versuchen-uns-selbst-hilfe-zu-holen-a-cd9b0cd3-629f-44e5-87b6-7787ba6bbf8c

  •  Am 1. März müssen sichere Schnelltest en masse verfügbar sein. Positiv getestete müssen notfalls durch Prämien bewegt werden, ihre Krankheit anzuzeigen
  • Überall dort, wo Krankenhaus- und Pflegepersonal akuten CoronaGefahren ausgesetzt sind, muss die Prävention/Prophylaxe erweitert werden. Neben hochwertigen Masken müssen ebenso hochwertige Brillen und Visiere zum Einsatz kommen
  • Um ein voraussichtliches ImpfChaos bei plötzlich massenhaft eintreffenden Impfdosen zu vermeiden, sind Abläufe – wo auch immer –„vorauseilend“ zu trainieren
  • Der Staat muss kurzfristig ein Programm zur Erforschung von Covid-19-Spätfolgen mit dem Ziel auflegen, die Krankheitsverläufe zu studieren und Betroffenen optimal zu helfen. Letzteres bedeutet auch, für die Versorgung krank Bleibender einzutreten https://www.helios-gesundheit.de/magazin/corona/news/covid-19-genesen-aber-mit-spaetfolgen/
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  • Wer glaubt, dass die Regierung selbst angesichts der Mutanten-Explosion zeitlich fixierte Öffnungspläne vorlegen kann/muss, hat die CoronaSituation auch nach einem Jahr nicht verstanden. Was wir brauchen, sind Stufenpläne, die sich unabhängig von der Art des Virus an Inzidenz, R-Wert und an der Belegung von Intensivstationen orientieren müssen – und zwar bundeseinheitlich
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  • Die Regierung sollte Geimpften Sonderrechte zugestehen (Beispiel ISRAEL!). Die noch nicht Geimpften sollten die Neiddebatte stecken lassen und mal großzügig sein, wenn Immunisierten der zugang zu mehr Freiheit ermöglicht wird. Es ist ja nur für ein paar Monate und es könnte den kleinen Gewerbetreibenden und Künstlern (Läden, Kneipen, Hotels, Kinos, Theatern etc.) vorzeitig helfen

Wer jetzt nach Öffnungsszenarien schreit, muss sich im Klaren sein, dass es Zeitpläne dafür nicht geben kann. So hilfreich das für den im Wartestand befindlichen Einzelhandel, für Kneipen, Theater und all die anderen derzeit Ausgegrenzten auch wäre. Jegliches Öffnen muss sich am Infektionsgeschehen, an der Situation auf den Intensivstationen orientieren, und da ist wieder mal nichts klar. Denn die VirusMutationen  bringen neue Unsicherheit. Allein die britische ist inzwischen bis zu 20% vertreten und treibt die Neuinfektionen empor.

Angesichts der schleppenden Versorgung mit Impfstoffen kann nur eine Revolution bei Schnelltests in Kombination mit niedriger Inzidenz Abhilfe schaffen.A Denn erst wenn Infektionen schnell und en masse erkannt werden, wenn die Verfolgung des Infektionsgeschehens wieder möglich wird, sprich: wenn die Gesundheitsämter wieder in der Lage sind, die Rück- und Nachverfolgung der Infektionen vorzunehmen, ist die Einhegung der Pest denkbar. Wir brauchen R-Werte weit unter 1, um zu normalen Verhältnissen zurückkehren zu können.

Minister Spahn hat für den 1. März Schnelltests für jeden Bürger versprochen – ein spätes Ziel, an dem sich Bürger und oppositionelle Politiker wund reiben.  Vielfach wird Spahn für Zögerlichkeiten attackiert, die es angesichts der vielen Toten nicht geben dürfe. Man fordert die Zulassung für Tests, die weder ausreichend geprüft, noch irgendwie validiert sind. Nach dem Motto: Wenn da ein paar Tests falsch ausfallen, ist das weniger schlimm als die rasante tödliche Ausbreitung der Mutanten https://www.freitag.de/autoren/wolfgang-michal/bloss-nicht-das-infektionsrisiko-senken. Dem widersprechen all diejenigen, die es sicher und sauber haben wollen. „Das Ding muss wirklich idiotensicher sein“, titelt die FAZ und verweist darauf, dass die Selbstnutzung falsch oder gar nicht erfolgen, also auch vorgetäuscht sein könnte https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/in-oesterreich-werden-corona-selbsttests-verkauft-17199578.html. Bislang war es ärztlichem oder ApothekenPersonal vorbehalten, die Schnelltests durchzuführen – was bei positiven Ergebnisse immer auch Meldevorgänge und die Aufforderung zu ergänzenden PCR-Tests nach sich zog. Was aber passiert, wenn niemand mehr zur Meldung angehalten und die Infektion – vor allem, wenn sie mild abläuft –   verschwiegen und so weiterverbreitet wird?  Zumal das Ganze noch von aufblühender Arg- und Sorglosigkeit begleitet wird (ich hab ja nichts und kann jetzt …). Keine Ahnung, wie die Regierenden das austeuern wollen.

