Stille Nacht, missbrauchte Nacht

Da flattert mir dieses ARTEMagazin 12/2018 auf den Tisch https://www.zzol.de/objekt/5470/20180012 und darin ein Beitrag des Theologen Michael Neureiter. Er schreibt über Stille Nacht, heilige Nacht, über die Entstehung und Weiterverbreitung des Liedes, das heute überall in der christlichen Welt gesungen wird. Gut und schön, erbaulich und stimmig, wenn es um Stimmung geht.

Dann aber der Verweis auf die heuchlerisch-widerliche Anwendung, auf den liedlichen Missbrauch von Gefühlen an der Front. Dann also der Verweis auf die Feuerpause zum Heiligabend 1914. Auf die Feuerpause im ersten Weltkrieg. Da habe man die Waffen schweigen lassen, sei zueinander gekrochen, habe sich im LautsprecherLied  stille-heilige-nacht-mäßig an den Händen gehalten – so von Feind zu Feind.  Da habe es den Moment Glückseligkeit gegeben, einen gemeinsamen Schluck Kaffee.

Glückseligkeit, die Nähe Gottes? Niemals, Herr Neureiter!

Gott muss sich zornig abgewandt, die Menschen auf sich selbst zurückgestoßen haben. Der Befehl jedenfalls, das nun folgende strikte Gebot, war nicht seines:  Zurück in die Gräben, entsichert das Gewehr und  … Feuer frei. Dieselben, eben jene, die man eben noch bei den Händen gehalten hatte, sie stürzten im Trommelfeuer der jetzt ausbrechenden Geschosse.

Der Theologe hält sich mit einer verlogenen und bis heute bewahrten Phrase auf. Natürlich hat es die Sehnsucht nach Weihnachten, vor allem aber die nach dem Ende des mörderischen Krieges gegeben. Und natürlich wollten die Geschundenen zueinander. Denn dass sie einander hassten, war böser Schein. Das hatten andere verordnet/indoktriniert. Ich nenne sie  Kaiser, Generäle, Kriegsbrandstifter, und genau sie waren es auch, die das plötzliche Einhalten befahlen. Und im liebdienerischen Kotau die Popen. Sie, die den verfeindeten Christen nicht nur das Meucheln abgesegnet hatten, sondern plötzlich auch die Pause davon – sie weihrauchten.

Ich hasse das!

abgespracht?

Unsere Suche nach Demokratie hat uns von selbiger auch entfernt. So wird uns zunehmend übel genommen, wenn wir sorglos mit der Sprache umgehen. Sorglos nicht im Sinne grammatikalischer Liederlichkeit, nicht im Sinne verwirrender Ausdrucksformen. Nein: Wir haben uns im Zeitalter der Gleichberechtigung, der Metoo-Debatte, der Diskussionen um Aufarbeitung, Gender, Ethik und Menschenrechte von vielen Worten, die wir zunehmend als „sprachlich entgleist“/verbrannt empfanden, verabschieden müssen. Vom Neger, Kolonialswarenladen und Schwarzen Kontinent ebenso wie von Schwuchtel, Trany, von ausschließlich maskulin geprägten Begriffen (der Führer, der Führerschein, mannhaft, Mannschaft, Häftling, Bruderschaft, Brüderschaft, seinen Mann stehen etc; Schöpfer und Gott bleiben – warum auch immer – davon ausgenommen), von martialischen bis furchtbaren Wortschöpfungen wie mit der Wurzel ausreißen, bis zur Vergasung, ausgemerzt ect.

Vieles davon ist Jahrzehnte bis Jahrhunderte lang in Gebrauch gewesen. Heute wird es ersetzt, kurvenreich umschifft oder peinlichst vermieden. Während die gerechte Bezahlung von Frauen, ihre Führerschaft in Dax-Unternehmen noch erkämpft werden müssen, schlägt man sich unten mit extremen Wortbildungen durch.  Liebe KünstlerInnen heißt es da, liebe Künstl*innen oder liebe Künstler_innen, wobei nirgendwo geregelt ist, was wann wo wie anzuwenden ist. Da strunzt wild umher, wer partout Gerechtigkeit sucht und nicht findet.

