Alle Beiträge von Ulrich Scharfenorth

Por Cuba – alles über die rote Insel

Politische Analysen, Erzählungen, Menschen

 

Die Story: Als die Condor gegen 20 Uhr 20 Ortzeit auf dem Flughafen Havanna aufsetzt, liegen elfeinhalb Stunden Flugzeit hinter uns. Draußen ist es dunkel, mein Nacken ist verspannt und Joe, der mich begleitet, guckt schief in die Gegend. Wir hatten auf Abendsonne und eine zügige Abfertigung gehofft. Dann natürlich auch auf die nette Dame von SoliArenas, die uns abholen würde. Nichts von dem sollte sich erfüllen, aber davon später. Zunächst hatte ich ein komisches Gefühl im Magen. Es rührte von der Ansage her, die mir gut eine Stunde vor der Landung aus dem Bord-Lautsprecher entgegenschlug. Es ging um den Zoll. Man müsse – so hieß es – auch Geschenke deklarieren – so sie denn für Kubaner bestimmt seien. Nun, ich hatte etwas bei mir. Zwei Kartons, die mir ein UNESCO-Mitarbeiter aus Bonn geschickt hatte. Sie waren für einen Ex-Botschafter der kubanischen Regierung bestimmt. Was so drin war im Paket, konnte ich nur ahnen. Die Absender hatten das AUTOERSATZTEIL genannt. Ich war nicht neugierig, hatte das Paket einfach nicht aufgeschnürt. Jetzt, im aufgegebenen Koffer verstaut, wog es doppelt schwer. Sollte ich auf das Geschenk hinweisen, es aufführen, obwohl nicht sicher war, dass es das war, wofür ich es halten musste. Würde die Anonymität des Gegenstandes oder dessen unbedachte Einfuhr mich oder aber den Empfänger in Schwierigkeiten bringen? Nun, ich hatte kaum Zeit, die Varianten durchzuspielen. Jo und ich gingen bereits die Gangway hinunter. Ein paar Augenblicke später standen wir vor der Passkontrolle. Ich beschloss, gar nichts zu tun, sprich: den Koffer einfach passieren oder eben auffliegen zu lassen. Nun, ich hatte Glück – und kam unbeschadet in die Eingangshalle. Dort bot sich ein buntes Bild – auch bestimmt durch den Schilderwald derer, die Leute aus Frankfurt abholen wollten. Ein Logo unseres Reiseveranstalters war nicht dabei. So war es Jo vorbehalten, die Leute einzeln zu befragen, ob denn irgendwer irgendwo unseren Namen verschluckt habe. Die Suche dauerte. Dann aber hatte Jo Glück und wurde fündig – unter einem Schriftzug, der uns unbekannt war. Als Mensch mit wenig Nachsicht, als Mensch mit wenig flexiblen Vorstellungen zu Information, Kommunikation und Logistik ist man verkehrt auf Cuba. Wer bleiben will, tut gut daran, deutsch-übliche Abfolgen und Verknüpfungen schnell zu vergessen. Die Dinge kommen auch so ins Lot – manchmal etwas spät, dafür aber höchst unaufgeregt.
Wir saßen schließlich in einem Bus, von dem wir nicht wussten, ob er uns ins richtige Hotel bringen würde. Der dann aber losfuhr und genau dort ankam, wo wir hin mussten. Im Foyer stieß José zu uns. Er war Reiseleiter und vertrat Cubanacan, eine inländische Reisegesellschaft, von der wir bisher nichts gehört hatten.
Wer jetzt vermutet, dass die Reiserei auf Kuba ein Problem ist, irrt heftig. Jo und ich jedenfalls würden das nie behaupten. Denn zum einen wussten und wissen wir nicht, ob unser Fall typisch war. Noch machte uns die höchst undeutsche Art zu reisen, wirklich zu schaffen. Immerhin hatte sich im Verlauf der Tour so etwas wie eine Schicksalsgemeinschaft gebildet, die jeder neuen Wendung gespannt entgegen starrte. Abenteuer pur, ungeplant, quasi aus der Hüfte heraus. Während der Standard-Tourist auf den morbiden Mix aus kolonial und „Castro-light“ wartete und beides im Regelwerk des ihm Zugedachten auch vorfand, waren wir im richtigen Kuba. Und kaum mit den geführten Hochglanzfotos beschäftigt.
Die organisatorischen Pannen waren also weniger wichtig. Und José natürlich ein netter Kerl – stämmig, einsachtzig und Patriot. Wie zu erwarten, war der Mann stolz – nicht nur auf Job und Fidel, sondern auch auf sich und so, wie er aussah. Es gebe auf Kuba zweiunddreißig Hautschattierungen, witzelte er: von ganz weiß bis ganz schwarz. Er selbst habe sich bei siebzehn eingeordnet.

Der nächste Morgen verging wie im Zeitraffer. Aufstehen, Früh- stücken, Koffer fassen und los. Kaum dass wir saßen, lag halb Havanna schon hinter uns.
Zuerst war der Westen dran: Ein Ausflug ins Zigarren-Tabakland, in die Cuhiba-Geheimkammern, in denen niemand fotografieren oder filmen durfte, wo die Blattsortierer, -schneider und -roller, eng aufgereiht, am Werk waren – den Betrachtungen, Bemerkungen und gelegentlichen Lachsalven der Besucher ausgesetzt. Dass hier eines der wichtigsten Exportgüter zum Leben fand, war angesichts des druckvollen, aber irgendwie puppenkistenhaften Aufeinandertreffens von Touris und Tabaceros nicht recht greifbar. Gerochen hat es dennoch gut.

Wir haben natürlich die Hemingway-Runde mitgemacht, wir haben die Villa des Schriftstellers besichtigt und bei Cojímar nicht nur an ihn, sondern auch an die vielen Flüchtlingen gedacht, die von hier aus – legal oder illegal – auf tausenden, selbst zurecht gebastelten Flößen in Richtung Florida abfuhren. Da überkam einen glatt das zweifache Heulen, eines wegen der Ertrunkenen, ein anderes wegen der noch immer prekären Lage im Land.