Natürlich muss es auch mit den Impfungen weiter gehen  – und zwar in hohem Tempo. Doch nebulöse Bestellzurückhaltung, die problematische Aufstockung der Produktuionskapazitäten/Lieferketten mit daraus resultierenden Lieferengpässen stehen dem entgegen. Dabei sind die Infektionszahlen „dank“ Mutantenexplosion schon wieder aufwärts unterwegs. Droht eine dritte Welle?

Tatsächlich geht es auf dem ImpfSchlachtfeld seit Wochen furchtbar zu. Vor allem deshalb, weil die Medien jede nur erkennbare TeilNachricht zur Impfstoffsituation gnadenlos ausschlachten und bis ins Unkenntliche verzerren. Heraus kommen Hiobsbotschaften, die die Impfbereitschaft der Menschen erschüttern und Teile der schon knappen ImpfstoffVorräte „versauern“ lassen. Auch der AstraZenica-Impfstoff ist ein guter Impfstoff sagen Drosten und Spahn, und sie haben Recht, denn die wichtigste Aufgabe, nämlich die vor schweren Krankheitsverläufen zu schützen, erfüllt auch das britisch-schwedische Präparat – egal, welcher Mutant da gegenwärtig um die Ecke kommt. Ungenutzter Impfstoff ist heute Teil des Verbrechens – das trifft auch auf BioNTechDosen zu, die nicht oder nur teilweise voll ausgenutzt werden. Extrem wichtig ist es jetzt, die Impfstoffe gezielt zu modifizieren, sprich: sie im Kampf gegen die Mutanten auf genau deren Veränderung auszurichten. Wenn hier nicht sofort weitere Mittel (mit den dazugehörigen Verwendungsgeboten) bereitgestellt werden, müssen wir damit rechnen, dass das passiert, was im Kapitalismus üblich ist. Dass die derzeitigen Produzenten mit den bisher entwickelten Produkten so lange weiter machen, bis sich ihre Profite verwahnsinnigt haben. Hier muss sofort und direkt über den Staat „gelöhnt“, überwacht und umgesteuert werden.  Niemand weiß zudem, warum Verhandlungen über die Erteilung von Impfstofflizenzen weiterhin ausbleiben. Wie frage ich, soll Europa, wie soll die gesamte Welt geimpft werden, wenn die Immunisierung vornehmlich den Reichen vorbehalten, ansonsten aber endlos verzögert wird. Schließlich ist Covid nur dann zu tilgen, wenn es keine Wirte mehr findet. Auch uns, die wir privilegiert vor uns hinleben, erreicht dieser Egoismus der Erfinder permanent. Denn solange der Virus außerhalb unserer Sphäre herumturnt, schleppen wir ihn über Lieferketten, Wirtschaftsgüter, Pendler, Touristen und Geschäftsreisende immer wieder ein. Worauf der Vernichtungskrieg erneut aufflammen muss. Wieder und immer wieder.

Alles in allem fehlt dem normalen Bürger die Übersicht. Er weiß nicht mehr, wie viel der (vielleicht oder doch in jedem Fall) bestellten Impfstoffe wann und wo eingehen, und wie sich der persönliche Impftermin wohin schiebt. Für die Menschen, die in beengten Verhältnissen wohnen, aber auch für Gastronomen und Hoteliers, für den Einzelhandel, für Künstler, Schulen, Kitas etc. sind das schlechte Zeichen. Vor allem, wenn  die Betroffenen die ineinandergreifenden Prozesse nicht begreifen.