Mit der Zuwanderung von Flüchtlingen geraten Worte/Wortschöpfungen wie Flüchtlingsprobleme oder Flüchtlingswelle ins Visier der Kritikaster, weil ja nicht die Flüchtlinge und schon gar nicht eine aus ihnen gebildete Woge die Sachverhalte beschreiben – weil ja nicht Flüchtlinge sondern die Methode, wie man mit ihnen  umgehe, das Problem darstelle und nicht die Masse, sondern das Individuum, er, der leidende Mensch, betrachtet werden müsse.

Vielerorts gibt es bereits Sprechverbote – vor allem auch für Ostdeutsche, die DDR-typisches Sprachgut  salonfähig machen möchten oder altes, aus der Nazizeit eingesickertes einfach mitschleppen.

Ich komme mit deiner Sprache, deinen Formulierungen nicht zu Recht, fuhr mich ein  Bekannter kürzlich an. Und ich wusste einmal mehr, dass die deutsche Einheit zwar auf dem Papier, aber noch lange nicht im Leben und in der Sprache vollzogen war.

Künftig dürfte uns also nicht nur die neue deutsche Rechtschreibung, sondern auch die ethisch verordnete Wortvernichtung Mühe bereiten. Bleibt zu hoffen, dass deutsche Schulbücher etwas Ordnung schaffen – so sie denn künftig nicht in Leichtdeutsch verfasst werden.

Antisemitismus – ein Vorwurf, mit dem ständig Schindluder getrieben wird

Einer Guardian-Reportage https://digital.freitag.de/4418/der-letzte-ausweg/entnehme ich wichtige Infos zum NahostKonflikt, daneben aber auch eine Disskussion zum Antisemitismus.

Hiernach schlug 2003/2004 eine Gruppe von Instituten und Experten eine neue Definition vor. Wobei das Kurzzeichen DDD eine entscheidende Rolle spielte. Denn derjenige – so forderten die Fachleute – der gegen eines der Ds verstoße, sei ein Antisemit.

Das erste D stehe für Delegitimierung und ein Verstoß liege dann vor, wenn jemand dem jüdischen Volk sein Recht auf Selbstbestimmung verweigere und Israel das Existenzrecht abspreche.

Das zweite D steht für Dämonisierung. Es umfasst Vergleiche der gegenwärtigen israelischen Politik mit den Nazis.

Das dritte D steht für Doppelmoral. Ein Verstoß besteht immer dann, wenn allein Israel oder vorrangig für Konflikte/die prekäre Lage in Nahost verantwortlich gemacht wird.

Die verwendeten Begriffe und Deutungen machen die Zielstellung deutlich. Während Antisemitismus für mich stets gleichbedeutend für Antijudaismus war, sprich: eine gegen die Juden (als Menschen)/das Judentum gerichtete feindliche Haltung darstellte, wird der Kreis nach o.a. Muster sehr viel weiter gezogen. Ganz offenbar mit der Absicht, auch diejenigen abzustrafen, die sich vorbehalten, den israelischen Staat anzuklagen, wenn der – und in diesem Fall: nur der – den Nahostkonflikt anheizt. Auch eine Geringerbewertung der gegnerischen Schuld (an Auseinandersetzungen) ist ausgeschlossen.

Ich stehe ganz eindeutig zum ersten und zweiten D,  stelle das dritte aber strikt in Frage. Denn es füllt die Antisemitismuskeule, die einer sachlich-menschlichen Vereinbarung, einem Miteinander auf Augenhöhe immer im Weg war und ist. Denn nur die strikte Änderung der israelischen Politik  in Richtung eines friedlichen Miteinanders gibt die Lösung für Nahost. Nur eine Entschädigung der Palästinenser für Tod, Landraub und Vertreibung  könnte alle Wunden schließen. Natürlich unter der Voraussetzung, dass Israels Nachbarn sowohl das erste als auch das zweite D vollinhaltlich akzeptieren.  