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DAS VERFLUCHTE FRACKING – ARGUMENTATIONSHILFEN

 

Die unkonventionelle Gewinnung von Erdgas, das „hydraulic frac- turing“ (kurz auch „Fracking“ genannt) zielt auf die Erschließung von kleinen Gasblasen, die sich in Gestein, Kohle oder Schiefer quasi „verkapselt“ haben. Ihr tausendfaches „Einzelanbohren“ wäre wegen zu geringer Ergiebigkeit höchst uneffektiv. Deshalb wurde bereits vor Jahren die o. a. Technik entwickelt, bei der die Gas führenden Bereiche von außen aufgesprengt werden. Kri- tisch bei dieser Technologie ist, dass neben Press-Wasser und Sand auch hoch giftige Chemikalien ins Bohrloch geführt wer- den. Mit Aufbringen des Drucks (300-1000 bar) reißt der Unter- grund in 1.000 – 4.000 Meter Tiefe, wobei sich Sand und Chemi- kalien so in die entstehenden Spalten setzen, dass das vorhandene Gas problemlos zum Bohrloch abfließen kann. Jeder Fracking- Vorgang erzeugt ein Erdbeben, das die Stärke von maximal 3,5 auf der Richterskala erreichen kann. Gravierendere Auswirkungen aber dürfte der Chemiecocktail haben, der zu 20 – 85 % im Bo- den verbleibt. Auch die mit dem frei werdenden Gas aufsteigenden Wässer (der sogenannte „Flowback“) stellen eine immense Gefahr dar, weil sie anschließend abgeführt, transportiert und über Entsor- gungsbohrungen in unterirdische, oft undichte Kavernen verpresst werden müssen. Diese Wässer enthalten Reste des o.a. Chemie- cocktails (Toluol, Benzol, Xylol etc.), bestehen zum großen Teil aber auch aus mitgerissenem Lagerstättenwasser, das ebenfalls schädliche Beimengungen (Quecksilber, Benzol etc.) enthält. Im- mer wieder wird auch von radioaktiven Stoffen (z.B. gasförmigem Radon) im Rücklaufwasser gesprochen. Sowohl beim Einpressen, als auch beim Zurückströmen und Entsorgen der gefährlichen Gemische besteht die Gefahr der unmittelbaren oder mittelbaren Grundwasserberührung. Gleiches gilt für die in der Tiefe verblei- benden Flüssigkeitsreste und vagabundierendes, außerhalb des Bohrstranges aufsteigendes Methan/Erdgas. Beides – Flüssig- keitsreste wie auch Methan – geraten außer Kontrolle, denn nie- mand weiß, wie sich diese Stoffe in den Folgejahren/-jahrzehnten durch die Klüfte, Verwerfungslinien und Störungszonen bewegen, um irgendwann Trinkwasserquellen zu kreuzen oder anderweitig die Erdoberfläche zu erreichen. Auch unplanmäßige Gasaustritte im Bereich des Bohrstranges sind vorprogrammiert – weil eine durchgängige, fehlerfreie Einzementierung der Bohrrohre – vor allem im gebogenen Teil des Stranges – nicht oder nur zum Teil möglich ist. Methanhaltiges, brennendes Trinkwasser hat es in den USA schon mehrfach gegeben.

Aktuelle Diskussionen in den USA:

 

  • Es wird viel über die niedrigen Gaspreise lamentiert, die durch umfangreiches Fracking möglich wurden. Es wird wenig über die Bedingungen gesprochen, die dort herrschen:

 

•    Es existieren große, unbewohnte Freiflächen, die in Mond- landschaften verwandelt werden; in Wohngebieten wurde Trinkwasser mehrfach chemisch verseucht, teilweise gelangte Methan ins Trinkwasser (“brennendes Wasser“)

 

  • Bodenschätze gehören dem Bodenbesitzer. Folglich können Energiekonzerne mit ihm allein verhandeln/ihn unbeschadet auch korrumpieren (!!!)

 

•    Die Fördertiefen liegen um 3.000 m3

  • der Bevölkerung kann alles Üble übergestülpt werden, da die Bürgerinitiativen in der Regel zu schwach sind

 

  • Die niedrigen Gaspreise haben Investitionen in die unkon- ventionelle Gasförderung vorläufig zum Erliegen Jetzt soll Fracking vornehmlich bei der Gewinnung von Erdöl aus Schiefergestein angewendet werden

Im Aufsuchungsgebiet „Ruhr“ (u.a. Kreis Mettmann) liegen die Vorkommen an unkonventionellem Erdgas teilweise in weniger als 1.000 m Tiefe, sprich: in geringem Abstand zu den Grundwasservorkommen. Im Vergleich dazu wird Fracking in Niedersachsen in ca. 4.000 m Tiefe betrieben.

 

Gas wird in der Politik als Waffe eingesetzt. Regierungsoffiziell gilt: Durch Fracking können die Gaspreise signifikant reduziert werden. Allein der Gedanke soll die laufenden Gaskontrakte mit Russland konterkarieren, sprich: Putin soll mit Hinweis auf möglicher- weise geringere Gasabnahme zu PreisKonzessionenen bewegt werden. Weil ihn das auch politisch schwächen könnte, wird das Fracking von Teilen der Politik geradezu beschworen.

 

Wahr ist allerdings etwas ganz anderes: Nicht Deutschland bestimmt, ob Fracking das energetische Umfeld verändert. Dafür sind die vermuteten Gasreserven viel zu gering, dafür ist der Widerstand in der Bevölkerung viel zu stark. Denkbar wäre, dass Polen und Frankreich das Fracking aufnehmen. Aber auch dieser Umstand würde die Versorgungssituation in Europa nur wenig verändern.

