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Weiter denken, Frau Botzki!

Dass Frau Botzki gegen Nordstream 2 aufsteht, kommt bei mir wie eine schlechte Parole an https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/die-maer-vom-sauberen-gas. Auch Herr Restle zimmert sich Argumente zusammen, die oberflächlich, sprich: wissenschaftlich unhaltbar sind https://www1.wdr.de/daserste/monitor/videos/video-gruener-wasserstoff-schmutziges-gas-in-neuen-schlaeuchen-100.html. Beide – Botzki wie auch Restle – legen weder eine landesweite Energiebilanz für 2030 und danach, noch eine Vorstellung über zukünftiges Wirtschaften und Leben überhaupt vor. Nach Vorstellung der Energieexperten soll das russische Erdgas ein Jahrzehnt lang oder länger fließen. Und überall dort einspringen, wo das umweltschädlichere Erdöl substituiert werden kann. Klar: der Hauptbestandteil von Erdgas ist Methan. Doch das schlummert nicht heimtückisch, um plötzlich als extremer Klimakiller hinaufzuschweben. Es verbrennt bei fast allen Anwendungsfällen schlicht und einfach – zu CO2 und Wasser. Oder es wird künftig zur Herstellung von Wasserstoff benutzt, wobei dann auch das schädliche CO2 wegbleibt, weil stattdessen fester Kohlenstoff entsteht https://www.iass-potsdam.de/de/forschung/verbrennung-methan-ohne-co2.

Was ich sagen will: Wer die Hochrechnung für den Energiebedarf, wer die Verkehrswende und den notwendigen Paradigmenwechsel für die Wirtschaft einfach unterschlägt, wer sich also gar nicht darüber im Klaren ist, wie der Energiemix der Zukunft aussehen kann oder wird, ist nicht befugt über Nordstream zu befinden.  Immerhin dürfte bei Wegfall von Atom- und BraunkohleEnergie die künftig in Deutschland erzeugbare alternative Energie keineswegs ausreichen, um den künftigen Hunger von Wirtschaft und Verkehr zu tilgen.  Es bräuche zumindest für eine Übergangszeit immense Mengen an Gas. Das aber auch dann nur, wenn man  eine solche Rechnung für das verhängnisvolle IMMERWEITERSO-Wirtschaften überhaupt aufmachen möchte. Derzeit läuft alles in diese Richtung, aber das könnte sich angesichts der massiven Wetterdrift, der auftauenden Permafrostböden, der wärmer werdenden, überflutenden Meere*, aber auch angesichts von massiven KlimaProtesten bald ändern. Nur muss der Ansatz dann ein grundsätzlich anderer sein, nämlich einer, der die Umwandlung der Energie, Umwelt und Ressourcen vernichtenden in eine nachhaltige Wirtschaft impliziert.

Gero Jenner fordert in seinem Buch „Ob wir das schaffen“, dass die Lebensdauer aller für die Menschheit wichtigen Produkte verzehnfacht und der endlosen Gier nach immer Neuem und Sinnlosen ein Ende bereitet wird https://www.amazon.de/OB-WIR-DAS-SCHAFFEN-bessere/dp/B08LJZLPXF/ref=sr_1_3?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&dchild=1&keywords=ob+wir+das+schaffen&qid=1620226890&sr=8-3. In einer solchen Welt würde die Produktion ohne Wohlstandseinbußen signifikant eingeschränkt, was dann nicht nur Umwelt und Klima schonen würde, sondern auch mit einem radikal sinkenden Energiebedarf einherginge. Und JA: In einer solchen Welt könnten wir gut und gern auf das Erdgas, auf Nordstream 2, verzichten.

Also, bitteschön, Frau Botzki, helfen sie uns doch zunächst dabei, diesen Wandel zu befördern. Käme er in Fahrt, dann bekäme auch ihr Protest einen Sinn!

*in beiden Fällen ist im Gegensatz zur Erdgasnutzung tatsächlich mit einer Wahnsinnsgefahr durch Methan zu rechnen