Wird der Sohn von Walser und Augstein eine Art Lichtgestalt im finsterer werdenden Deutschland?

Keine Frage:  Die Kolumnen von Jacob Augstein, die in fast allen  renommierten Blättern der Bundesrepublik erscheinen, sind interessant und ein wichtiger Kontrapunkt zum laufenden Mainstream. Augstein hat sich eine scharfe, linksliberale Zunge bewahrt, und er holt kräftig aus, wenn es gilt, Auswüchse des Kapitalismus zu geißeln. Dabei bleibt er immer auf grundgesetzlichem Teppich und watscht schon mal Extremisten von links und rechts gehörig ab.

2012 bekam er Probleme mit der jüdischen Gemeinde, die ihn glatt als Antisemiten abstempeln wollte. Das allerdings gelang nicht. Der Vorwurf fiel auf die Verleumder zurück. Antisemitismus ist seitdem mehrfach Thema im Freitag, dem er als Chefredakteur und Verleger vorsteht. Das offizielle Israel – so hört man immer wieder – bastele sich seine anklägerischen Definitionen so zusammen, dass es sich alles, auch die menschenverachtenden Aktionen gegen Palästiner und jüdische Protestler  erlauben kann (s. auch den separaten, beistehenden Beitrag).

zweimal PAKT, aber von der Beseitigung der Fluchtursachen ist kaum die Rede

Natürlich sind sowohl der UN-Migrations-, als auch der UN-Flüchtlingspakt (in spe) etwas Humanes und Wichtiges. Vor allem, weil sich die beteiligten Länder um die implizierten Situationsbeschreibungen und Handlungsempfehlungen kümmern müssen. Um zunächst einmal Wissen anzureichern und moralische Empfindungen und Sichtweisen auf ein vergleichbares Niveau zu bringen. Im konkreten Fall ist es dann ausschließlich den betroffenen Ländern vorbehalten, mögliche Reaktionen zu prüfen und menschlich zu handeln. Das wird zweifellos erst viel später, mit halber Kraft oder gar nicht funktionieren. Denn in jedem Fall muss die Politik in den Aufnehmerländern Mehrheiten für hilfreiches Handeln zu Stande bringen. Das ist alles andere als selbstverständlich und oft erst im Konsens ganzer Staatengemeinschaften überhaupt machbar. Die EU ist das beste Beispiel dafür.

Ich persönlich stelle mich voll und ganz hinter den Beitrag von Hannes Hofbauer https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/schiessen-dann-helfen, der zwar grundsätzlich des Lobes voll ist, wohl aber darauf hinweist, dass die Vertragstexte in einigen Passagen verändert werden müssten. So dürften die angeführten Willensbekundungen keinesfalls falsch interpretiert werden und schon gar keine Sogwirkung auf Menschen ausüben, die nie geplant hatten, auszureisen. Dass Länder wie die USA, Österreich, Israel, Australien, Polen, Tschechien etc. den Migrationspakt ablehnen, hat vor allem damit zu tun.

Der Entwurf des Papiers verkehrt zudem das Bild, das sich heute bietet. So weist er die Binsenweisheit, dass die Wanderungsbewegung das Ergebnis der weltweiten Ungleichheit ist, zurück und beschreibt die Ergebnisse von Migration als Quelle des Wohlstandes. Sehr einfach , zu naiv und zu generell formuliert, denn das Schicksal der meisten Migranten sprach bislang eine andere Sprache. Daran dürfte sich auch mittelfristig nichts ändern.