In allen Bundesländern wird kraftvoll daran gearbeitet, Schulen und Kitas wieder zu öffnen. Was ich persönlich für völlig falsch, weil voreilig halte. Hier wird der Verlust einer Generation von Menschen propagandistisch in Stellung gebracht. Ganz so, als ginge die Welt unter. Aber klar, die Sache ist ernst, und viele unserer Mitbürger sind am Verzweifeln, und man wird ihnen bald helfen müssen. Andererseits darf man den Bürger nicht weiter verdummen. Man kann und darf bei Verlust eines Schuljahres nicht vom Verlust einer Generation sprechen. Ein Schuljahr ist immer auch aufholbar.

Natürlich werden sich die Mutanten bei Kita- und Schulöffnung auch auf Kinder und Jugendliche stürzen und von denen auf die dazugehörigen Familien überspringen. Mit leichten bis tödlichen Folgen. Natürlich vorausgesetzt, dass die Substanz vorhanden ist – die eine wie die andere. Doch darüber gibt es kaum Zweifel. Wie immer geht es um die Dosis (im Kleinen) und ums Maß (im Großen). Beides obliegt der künftigen Entwicklung, den Möglichkeiten der Sequenzierung und menschlicher Vorsicht. Was immer auch in Hysterie umgemünzt wird. Wir sind im Wahljahr, und da erlangt vor allem der  gute Karten, der es unkompliziert hinbekommt, der die Freiheit beschwört sowie schnell und vor allem alles öffnet. Leider behütet uns niemand vor diesen Kräften, die buchstäblich über Leichen gehen! Ich spreche hier ganz bewusst nicht von der FDP.

Man muss nicht unbedingt eine Reihung aufmachen, aber eines scheint mir schon jetzt sicher: Die gleichfalls sehr wichtige Komponente des Handelns, die Bereitstellung von Medikamenten gegen die Pest, gerät wieder mal ins Abseits. Dabei müsste gerade in der augenblicklichen Situation mit wirksamen Medikamenten und erst in zweiter Linie mit bereits vorhandenen, vielleicht funktionierendem Ersatzstoffen operiert werden. Manch Besorgter, manch Cleverr versucht jetzt, jedes Influenza- oder Krebsmittel in die CoronaTherapie zu übertragen – mit spektakulären Teilerfolgen, die schnell in sich zusammenbrechen. Niemand teilt uns heute mit, welche Gelder für die Entwicklung neuer, coronaspezifischer Medikamente bereitgestellt wurden und wer diese Gelder vereinnahmt hat. Da taucht ab zu der Begriff Formycon auf, aber offenbar nur, wenn es um die Befeuerung der Börsenkurse geht. Das hinter diesem Namen in der Pipeline befindliche Medikament dürfte erst 2022 die Zulassung erhalten. Aber was ist das denn: 2022 ????

Herr Spahn muss dringend auf die Frage antworten, ob er es nicht auch versäumt habe, ein paar Milliarden zusätzlich in die MedikamentenForschung zu stecken. Schließlich kann sich niemand mit den standardmäßig ablaufenden Forschungsgeschwindigkeiten, die bei Formycon, Regeneron, Eli Lilly und Co. erst in Monaten oder Jahren durchschlagende Erfolge zeitigen dürften, zufrieden geben. Auch auf diesem Feld muss das Tempo extrem erhöht werden. Auch hier ist vor allem Europa, genauer gesagt:  Deutschland

Ein Korrupter, der die Korruption bekämpfen will

Bezeichnend für die in Deutschland weit verbreitete Russlandfeindlichkeit ist die Tatsache, dass über die Vergiftung und Verhaftung von Nawalny pausenlos herumgeheult und wütend diskutiert wird, dass sich andererseits aber weder die ARD, noch das ZDF oder die Rheinische Post bereit finden, die groß aufgemachten Sensationsberichte zu korrigieren, sprich: die Lügen Nawalnys deutlich herauszustellen. Ja mehr noch: Sie haben nie versucht, dem deutschen Bürger mitzuteilen, wer Nawalny eigentlich ist und wofür er neben der Korruptionsbekämpfung inhaltlich/politisch steht. Wir wissen nichts über ihn – auch nicht, ob an den Gerüchten, er sei ein Rechter, ein Antisemit, etwas dran ist. Auch nicht, wieviel Geld er von seinen westlichen Unterstützern bekommen hat und von welchem der westlichen Geheimdienste er rekrutiert wurde.Allenfalls in der FAZ finden sich Ansätze für mehr Licht in der Sache (FAZ vom 10. Februar 2021, S. 5: „Auf der Jagd nach der Klobürste“). Fest steht: Nawalny hat nicht nur den PutinPalast in einem gefakten Dreh in den deutschen SchwarzwaldStudios entstehen lassen – diesen Palast gibt es natürlich nicht. Es handelt sich vielmehr um ein im Bau befindliches LuxusHotel, das mit Putin nicht zu tun hat – er hat uns auch in einer zweiten wichtigen Sache belogen, ja, besser gesagt: für dumm verkaufen wollen. Als er nämlich mitteilte, er habe einen der auf ihn angesetzten FSB-Agenten am Telefon entlarvt https://www.stoerfall-zukunft.de/3405-2/. Auch diese lächerliche Zumutung ist breitflächig über die Medien kommuniziert worden.

