Künstler dürfen sich nie dem System andienen

Die Praxis sieht leider anders aus. Vor allem in diktatorischen Regimes gilt oft die Parole: „Ich bin Künstler und sonst gar nichts. Wann und wo ich auftrete, ist mir egal. Wichtig ist nur, dass ich auftrete. Schließlich muss ich meinen Lebensunterhalt verdienen, und berühmt zu werden, ist schließlich auch ganz nett.“
Jette Steckel und Frank Castorf räumen mit diesem Verhalten auf – was aus heutiger Sicht etwas einfach erscheint. Alternative Lebensentwürfe sind rückbesinnlich kaum festzumachen.

Gleichwie: Man hat sich in den Münchner Kammerspielen, aber auch im Berliner Ensemble mal wieder mit Klaus Manns „Mephisto“ beschäftigt – leider auf sehr ausführliche Weise, dafür aber auch unnachgibig.

Mir hüpft angesichts der Abrechnung  

das Herz. Dennoch: Künstlermut hat im faschistischen Deutschland meistens die Existenz, oft aber weit mehr gekostet.

Quelle: der Freitag Nr. 39 vom 24. September 2026/Beitrag von Eva Marburg