Die USA dürften erst 2020 in der Lage sein, gefracktes Gas in kommerziell sinnvollem Umfang zu exportieren. Denn derzeit sinddie Bedingungen für den Flüssiggas-Handel (Kompression, Termi- nals, Transportschiffe etc.) denkbar schlecht.1 Auch wenn sich die Situation spürbar verbesserte, ist unklar, ob zusätzliches Gas auf den Märkten wirklich zu nennenswerten Preisreduzierungen füh- ren würde. Immerhin stehen für Kompression und Transfer erheb- liche Kosten an. In Deutschland dürfte sich Fracking – selbst wenn es genehmigt würde – sehr viel weniger rechnen als in den USA. Experten schätzen, dass erst ein dauerhaftes Gaspreis- Niveau von 40-50 Euro pro Megawattstunde die Fracking-Aktivi- täten sichtbar befördern könnte. Außerdem wird massiv daran gezweifelt, das Fracking unter Energieeffizienz- und Umwelt- gesichtspunkten überhaupt eine lohnenswerte Alternative dar- stellt. Immerhin ist Deutschland ganz vorn beim Energiesparen. Darüber hinaus dürften die beschränkte Flächenverfügbarkeit, vor allem aber die notwendigen Umweltschutzauflagen (sichere Ent- sorgung des Fracking-„Flowbacks“, Sicherung gegen Methan-Le- ckagen etc.) hohe bis höchste Kosten verursachen.

Die US-Firma Exxon Mobile behauptet, über 20 verschiedene Fracking-Zusatzstoffe zu verfügen, „von denen keiner offiziell als giftig oder umweltgefährlich gekennzeichnet werden müs- se“ („Rheinische Post“ vom 4. April; S. A4). Hierbei handelt es sich offensichtlich um eine faustdicke Lüge, denn zum einen hat Exxon die Einsicht in US-Erfahrungsberichte verweigert, zum zweiten wird die Zusammensetzung der Zusätze als streng gehü- tetes Know-how geheim gehalten (schließlich wird nur der König, der sich dem giftfreien Zusatz am meisten nähert!). Folglich weiß niemand, um welche Stoffe es sich handelt, ob es bekannte oder neue, bisher ungetestete und deshalb auch unbewertete (und eben auch giftige) Stoffe sind etc.

Die deutsche Industrie – selbst die sogenannte energieintensive – ist auf billiges Gas nicht angewiesen. Denn der Wirtschaftsmotor läuft auch so – wie die jährlichen Exportrekorde anschaulich demonstrieren. Immerhin hat Gabriel in Brüssel gute Chancen, die geplanten Ausnahmen von der EEG-Umlage für die energieinten- sive Industrie durchzusetzen – womit auch an dieser Stelle der ab- solute Druck pro Fracking raus wäre.

Wir Deutschen sollten unsere Gasreserven für spätere Zeiten aufbewahren. Zu einem bestimmten Zeitpunkt nämlich wird man sie umweltverträglich erschließen können. Zum anderen ist das un-intelligente Verbrennen von immer knapper werdenden fos- silen Energieträgern eine Todsünde. Denn das Fracking-Gas der Zukunft muss natürlich der chemischen Industrie zur Verfügung stehen, damit dort mit intelligenzintensiven Produkten eine 10fach höhere Wertschöpfung erreicht wird.

 

•    Für die Erteilung der Bohrgenehmigungen in NRW ist allein die Bezirksregierung Arnsberg, eine dem Land unterstellte Behörde, zuständig. Sie muss die Festlegungen des Bundesberggesetzes befolgen und benötigt außerdem die Zustimmung der sog. unteren Wasserbehörde (das sind die Kreise und die kreisfreien Städte). Letztere sind aufgerufen, die Umweltverträglichkeit der Exploration/die Wahrung des Trinkwasserschutzes zu attestieren. Es wird höchste Zeit, eine bundeseinheitliche Gesetzgebung – ganz speziell zum Fracking – zu schaffen, um ein koordiniertes, mit Krei- sen, Gemeinden und Bürgern abgestimmtes Vorgehen der jeweiligen Bezirksbehörden und damit … ein generelles Fracking-Verbot in ganz Deutschland zu erreichen.

 

1 https://www.kfw-ipex-bank.de/PDF/Analysen-und-Meinungen/Marktanalysen/ Blitz-Licht-Analyse.pdf

 

Der Zerstörer

Bundespräsident Gauck trägt maßgeblich dazu bei, dass die so wichtigen Beziehungen zu Russland allmählich zerstört werden. Sein notorischer Antikommunismus lässt ihn vergessen, dass Russland kulturell und historisch zu Europa gehört (siehe seine Dichter, Komponisten und Denker !), dass Zar Peter III. Preussen einst vor dem Untergang rettete (wie sähe Europa wohl heute aus?) und die westliche Allianz im 2. Weltkrieg ohne die fast 20 Millionen sowjetischen Opfer zehnmal tiefer im Blut gestanden hätte. Antje Vollmer, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages a. D., hat diese Haltung, die sich vor allem im (Nicht-)Verhältnis zu Wladimir Putin manifestiert, scharf kritisiert. Und Gauck auch in anderen Bereichen schwere Fehlleistungen unterstellt. Selbst die konservative Rheinische Post meint heute, dass sich Gauck allerlei Kritik gefallen lassen müsse. Er sei zwar redegewandt, vor allem aber geltungsbedürftig. Im Kontext zitiert sie Gaucks ehemaligen Sprecher Legner, der ein Buch zum Thema herausgebracht hat. Dessen Einschätzung fällt ebenfalls wenig schmeichelhaft aus: Nirgendwo habe Gauck erkennen lassen, dass er in der Lage wäre, Verantwortung zu übernehmen. Erst mit den Wende-Ereignisse habe sich der antikommunistische DDR-Bürger „neu erfunden“.