Hofbauer schreibt dann auch:“ Einen Migrationspakt zu schließen, ohne die Triebkräfte von Massenwanderung zu benennen, keinen wie auch immer gearteten Ausgleich zwischen Zentralräumen und Peripherien zu fordern und stattdessen weltweite Verwerfungen zu individualisieren, heißt letztlich, einen Schlussstein in das Gebilde einer ungleichen Welt mit ihren Migrationsströmen zu setzen. Provokant formuliert, mischt sich die UNO damit in die Abfolge Schießen-Migrieren-Helfen ein, indem sie Hilfe managen will, ohne am Zustandekommen dieser menschenverachtenden Spirale zu rütteln.“

Tatsächlich wird im Entwurf des Migrationspaktes auf die Ursachen von Migration nicht eingegangen. Sie wird vielmehr als individuelles Problem betrachtet, das der Einzelne lösen muss.

Die Resolution zum zweiten Papier, zum Flüchtlingspakt, ist Mitte November von 176 Staaten bestätigt worden https://rp-online.de/politik/ausland/nach-migrationspakt-uno-will-auch-fluechtlingspakt_aid-34490477. Auch hierzu dürfte es heftige Diskussionen geben, wenngleich grundsätzliche Befunde/Empfehlungen – wie biometrische Registrierung, Trennung von Schutzbedürftigen und Kämpfern, Zugang zu Bildung und Jobs – Zustimmung erlangen müssten. Wichtig scheint mir, dass Umsiedlungs- und Aufnahmeprogramme in Drittstaaten ausgeweitet werden sollen – immer auch mit dem Ziel, die Rückkehr der Flüchtlinge in ihre Heimat zu ermöglichen.

Beide Verträge – sollten sie denn zustande kommen – sind völkerrechtlich unverbindlich, und sie sagen auch nichts über die Tragfähigkeit von Aufnahmeländern, über die zur Aufnahme und Versorgung von Migranten/Flüchtlingen erforderlichen Mittel und über die, die sie bereitzustellen haben. Auch Lösungsansätze zu kritische Problemen, vor allem zu den Schwierigkeiten bei der Integration unterschiedlicher Kulturen und Religionsgemeinschaften, zur Ablehnung von Migration und Flüchtlingshilfe durch große Bevölkerungsgruppen, ja durch ganze Länder, sind nicht zu erkennen.

Nachtrag: Inzwischen sind die Ziele des Migrationspaktes konkretisiert worden (Rheinische Post vom 20. November 2018: „Der Migrationspakt der UN – und seine Ziele“). Doch viel mehr als blasse Willensbekundungen sind auch jetzt nicht zu erkennen:
1) illegale Migration soll bekämpft, legale unterstützt werden 2) Politiker sollen stärker auf Grundlage nachweisbarer Fakten entscheiden. Dazu müssen Erhebung, Analyse und Verbreitung von Daten zur Migration geschärft werden 3) Schleuser sollen bekämpft werden, geschmuggelte Migranten aber strafffrei bleiben 4) Die Lebensbedingungen sind weltweit so zu verbessern, dass Menschen auch in ihrer Heimat bleiben können (eine beispiellose Phrase!) 5) Arbeitende Migranten sollen besser gegen Ausbeutung und Menschenrechtsverletzungen geschützt werden 6) Beim Bezug von unterstützenden Leistungen sind Migranten nicht zu benachteiligen.
Zwei wichtige Fragen sind nach wie vor unbeantwortet:

Was bedeutet die legale Migration? Soll sie die Aufnahmeländer mit dem „Import“ von gut ausgebildeten Menschen noch reicher und die Herkunftsländer noch ärmer machen?

Warum wird kein konkreter Plan zu Beseitigung der Fluchtursachen auf den Tisch gelegt? Es fehlt ein von den reichen Ländern zu finanzierendes 100-Milliarden-Projekt, ein SUPER-MarshallPlan – 10 mal wirksamer als der für Afrika!

Boaaah, Gundermann!