Nawalny – das ist inzwischen glas klar – ist der vom Westen eingeschobene Provokateur, der das Russland-Bashing forcieren soll und dem tatsächlich für Geld jedes Mittel Recht ist, Russland zu verunglimpfen. Das Schlimme dabei ist, dass Teile der russischen Jugend diese Zusammenhänge weder verstehen, noch akzeptieren. Für uns Außenstehende ist wichtig, zwischen der „Streubombe“ Nawalny und den berechtigten Forderungen von russischen Bürgerrechtlern zu unterscheiden. Putin, der sich nach wie vor großen Zuspruchs erfreut, muss gerade deshalb Reformen ins Auge fassen. Denn dauerhafter Zuspruch ist ohne Zutun nicht zu erwarten. Putin hat schon einmal – und zwar im Falle von Chodorkowski, Abramovich und Co. – reichen und mächtigen Oligarchen die Grenzen ihrer Macht aufgezeigt. Jetzt kommt es darauf an, dass weitere kriminelle Netzwerke gesprengt werden. Korruption gibt es in jedem Land der Welt. Doch in Russland scheint sie zum Grundübel aufgestiegen zu sein. Hier muss Putin sukzessive ausdünnen – ohne selbst ausgedünnt zu werden. Das allerdings dürfte dauern.

 

Ich bin sprachlos!

Viele Dinge sind in CoronaZeiten unfassbar. So z. B., dass es die in Düsseldorf ansässige Graf-Recke-Stiftung bis 2. Februar nicht für notwendig erachtete, die Besucher ihrer Seniorenheime vor dem Eintritt in ihre Räumlichkeiten auf Corona zu testen – angeblich deshalb nicht, weil die gültige Allgemeinverfügung so etwas nicht zwingend vorschreibt. Man fragt, ob man es mit einem irren oder aber mit einem von Geiz getriebenen Betreiber zu tun hat. Oder ob es der Staat wieder einmal versäumt hat, hier klare Vorgaben zu Handhabung und Finanzierung zu machen. Man hat den Eindruck, dass ein fieses Bündnis von Verbrechern Todesstrafen für alte Mitbürger ausspricht.

So z.B. wenn man hört, dass bei der telefonischen Vergabe von Impfterminen riesige Probleme auftraten – weil man auf den natürlich erwartbaren Ansturm von impfgeilen Idioten nicht eingerichtet war. Da stellt sich doch sofort die Frage, warum jedes Bundesland die Anmeldungen mit jeweils verschiedener Technik (CallCenter, Software etc.) organisiert hat und das auch beibehält, obwohl seit drei Wochen klar ist, dass die Dinge in Schleswig-Holstein prima funktionieren. Im föderalen System klappt eben wieder nichts – wenn es um Corona geht. Scheut man sich davor zu lernen, scheut man sich davor, einer in dieser Sache erfolgreichen Firma ein kleines Monopol zu gewähren oder ist man einfach nur dämlich ??????

Ich mache kein Hehl daraus: Ich hasse die Herrschenden in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in Qatar und in Saudi-Arabien, weil sie quasi leistungslos gewaltige Profite aus dem Öl ziehen, ihre Bevölkerung mit zahlreichen, durch die Ölgewinne möglichen materiellen Vorzügen menschenrechtlich dumm stellen und beispiellosen Luxus walten lassen, sprich: ein Paradies für Reiche eröffnen und offen halten. Jetzt ist es für Superreiche sogar möglich, Reisen nach Dubai zu buchen, die eine Impfung gegen Covid 19 einschließen https://www.hr-fernsehen.de/sendungen-a-z/maintower/sendungen/corona-impfung-fuer-superreiche-dubai-reise-inkl-impfung-fuer-45000-euro,video-142180.html. Ein System, dass solch dekadente Verhaltensweise zulässt, ist moralisch bankrott. Man wünscht ihm eine Revolution – aber auf die warten wir schon seit Jahrzehnten.