Da mutet es seltsam an, dass die Mehrheit der deutschen Bürger mit der Arbeit ihres Präsidenten zufrieden ist. Rückschlüsse sind erlaubt!

Was der Präsident einst war, was er heute so alles tut, scharf macht oder sein lässt:

http://www.taz.de/!88343/

http://www.taz.de/!88071/

http://www.merkur-online.de/aktuelles/politik/gauweiler-gaucks-thesen-sind-gefaehrlich-kritik-siko-rede-zr-3346256.html

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/rede-gauck-schont-die-banken-a-963442.html

http://www.sueddeutsche.de/politik/gauck-ueber-den-ukraine-krieg-deutsche-besserwisser-1.2117290

http://www.neues-deutschland.de/artikel/944587.linke-chefin-wirft-gauck-saebelrasseln-vor.html

http://www.heise.de/tp/artikel/42/42776/1.html http://luegenmaul.blogspot.de/2012/02/gauck-und-wikileaks.html

und so weiter …

Wenn sich der Mensch im Christen rührt, wird’s gefährlich!

Es ist mehr als naheliegend, dass unser Hassprediger, der redselige Pfarrer aus dem Norden, der guten teutschen Tradition folgt und die panzerbrechenden Waffen, die jetzt an die falschen Kurden gehen http://frontal21.zdf.de/ZDF/zdfportal/programdata/f66838f5-a8fb-3da8-aa23-7a6accf45314/20341878?doDispatch=2 , gebührend segnet.
In einem gerade erschienenen mehrseitigen Klatschabtausch mit der rheinischen Pest hat sich unser Protagonist auch burschikos zum Osteuropa-Konflikt geäußert. Er hänge die Souveränitätsrechte der Ukrainer höher als irgend welche Rücksichtnahmen auf russischen Empfindlichkeiten. Allerdings vergaß er sie zu verorten – die Souveränitäten. Meinte er den Osten oder den Westen des Landes? Den USA wie den europäischen Ein- und Giftmischer bescheinigte er, im zwielichtigen Gerangel alles richtig gemacht zu haben, womit er die heftigsten Putin-Gegner glatt in die linke Ecke stellte. Ja, dieser Mann, dieser Scharfmacher vor dem Herrn, der Bundeswehrsoldaten in Kampfeinsätzen mal schnell verheizen könnte (na Jungs, nun seid doch mal robust!), dürfte auch dort ein Wörtchen mitreden, wo es gilt, das lästige C aus dem Namen bekannter Volksparteien zu tilgen. Immerhin weist sein lehrerhafter (Zeige!)-Finger, den er gegen die Friedfertigen spitzt, erneut auf freiheitselige Dreistigkeit. Heißt wohl: Nehmt euch in acht, ihr Harmlosen. Wenn’s wieder kracht, kracht’s auch bei euch! AMEN.

Am 15. Oktober 2014 hieß es dazu:

Bundespräsident Gauck trägt maßgeblich dazu bei, dass die so wichtigen Beziehungen zu Russland allmählich zerstört werden. Sein notorischer Antikommunismus lässt ihn vergessen, dass Russland kulturell und historisch zu Europa gehört (siehe seine Dichter, Komponisten und Denker !), dass Zar Peter III. Preussen einst vor dem Untergang rettete (wie sähe Europa wohl heute aus? http://www.welt.de/geschichte/article125069050/Ein-kaiserliches-Scheusal-wird-rehabilitiert.html ) und die westliche Allianz im 2. Weltkrieg ohne die fast 20 Millionen sowjetischen Opfer zehnmal tiefer im Blut gestanden hätte. Antje Vollmer, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages a. D., hat diese Haltung, die sich vor allem im (Nicht-)Verhältnis zu Wladimir Putin manifestiert, scharf kritisiert. Und Gauck auch in anderen Bereichen schwere Fehlleistungen nachgewiesen. Selbst die konservative Rheinische Post meint heute, dass sich Gauck allerlei Kritik gefallen lassen müsse http://www.rp-online.de/politik/joachim-gauck-muss-sich-kritik-gefallen-lassen-aid-1.4595826. Er sei zwar redegewandt, vor allem aber geltungsbedürftig. Im Kontext zitiert sie Gaucks ehemaligen Sprecher Legner, der ein Buch zum Thema herausgebracht hat. Dessen Einschätzung fällt ebenfalls wenig schmeichelhaft aus: Nirgendwo habe Gauck erkennen lassen, dass er in der Lage wäre, Verantwortung zu übernehmen. Erst mit den Wende-Ereignisse habe sich der antikommunistische DDR-Bürger „neu erfunden“.
Da mutet es seltsam an, dass die Mehrheit der deutschen Bürger mit der Arbeit ihres Präsidenten zufrieden ist. Rückschlüsse sind erlaubt!
Was der Präsident einst war, was er heute so  tut, scharf macht oder sein lässt:

http://www.taz.de/!88343/
http://www.taz.de/!88071/
http://www.merkur-online.de/aktuelles/politik/gauweiler-gaucks-thesen-sind-gefaehrlich-kritik-siko-rede-zr-3346256.html
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/rede-gauck-schont-die-banken-a-963442.html
http://www.sueddeutsche.de/politik/gauck-ueber-den-ukraine-krieg-deutsche-besserwisser-1.2117290
http://www.neues-deutschland.de/artikel/944587.linke-chefin-wirft-gauck-saebelrasseln-vor.html
http://www.heise.de/tp/artikel/42/42776/1.html
http://luegenmaul.blogspot.de/2012/02/gauck-und-wikileaks.html

Stoppt die Militäreinsätze im Ausland!