Dass Gundermann hier in westdeutschen Kinos spät ankommt, mag daran liegen, dass die Dinge, um die es  geht, 30 Jahre zurück liegen und die alte, oft so verhasste EX-DDR in die Büchse zurück soll. Möglich auch, dass die Kinobetreiber nicht mitbekommen,  wo und wie der Film großflächig diskutiert wird. DIE  ZEIT widmete ihm eine Seite https://www.zeit.de/2018/41/andreas-dresen-laila-stieler-gundermann-interview, der Freitag sogar gleich drei https://www.freitag.de/autoren/stefan-bock/gundermann. Schnell erfährt man, dass es sich um einen herausragenden Streifen handeln soll. Boaaah, Gundermann! weiterlesen

Joggen – nein DANKE!

Ein Zeitzeichen, ein Kunstbegriff, ein Kulturdenkmal?

„Die Jogger, Bodybuilder etc., diese Energieverschwender ohne Produktion und Produkt, diese Künstler ohne Kunst und Werk, man kann sie für Karikaturen halten, aber es sind epochale, futuristische Karikaturen“ https://books.google.de/books?id=YeA8CwAAQBAJ&pg=PT104&dq=Jogger+sind+Energieverschwender&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjtm9nXnePeAhVRyYUKHbwZANAQ6AEIKTAA#v=onepage&q=Jogger%20sind%20Energieverschwender&f=false

Klar, dass mich diese Deutung belustigt. Klar aber auch, dass ich mich in Zeiten der Energiewende für die verschleuderte Wärme interessiere. Sind das Kilocals oder jault da mehr auf?

Die Recherche im Netz ergab, dass Jogger im Mittel etwa 2500 Kilokalorien pro Woche zur Flotte geben. 2015 sollen allein in Deutschland 22 Millionen LäuferInnen unterwegs gewesen sein https://www.leichtathletik.de/fileadmin/user_upload/08_Laufen/Volks-_und_Strassenlauf/Interessante__Informationen_rund_um_die_Laufbewegung_Stand_2016.pdf. Unterstellt man, dass diese Truppe zu 70 % ihrem Lauftrieb folgte, ergab das pro Jahr 2374 Gigawattstunden, die sich in der Umgebungsluft auflösten, aber gut und gern ausgereicht hätten, um 432.000 Vier-PersonenHaushalte  mit Strom zu versorgen.

Ein Unding, meine ich. Solchen Blödsinn kann und darf man nicht mitmachen!

Oder habe ich mich irgendwo verrechnet?

Mikrogreifer im MegaSumpf

Was sich in vielen Flüssen und Meeren abspielt, ist eine Schande für die gesamte Menschheit. Indonesien gehört an den Pranger!

https://www.tagesschau.de/ausland/wal-plastik-101.html

Ich bin ja sehr dafür, dass sich Menschen darüber Gedanken machen, wie sie die Weltmeere vom PlastikDesaster befreien könnten https://www.youtube.com/watch?v=LJmWfYY3gJE. Muss aber anmerken, dass wir diesem Ziel nur nahe kommen, wenn sich die Weltgemeinschaft zusammentut und die Sammelaktion über einen milliardenschweren, von allen Industrieländern beschickten Fond, potente Wissenschaftszentren  und erfahrene Großanlagenbauer organisiert. Da noch nicht alle Strände in allen Urlaubsorten der Welt vermüllt sind, dürfte vorerst nichts dergleichen passieren.

Es ist wie immer: Erst wenn es zu spät ist, erst wenn die Not die Staaten bereitzwingt, ihre Steuerzahler für die Beseitigung von Unfallfolgen einzuspannen, wenn also das unternehmerische Risiko privater Unternehmen gegen Null gedreht ist und große Gewinne locken, könnte sich etwas bewegen – auch außerhalb der 200-Meilen-Zone..

Dass die RP voll auf Merz setzt, ist klar

… und dass das  extrem parteilich agierende Blatt diesmal nicht zitiert wird, ebenso.

Eines wissen wir auch ohne Rheinische Post:  Friedrich Merz empfindet sich in der Mitte der Gesellschaft und er verdient (besser gesagt: bekommt) 1 Million Euro jährlich. Das ist Geld klar oberhalb jedes Mittelstandes , Geld, wie es schon mal die Chefs von Dax-Unternehmen einstreichen. Sollte dahinter eine solide Leistung stehen, könnte selbst eine solche Summe akzeptiert werden – oder eben auch nicht.