Hallo Autoren, der Brite Roald Dahl …

… hat versucht, die Bedürfnisse von Schriftstellern aufzulisten! Und auch Tips dafür gegeben, wie man diese Leute aufspürt und erkennt.

Solches könnt ihr – je nach Ausprägung eures Narzissmus – mit Freude aufnehmen oder auch zurückweisen ….

 

bitte hineinklicken!

 

 

Quelle: ZEIT-Magazin

 

 

Und es kommt noch besser. Denn bestimmte Leute scheuen sich geradezu, Schriftsteller zu sein oder zu werden, ja mehr noch: Sie führen glaubhafte Argumente ins Feld – dafür, dass sie nicht … Tobias Nazemi hat das faktenreich und witzig auf den Punkt gebracht https://buchrevier.com/:

1. Schreiben

„Ich hab schon immer gerne geschrieben“, sagen die meisten Autoren, wenn man sie nach dem Grund für ihre Berufswahl fragt. Das mag wohl stimmen, aber gilt das auch noch nach zehn, zwanzig Jahren im Job? Manche meinen, dass es nichts Schöneres gibt, als sein Hobby zum Beruf zu machen. Und andere wiederum behaupten das Gegenteil. Als notorischer Pessimist bin ich eher Anhänger des zweiten Lagers. Wer gerne schreibt, tut dies genau so lange, wie er nicht muss. Sobald man muss, wird das Schreiben schnell zur Qual. Man muss abliefern, es muss gut werden, es darf nicht stocken. Wenn es läuft, ist alles ok. Aber wehe, es zieht sich und will und will nicht gelingen, während Verleger, Medien und die treue Leserschaft ungeduldig auf dein nächstes Meisterwerk warten.

2. Verlage

Als junger Autor einen Verlag zu finden, ist wie einen Partner zu finden. Einen fürs Leben, so mit Heirat, Kindern, Einfamilienhaus und gemeinsam alt werden. Das kann klappen, muss aber nicht. Der ersten Verliebtheit und dem Glück, sich gefunden zu haben, folgt oft sehr schnell die Ernüchterung. Man stellt fest, dass man sich eigentlich etwas anderes unter einer Partnerschaft vorgestellt hat. Der Verlag vom Autor, dessen Bücher sich jetzt doch nicht so verkaufen wie geplant. Der Autor vom Verlag, weil er sich ja eigentlich mehr Unterstützung für seine Bücher erhofft hätte, mehr Marketing und PR auch online, mit Blogs und so. Und wie in jeder Ehe müssen sich die Partner irgendwann die Frage stellen, ob sie mit all diesen Kompromissen ewig so weiter leben wollen.

3. Lesen

Ich bin zwar keiner, aber ich kann mir vorstellen, als Schriftsteller liest man anders. So wie jeder Tischler beim Betrachten und Berühren eines Möbelstückes die Qualität von Holz und Verarbeitung prüft und bewertet, so tut dies sicherlich auch ein Autor beim Lesen eines Romans. Das hätte ich jetzt anders aufgebaut, die Figur ist noch zu blass, hier hätte ich wörtliche Rede genommen. Ganz besonders schlimm muss es sein, wenn man Werke von Autoren liest, die in der gleichen Liga spielen. Wie ist das, wenn der „sehr geschätzte Kollege“ zur Buchmesse ein gefeiertes Meisterstück präsentiert, während man selber nur ein passables Gesellenstück abgeliefert hat? Wenn auf einmal ein Nobody daher kommt und schreibt, wie ein junger Gott, ungehemmt, ausdrucksstark und kraftvoll, so wie man selber einmal geschrieben hat – vor zehn, zwanzig Jahren.

4. Rezensionen

Kaum hat ein Autor sein Werk auf den Markt gebracht, geht es auch schon los. Aus allen Ecken stürzt sich die Meute auf den Köder. Die etablierten Kritiker, die Möchtegern-Feuilletonisten, Feenstaub-Blogger, Amazon-Kunden, Lesekreise im Westerwald und all die Buchreviere dieser Welt. Das, woran man Monate und Jahre, Tag und Nacht gearbeitet hat, wo man sein ganzes Können, sein Herzblut, seine ganze Leidenschaft reingesteckt hat – in jedes Kapitel, jede Seite, jedes Wort – das alles wird zerpflückt, seziert, gedeutet und bewertet. Da braucht man als Autor ein dickes Fell, um das alles auszuhalten. Aber letztlich kann man noch froh darüber sein, denn es geht auch schlimmer. Dann nämlich, wenn noch nicht mal ein „langweilig“ oder „überflüssig“ als Wertung kommt, wenn so gar nichts passiert, einfach keine Sau, das neue literarische Werk beachtet.