Unter dem Titel „Die neue deutsche Außenpolitik“ feiert die Rheinische Post sehr unverblümt die Entscheidung der Bundesregierung, Waffen in den Irak zu liefern. Unter erneuter Berufung auf die GAUCK-Brandrede, die den obersten deutschen Repräsentanten angeblich zu einem historisch bedeutsamen Bundespräsidenten gemacht hat (welch groteske Bewertung!), wird die Rolle Deutschlands als aufkommender Hilfspolizist der Amerikaner geradezu beschworen. Der deutsche Michel – vor Jahren für sein Beharrungsvermögen, sein konfliktscheues Heraushalten aus militärischen Abenteuern von den einen bewundert, von den anderen kritisiert – müsse sich in Bewegung setzen und tue das jetzt auch. Dass im Irak ein Genozid droht, dass ein Kriegreporter öffentlich geköpft wurde, passt genau ins Kalkül derer, die morgen entscheiden müssen. Zwei tragische Tatbestände, die von relevanter Seite wie irre befeiert werden dürften. Noch bis in die jüngste Zeit hatte Gabriel die Rüstungslobby und damit weite Teile von CDU/CSU, FDP und AfD wegen der von ihm angekündigten Restriktionen beim Waffenexport erzürnt. Jetzt entspannt sich das. Gabriel hat die Exporte nun mit genehmigt und muss sich über seine Inkonsequenz keine Gedanken machen. Die Nothilfe-Wehrethik rechtfertigt unpopuläre Entscheidungen, auch wenn 67% der deutschen Bevölkerung die Überschreitung der roten Linie strikt missbilligen. Denn was heute als Einzelfall aufschlägt, impliziert natürlich das Einfallstor für die totale Entgleisung. Künftig wird es auch in weniger bedenklichen Situationen möglich sein, Waffen in Spannungsgebiete zu liefern.

Die Feststellung, dass Deutschland dabei ist, eine neue Außenpolitik zu betreiben, treibt mir die Wut in die Schläfen, trifft aber dennoch genau den Kern. Ganz klar: Auch in der Rüstungsbranche ist jetzt der Druck aus der Hose. Manager und Betriebsräte (!) der Waffenschmieden müssen nun nicht wie zuvor auf neue, „entspannte“ Kriege drängen, nein: ihnen dürften künftig auch weniger saubere Konfliktschauplätze quasi durch die salonfähige Hintertür serviert werden. Die Regierung muss nicht einmal den Bundestag befragen. Alles spielt sich im Bundessicherheitsrat und damit im Geheimen ab. Dass die Kanzlerin nach der Entscheidung jetzt ein erklärendes Statement vor dem Bundestag abgeben wird, ist nur grotesk, weil bedeutungslos. Schlimm genug, dass die Abgeordneten eine solche Farce auch noch einfordern statt auf einer Kontrollfunktion zu bestehen. Dass sogar Gysi die geplanten Waffenlieferungen billigt http://nuzzel.com/story/08112014/taz/gregor_gysi_fr_deutsche_waffenexporte_greres_unheil_verhindern_2, hat mich schwer enttäuscht. Gerade er müsste doch wissen, dass leicht handhabbare Waffen allzu oft dort landen, wo sie nicht hingehören. Seit mindestens hundert Jahren gehört es zur Tagesordnung, dass sich Gegner mit deutschen Waffen gegenüberstehen und jeweils in die Herkunftsorte funken, wie das so mit dem Abknallen klappt. Krupp hat im 1. Weltkrieg Munition ans deutsche Heer, aber ebenso an die Gegner geliefert. Eine durchaus vergleichbare Situation, die damals wie heute einfach weggewischt wird. Profitgier hat ihre Fratze, maskiert und mit immer neuer Färbung.

Jürgen Trittin hat in einem RP-Beitrag die Regierenden beschworen, von den geplanten Rüstungsexporten abzulassen http://www.rp-online.de/politik/deutschland/juergen-trittin-bloss-keine-waffen-in-den-irak-liefern-aid-1.4467289 – ohne jedoch für den anstehenden Ernstfall eine praktikable Lösung anzubieten. Wer bitte, soll den Genozid verhindern, wenn er denn tatsächlich droht (was niemand von uns mit Sicherheit erkennen kann, denn die weitgehend gleichgeschalteten Massenmedien erlauben keinen klaren Blick auf das Geschehen)? Wie akut war die Bedrohung wirklich? Durften die Amerikaner im Irak ohne UNO-Mandat dazwischen bomben – einfach, weil sie schon mal da waren? Natürlich nicht! Kein Völkerrecht deckt diese Aktionen ab. Letztlich spiegeln sie nichts anderes als den Versuch, begangenes Unrecht in moralische Handeln zu drehen. Immerhin sind ausschließlich die Amerikaner für das Chaos im Irak verantwortlich. Sie waren es, die die Machtverhältnisse umkehrten und die Unterdrückung der Sunniten einleiteten. Maliki – der heut so Geschmähte war ihr Sachwalter – von ihnen inthronisiert, von ihnen massiv unterstützt. Die Medien geben sich spärlich, wenn es um solche Analysen geht. Doch genau dieser Umstand – die Diskriminierung der sunnitischen Minderheit – hat nicht nur maßgeblich zur Bildung des IS (Islamischer Staat), sondern auch zu dessen extremer Radikalisierung geführt. Die Völkergemeinschaft hätte bereits vor 8-10 Jahren die Minderheitenrechte für Sunniten, Jesiden und Kurden sowie eine paritätisch zusammengesetzte Regierung einfordern müssen. Statt dessen duldete man die exemplarische Bestrafung einer ganzen Volksgruppe für das, was eine kleine Saddam-Hussein-hörige Clique verbrochen hatte. Von Seiten der UNO geschah fast nichts – aus Hilflosigkeit, aus Desinteresse oder einfach, weil niemand in der Lage war, die Ergebnisse des ungerechten und mörderischen Krieges aufzufangen.