Aber um dieses Geld geht es eher weniger, obwohl sein Ursprung schon ehrenrührig ist:  Kohle aus zahlreichen Aufsichtsratsmandaten, so auch Kohle  aus der Deutschlandzentrale von Black Rock, dem berüchtigten  Finanzkonzern, der alles und jedes weltweit unterwandert  https://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/sonntag/blackrock-ein-geldkonzern-auf-dem-weg-zur-globalen-vorherrschaft/21246966-all.html. Es geht um die Netzwerke, die  Merz sowohl aus seinen Mandaten heraus  als auch über die US-devote Atlantikbrücke und die  Trilaterale Kommission geknüpft hat https://de.wikipedia.org/wiki/Trilaterale_Kommission. Das knallt rein und macht reif für Interessenkonflikte. Wer in so vielen Schüsseln rührt und mit seinem Lobbyismus/neoliberalen Geist kein Problem hat, könnte schnell der Kandidat sein, der ins CDU-Amt gehievt, Politik für diejenigen macht, die er bis heute vertritt. Keine Frage, Merz ist der, der unentwegs Milton Friedmann, den Washington Consensus  in unsere Breiten schaufelt und dies in Partei- und Regierungsverantwortung in noch viel größerem Maße praktizieren würde. Unterm Strich heißt das: Weniger Staat, noch weniger Sozialleistungen und noch mehr Daseinsführsorge unter dem Messer privater Eigner. Die Bedürftigen in unserem Land, die schon heute aus dem Blickfeld der GroKo geraten, dürften unter Merz weitere Einbußen erleiden und der Altersarmut entgegenvegetieren.  Merz würde sich gegen die Erhöhung des Mindestlohnes sträuben und natürlich für die Beibehaltung von Hartz IV plädieren, was er gegen eine 14%-SPD auch jederzeit durchbekäme.

Und Merz steht auf Grün. Er findet die sukzessive an die Macht gespülten Konservativen „sehr bürgerlich, sehr offen, sehr liberal und sicherlich auch partnerfähig“ https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/das-nennt-man-wohl-realpolitik

Was sagt uns das. Merz würde versuchen, die Grünen als Koalitionspartner aufzubauen  und dann der SPD Adieu sagen. Und eben das verwirklichen, was ich oben anführte. Unser Land würde weiteren Abstand zu Russland gewinnen und einen eher zwanghaften Kontakt zu den USA aushalten müssen. Merz dürfte in der Flüchtlingsfrage knallhart reagieren und so einige der flüchtigen CDU-/CSU-Mitglieder bei der AfD abholen.

Braucht ihr/brauchen Sie noch weitere Prognosen?

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/mythos-mitte

Ingenieur, pass auf, dass Du nicht in Verruf gerätst!

Ich habe 40 Jahre meines Lebens als Ingenieur verbracht. Da muss es niemanden wundern, dass ich auf den in der ZEIT publizierten Beitrag von Marcus Jauer („Was kann  der deutsche Ingenieur“ https://www.zeit.de/2018/41/ingenieure-autoindustrie-motoren-dieselskandal-ansehen) engagiert und sicher auch etwas emotional eingehe. Ich kann euch nur bitten, die angeführte Quelle ausgibig zu studieren.

Ja, der Ingenieur – nicht nur der deutsche, sondern der Ingenieur überhaupt – wird heute ambivalent betrachtet. Weil er wenig verstanden wird und ebenso wie der NaturWissenschaftler für das Streben des Menschen nach immer höher, immer weiter und immer schneller steht. Und nirgendwo Halt zu machen verspricht.