5. Halbwertzeit

Nach dem großen Roman, ist vor dem noch größeren Roman. Ein Autor kommt, hat er einmal angefangen zu schreiben, nie zur Ruhe. Er muss abliefern, um im Geschäft zu bleiben. Und das im besten Fall jedes Jahr. Entweder im Frühjahr oder im Herbst. Denn wie in der Modeindustrie gibt es auch im Buchhandel das Diktat der Kollektionen. Leipzig oder Frankfurt? Klein oder Groß? Aber egal wo und wie, eines ist sicher: ein halbes Jahr nach der Premiere ist alles vorbei. Wer im März in Leipzig rauskommt, ist in Frankfurt überhaupt kein Thema mehr. Was in der Halbwertzeit von einem halben Jahr nicht passiert, an Besprechungen, Handelsmarketing und PR – das kommt auch nicht mehr. Nicht nur in den Medien, auch im Handel. Und wie heißt es dann? „Tut mir leid – das Buch haben wir nicht vorrätig, aber ich kann Ihnen das bestellen“. Na klar!

6. Lesungen

Bei Musikern kennt man das. Sie verdienen mit Plattenverkäufen kaum noch Geld. Dafür müssen sie auf Tour gehen, Konzerte geben. Auch ein Schriftsteller muss mit seinem Buch tingeln, von Stadt zu Stadt, von Buchhandlung zu Buchhandlung, von Stadtbibliothek zu Volkshochschule. Dafür gibt es ein paar hundert Euro pro Abend und die Einsicht gratis, dass eine Schriftsteller-Karriere nicht wirklich aufregend ist und mit Sex, Drugs und Rock’n Roll absolut gar nichts gemein hat. Männliche Autoren könnte interessieren, dass das Publikum überwiegend weiblich ist, die Kultur Bourgeoisie des Ortes, pensionierte Oberstudienräte/innen, Buchändler/innen, Zahnarzt-Gattinnen nebst Zahnarzt. Die Männer werden zu den Lesungen meist mitgeschleppt und nicken nicht selten nach zehn Minuten auf ihrem Klappstuhl ein.

7. E-Books

Eines ist klar. Schriftsteller zu sein, bedeutet in der Regel: viel Arbeit für wenig Geld. Wenn man es nicht in die Spiegel-Bestseller-Liste schafft oder sich anderweitig an die Sirenen des Mainstream verkauft, wird man es mit dem Schreiben nur selten zu einem Einfamilienhaus am Stadtrand bringen. Es ist also in erster Linie etwas für’s Ego. Ja, ich arbeite als Sachbearbeiter bei der Versicherung, aber eigentlich bin ich ja Schriftsteller. Guck mal, hier ist mein Buch. Wo? Na, hier auf der Festplatte. Im Belletristik-Ordner, die vierte Datei. Klick doch mal drauf! Geht nicht auf dem Kindle. Warum nicht? Weiß nicht – aber toll. Schriftsteller bist Du also? Was schreibst Du denn so für Dateien?

8. Punkt Acht

Sieben Gründe sind schnell gefunden. Sieben billige Ausflüchte, sieben Vorwände, es nicht zu tun. Anstatt sich hinzusetzen, ein weißes Blatt Papier, eine neue Datei und los! Gedanken formulieren, sein Bestes geben. Eine Idee, eine Geschichte, ein Gefühl aus Wörtern konstruieren. Kritisieren ist so leicht, selber machen dagegen schwerer als man denkt. Natürlich hab ich es auch schon versucht und bin kläglich gescheitert. Das war nichts, das würde ich selber nicht lesen wollen. Sieben Gründe müssen her, damit der Blick in den Spiegel erträglich bleibt. Und so kommen wir zu Punkt Acht: Respekt und allerhöchste Wertschätzung für all die Autoren, die die genannten Kritikpunkte natürlich alle kennen und sicherlich noch viele mehr. Die aber trotzdem immer weitermachen, wunderbare und weniger wunderbare Geschichten schreiben und so dafür sorgen, dass auch ich hier immer etwas zu schreiben habe.

8 Gründe, warum ich froh bin, kein Schriftsteller zu sein.