Was sagt die UNO heute zu all diesen Vorgängen? Ist sie jetzt total gelähmt, wiederum unfähig, zu reagieren. Scheut sie nach wie vor die Antworten auf Srebrenica, Ruanda und jetzt Sindschar? Überlässt Ban Ki Moon den vom Westen dominierten Sicherheitsrat sämtliche Vollmachten – auch die, still zu halten? Ich habe einmal mehr den Eindruck, dass der UNO, der Repräsentantin der Völker-Gemeinschaft, bewusst und stets erneut der Stempel der Unbeweglichkeit und Degeneration aufgedrückt wird. Befreiung daraus scheint nicht möglich. Auch, weil die schnelle Einigung auf wichtige Beschlüsse durch unsinnige Festlegungen im Regelwerk (Prinzip der Einstimmigkeit, Machtlosigkeit der Vollversammlung) behindert/verhindert wird. An Konfliktherde wie den jetzigen gehören ausschließlich UNO-Truppen und zwar solche, die sich aus Kontingenten muslimisch geprägter Länder rekrutieren. Diese Truppen muss es in jeweils spezifischer Färbung für alle Konfliktherde unseres Planeten geben. Es gibt sie nicht, weil die möglichen, sprich: zur Unterstützung fähigen Geldgeber eine solche Strategie ablehnen. Sie wünschen die UNO als Feigenblatt, möchten im Ernstfall aber alles selber regeln – und zwar nach ihren Wünschen und (wirtschaftlichen) Interessen. Ja nicht einmal der Sicherheitsrat wird aktiv.

Völlig klar: Solange es nicht zu einer grundlegenden Reform der UNO-Strukturen kommt, werden ohne Mandat Bomben geworfen, Bomben, die die US-Amerikaner in ihren Sinne platzieren. Ebenso werden durch die EU Völkerstämme aufgerüstet, von denen man nie weiß, wie sie übermorgen unterwegs sind. Zusätzlich versuchen die miteinander konkurrierenden Waffenschmieden einander die Aufträge abzujagen – in der Hoffnung, dass der eine oder andere – aus welchen Gründen auch immer – das Handtuch wirft. Am 19. August sprach die ARD von 100.000 Beschäftigten in der Rüstungsbranche. Ein Tag später waren es in der Rheinischen Post bereits 200.000. Hier wird – heftiger als an jeder anderen Front – mit zweifelhaften/falschen Fakten Stimmung gemacht für Vollbeschäftigung. Dabei müsste es, genau wie in der Atomwirtschaft, ein Umstrukturierungsprogramm  WEG VON DER WAFFENPRODUKTION   geben. Gerade Deutschland, das überall Welt-Spitzenplätze bei technischem Know-how belegt, könnte es sich leisten, auf die Wehrtechnik völlig zu verzichten. Gäbe es da nicht die böse Fratze des Militarismus und mit ihr die auferstandene Paarung von deutschem Größenwahn und Wesen, mit dem ekelhaften …

Genesen.

ÜBRIGENS: Konstantin Wecker sieht das alles sehr ähnlich

Nachtrag vom 1. September 2014: Auch im ARD-Magazin „Fakt“ werden Waffenlieferungen an die Kurden für mehr als gefährlich gehalten. Denn niemand wisse, ob Gewehre, Pistolen und panzerbrechende Waffen nicht irgendwann bei der PKK landeten. Deren Kampfverbände seien von denen der Peschmerga nicht mehr zu unterscheiden. Gut möglich, dass der PKK Waffen überlassen würden, weil sie ganz entscheidend an der Zurückschlagung der Verbände des Islamischen Staates (IS) beteiligt waren http://www.mdr.de/fakt/fakt_waffenlieferung_kurden_irak100.html

Nachtrag vom 6. September 2014: Inzwischen ist klar, dass deutsche Waffen gerade an die Kurden-Gruppierung (Peschmerga) verschickt werden, die die Jesiden beim Kampf gegen den IS im Stich gelassen hatten. Recherchen ergaben, dass PKK-Aktivisten und in Syrien agierende Kurden-Milizen (YPG) den Jesiden einen Schutzkorridor frei gekämpft hatte ( dazu die Quelle 1 und Quelle 2). Die Verteidiger werden folglich ohne militärische Unterstützung bleiben, zumal vor allem die PKK in Deutschland als Terror-Organisation geführt wird. Die Vertreter der autonomen Region Kurdistan erhalten die Waffen nur aus einem Grund: Sie sollen den Einfluss der Muslime im Irak dauerhaft zurückdrängen/Suniten und Schiiten schwächen und als Puffer dienen (Puffer).

Vorurteile zurecht gerückt der missbrauchte Islam

24. September 2014: Nahostexperte Dr. Michael Lüders erklärt die komplizierte Situation im Nahen Osten auf WDR 5

 

Mensch … Weltmeister!