Ja, und diese Haltlosigkeit begleitet ihn tatsächlich – so er denn nicht in der Lage ist, die auch negativen Folgen seines Tuns, die pekuniären und MachtGelüste seiner Auftraggeber zu erkennen und in selbst auferlegte Schranken zu weisen. Tatsächlich muss die höhere Kunst des Ingenieurs gerade darin bestehen, den erzielbaren Fortschritt an die Ressourcen unseres Planeten anzupassen. Was bekannter Weise nur in Ausnahmefällen geschieht, oft erst, wenn das Kind – wie bei der Atombombe, bei Fukushima, beim Klimawandel und Monsanto – in den Brunnen gefallen ist oder solches vorhat.

Und ja: der Ingenieur muss gerade in der heutigen Zeit über seine Fachidiotie hinwegreichen. Er muss im Sinne der Technikfolgenabschätzung verantwortungsvoll handeln, ja mehr: Er muss sein Tun sofort verweigern, wenn er sich missbraucht fühlt, wenn er glaubt für Katastrophen verantwortlich zu werden. An genau dieser Stelle wird die Selbsterkenntnis oft genug zugeschüttet oder sagen wir besser: von falscher  Ideologie korrumpiert. Wie auch sollte ein intelligenter Mensch in einem technisch-industriellen Rüstungskomplex – wie ihn die Großmächte zu Hauf unterhalten – keine Skrupel bekommen, wenn er Splitterbomben entwickelt. Ihm „hilft“ hier fataler Weise das beschwichtigende Argument, dass diese Bomben gegen Terroristen eingesetzt werden, über die moralische Hürde hinweg – eine Hürde, die niemals überschritten werden darf. Dass es dennoch geschieht, liegt auf der Hand. Der Job verheißt Sicherheit und gutes Geld, und auf der richtigen Seite steht man ohnehin – wenngleich etwas angepisst.

Jauer fordert zu Recht das Verantwortungsbewusstsein der Ingenieure ein, lässt sie dann aber auch für alles bluten, was geschieht. Hier tut er der Zunft Unrecht. Denn nicht der Ingenieur bestimmt, was in Zukunft geschieht, welche Erfindungen für Positives, welche für Negatives genutzt werden. Sondern sein Auftraggeber: der profitgierige Konzernboss, der Finanzoligarch, ja in der Verlängerung: auch der Politiker. Den Ingenieuren von VW die Schuld für den Dieselskandal anzulasten, ist halbherzig. Denn sie konnten zwar feststellen, dass der Betrug funktioniert, sind aber sicher nicht auf die aberwitzige Idee gekommen. Die ist Winterkorn &Co. zuzuschreiben, denen es darum ging, die Konkurrenz mit getrickster höherer Leistungsfähigkeit ihrer Motore aus dem Feld zu schlagen.  Denn jede NO2-Eindämmung kostet PS.

Auch der E-oder KI-Ingenieur, der wichtige Elemente auf dem Weg zu Energiewende und Robotik erfindet, ist für die Struktur jetziger und künftiger Anwendung/Versorgung nicht haftbar zu machen. Wenn die Braunkohle allzu lange im Portfolio verbleibt und Roboter auf feindliche Soldaten losgehen, dann ist das der Hinterlist fossiler und waffenproduzierender Lobbyisten und den Politikern zu verdanken, die auf ihrer Lohnliste stehen.

Das alles bedeutet nicht, dass ich den Ingenieur freisprechen will. Im Gegenteil. Ich möchte ihm Carl-Friedrich von Weizäcker vor Augen führen und sagen: So wie dieser Mann und 17 weitere Kernforscher gegen die Atombombe votiert haben, so muss jeder andere Ingenieur aussteigen, wenn sein Wissen und seine Arbeit auf Menschenfeindliches/Verbrecherisches ausgerichtet wird. Das trifft bereits auf weit niedrigerer Eben zu – wenn es um Entwicklung und Einsatz von Drohnen, Fassbomben, PflanzenGiften und dergleichen geht.

Ich habe in meinen Schriften mehrfach darauf verwiesen, dass Wissenschaftler und Ingenieure parallel zu ihrer Fachausbildung ein EthikStudium absolvieren müssten.

Dem ist nichts hinzuzufügen.