Ja, nun ist es überstanden, sagen die einen. Jetzt sind wir Weltmeister, sagen die anderen. Ganz richtig, diesmal sind wir nicht Papst, wir sind Weltmeister. Ich hab das alles minutiös verfolgt – fast alle Spiele gesehen und die nicht enden wollenden Kommentare über mich ergehen lassen. Die deutschen Profis sind – mit viel Können und etwas Glück – in den Besitz der großen Trophäe gelangt. Mercedes und Coca-Cola haben märchenhafte Gewinne eingestrichen, Helene Fischer hat ihre Karriere um eine Potenz gesteigert, und alles dröhnte nur: Tage wie diese …
Keine Frage, der Profi-Fußball bindet weltweit mehr Menschen aneinander als jede andere Sportart in jeder anderen Konstruktion. Das hat nicht nur mit dem Spiel an sich, das hat mit Identifikation, dem Wunsch nach Gemeinsamkeit, aber auch mit Nationalismus und Frustabbau zu tun. Die Menschen können für Tage und Wochen aus ihrer oft mühseligen Welt entkommen und erleben gemeinschaftlich, was ein Team gemeinschaftlich zustande bringt. Jeder von uns möchte dann glauben, dass alles so war wie verkündet und es in diesem Sinne … auch weiter geht. Dass die Arbeitswoche nach der Fanmeile ähnlich locker vom Hocker kommt wie die Urlaubswoche, die man gefesselt, lachend und saufend vor der Glotze verbracht hat.
Wo es an politischen Schwergewichten, wo es an Kreativität und Gestaltungswillen mangelt, sucht das Volk neue Helden. Sie heißen Schweinsteiger, Lahm, Müller, Götze & Co., und sie ruhen ab heute dicht neben den Göttern. Dass ihnen das nicht zukommt, begreifen sie vielleicht. Doch wie schon sollten sie gegen ein System aufbegehren, dass sie so drapiert. Da sind die Veranstalter, da ist das austragende Land, da sind die Fans, die nur eines verlangen: den Sieg. Gelingt der, dann glaubt auch der Spieler, die Krone zu Recht zu tragen, dann ist er korrumpiert, eingelullt vom Establishment, dass ihn gesucht, gepeppelt und gemeinsam mit seinen Mitspielern ausgequetscht hat. Nun nach quälerischer Ausbeutung sieht das nicht aus, den jeder von den Jungmillionären wird in Kürze mehr Kohle einheimsen als ein Hartz IVer während seines Arbeitslebens. Keine Frage: Wenn gesiegt wird, ist jeder Akteur bestens zufrieden gestellt. Nur Mercedes, Cola, FIFA & Co. (ekelhaft die überbordende Werbung!) verdienen immer. Sie haben auch diesmal ihr Monopol durchgesetzt. Der Ehrgeiz der Spieleausrichter hat das möglich gemacht. Keine Ahnung, warum sich Präsidentin Dilma Rousseff diesen Bleifuß angetan hat. Vor der WM gab es berechtigte/geharnischte Proteste wegen der z. T. unsinnigen Geldausgaben. Jetzt dürfte sich das brutal fortsetzen – befördert durch die beschämende Niederlage der eigenen Kicker. Wieder wird es um viel Geld gehen – wieder wird es für die blanke Existenzsicherung, für Gesundheit und Bildung an allen Ecken fehlen. Südafrika war bereits ein finanzielles Fiasko, Rio wird das gleiche Schicksal erleiden. Wer den FIFA-Vertrag unterschreibt, wer es zulässt, dass FIFA-Gefolgsleute die Betreiber einheimischer Würstchen- und Getränkebuden aus dem Stadienumfeld verjagen, der muss hinnehmen, dass sich Wut aufbaut. Aber auch, dass die Kassen klamm bleiben. Keine Ahnung wie Rousseff einspielen will, was die öffentliche Hand mehr emotional als vernunftgesteuert verausgabt hat. Eines der Stadien wird nun wohl den Rinderzüchtern überlassen. Die anderen dürften (rinderlos) um ihre Auslastung bangen. Das alles geht uns nichts an, das alles ist deren Sache, tönt so mancher Befragte, und zweifellos hat er Recht. Denn uns Deutsche droht weder ein finanzielles, noch ein emotionales Desaster. Unsere Geldrückflüsse scheinen auf allen Ebenen gesichert. Wir profitieren von der Gesamtlaune, der DFB kann sich seiner Sponsoren, jeder Fußballstar der Fortführung/Aufstockung seines Werbevertrages sicher sein. Und selbst der Straßenkehrer kann noch tagelang verträumt auf seine Devotionalien glotzen.
Kein Zweifel: Sicher ist Fußball in erster Linie eine Geldmaschine, dann aber – bereits an zweiter Stelle – ein Ort/ein Quell großer Gefühle. Da wird freigesetzt, was monatelang verhakt vor sich hindrückte, da wird gestöhnt, gelacht und getobt bis das Adrenalin ausbleibt. Das ist Karnevall in Rund, das ist mehr als Otto Normal so verkraften kann.
Mein Freund Jürgen und diejenigen, die 35-Millionen-Endspiel-Einschaltquote so mir nichts dir nichts ignorieren, sehen das zweifellos anders. Sie fliehen, ja verachten die Verrücktheit des Spektakels, zeigen den Mitmachern/Mitläufern (natürlich nur virtuell) den Vogel und klagen, dass zu viele deutsche fahnen, zu viele mit dem verdammten Adler und überhaupt zu viel Scheißzeug mit schwarz-rot-gold besudelt wurde. Leuten, die neben mir aufsprangen und im Entree die Nationalhymne mitsangen, hätten sie vermutlich das Fell abgezogen, wenn sie es denn zu einer Art Mut, zu dieser personellen Mehrheit gebracht hätten, die sie so verachten. Klar: Gäbe es keine Nationalstaaten, hätten wir weniger Probleme. Wir müssten nicht brustgeschwellt herumtoben, hätten keine Nationalhymne und müssten nicht stolz auf Deutschland sein. Da die Leute in anderen Ländern aber nicht anders gestrickt sind, bleibt den meisten von uns (zumindest vorerst) keine andere Wahl – vor allem, wenn gesiegt wurde.
Der verdammte Zirkus wird noch lange nachschwingen. Er hat – das kann auch der ärgste Zweifler nicht in Abrede stellen – Menschen aller Bevölkerungsgruppen aufs Tiefste vereinnahmt, er hat Freude bereitet, endlos genervt und primitive Instinkte gefördert. Jawohl: Dieser Zirkus war ein emotionaler Hammer, er war Programm, Märchenstunde, das SPIELE von Brot & Spiele. Merkel und Gauck haben daran gesogen, sich in Mannschaftskabinen intim aufgedrängt, weil das COOL oder SUPERGEIL sein musste. Sie haben Sympathien gesammelt – und das ist das eigentlich Verheerende – ihre POLITISCHE Reputation aufgemöbelt. Denn wer Fußball mag, muss ein guter Mensch sein.
Die Welt ist voller Irrtümer. Fußball als gut gespieltes Spiel gehört nicht dazu. Auch ich habe mich nicht geirrt, auch ich habe die guten Spiele genossen – so wie man Dinge auslebt, die schön, interessant und geschickt einem Ziel zulaufen. Und ich habe die düsteren Hintergründe verdrängt – so wie das vermutlich alle taten, die dem Spielrausch verfielen. Es ist schön, dass es Fußball gibt, es ist schön, dass sich so viele Menschen an ihm erfreuen können. Und es ist ganz sicher, dass dieses Gesamtspektakel nur in dieser, der bestehenden Welt des gnadenlosen Wettbewerbs so möglich ist. Auch hier gilt die totale Kampfbereitschaft (nur wer topfit und nervenstark ist, hat eine Chance), das leistungsbezogene Honorar und der Markt, gelten Angebot und Nachfrage. Sie sind es, die dem Spiel die verderblichen Blüten verpassen – ohne die es aber das von vielen so geliebte Theater … nie geben würde.
Der Bürger will seine Fanmeile – und er sollte sie m. E. auch haben. Wenn es so ist, wie die Rheinische Post schrieb, dass viele, vor allem schwache Menschen ihr eigenes Schicksal mit dem der Nationalmannschaft verbinden, wenn viele dieses totale Abtauchen sehnlichst herbeiwünschen, um irgendwann glücklicher wieder aufzutauchen, dann sei ihnen der Sieg der deutschen Gladiatoren von Herzen gegönnt. Zuletzt – am Brandenburger Tor – waren alle ganz atemlos. Sie saßen, knieten und standen, und Millionen Handy ragten der Bühne entgegen. Manche hatten hier seit acht und mehr Stunden ausgeharrt. Wo sie abblieben, sich schließlich verpissten (sie waren wohl alle dehydriert oder gepampert) weiß jetzt kein Mensch mehr. Äußerst übel, dass die Organisatoren dieses blöde „So geh’n die Gauchos (brasilianisch gebückte Haltung), so geh’n die Deutschen“ (stramme aufrechte Haltung) durchließen und dass sich Leute aus der deutschen Mannschaft für dieses postkolonialen Machwerk hergaben. Hier und eigentlich nur hier … ist der sofortige Rausschmiss angesagt!
Helene Fischer aber dürfte das ganze Gegenteil beschieden sein. Sie wurde perfekt in den Trubel eingepasst, verschmolz und siegte gleichfalls. Leider singt sie nur Schlager, leider sang sie auch diesmal nur Schlager. Doch für all diejenigen, die damit glücklich sind, die damit leben wollen, war sie am „Laufsteg“ die Größte: Atemlos und … Wahnsinn.

Horror? Ja … danke !

Es ist alles eine Frage der Zeit. Menschheit und Erde werden untergehen. Das aber sollte unser Leben nur insofern beeinflussen, als dass wir unser und der Welt vorläufiges Weiterbestehen im Sinne von bedingungsloser Nachhaltigkeit unterstützen.

Gemeinhin heißt es es: Je öfter und horribler bevorstehende Katastrophen beschworen werden, desto weniger nimmt man sie Ernst, wenn sie wirklich vor der Tür stehen. Praktisch gelebt wird dieser erste Teil fast täglich. Denken wir nur an den Treibhauseffekt, drohende Pandemien oder ausgehende Rohstoffe. In steter Folge blasen die Medien Themen wie diese zu Monstern auf – mit dem Ergebnis, dass der realistische Kern daraus glatt übersehen wird.

Was bleibt sind die Allerweltsbemerkungen: Wir können ohnehin nix tun, Et kütt wie et kütt, Et hätt noch emmer joot jejange (jeweils resignativ-rheinisch) oder nach uns die Sintflut. Und ebenso wie den meisten der Schnee von gestern am Allerwertesten vorbeigeht, sind ihnen Zukunftsszenarien geradezu “Wurscht”.

Wen schon interessiert es, dass der Mensch nur eine Zeit lang auf unserem Planeten existieren wird, wer schon will hören, dass unsere Erde von Supervulkanen oder Meteoriten bedroht ist, geschweige denn, dass unser Planet eines Tages in die Sonne fliegt.

Fast jeder von uns ist auf den kommenden Tag fixiert, dem wir neben der üblichen Unwägbarkeiten nichts wirklich Schlechtes zutrauen. Dabei könnte es schon 2100 mit uns vorbei sein. Dann nämlich, wenn mehr als 10 Milliarden Menschen geworden sind, die Klimakatastrophe zugelassen, die Böden kontaminiert und wichtige Ressourcen verbraucht oder vernichtet haben.

In den sogenannten Wildcards werden auch Katastrophen berücksichtigt, die kurzfristig eher nicht eintreten. Aber dennoch echte Bedrohungen darstellen. Wissenschaftler haben das in der interessanten Dokumentation “Das Ende der Menschheit” dargestellt http://programm.ard.de/?sendung=2872415322842153 und https://www.youtube.com/watch?v=bRBgis8Luso  und dabei sogar ein Ranking ermittelt:

Platz 10 (geringste Bedrohung): die Erde wird anlässlich eines “Sternentods” durch einen Gammablitz zerstört

Platz 9: Die Erde wird von einem Kometen oder Asterioden mit einem Durchmesser von mehr als 10 km getroffen

Platz 8: Die Erde wird durch den Ausbruch eines Supervulkans (z.B. unter dem Yellowstone-Park) zerstört

Platz 7: Die Menschheit wird durch außerirdische Lebewesen ausgerottet

Platz 6: Die Menschheit wird durch einen tödlichen Super-Virus ausgelöscht (Pandemie)*

Platz 5: Die Menschheit kommt durch unbeherrschte physikalische Experimente um (Waffenversuche, Experimente im CERN)

Platz 4: die Menschheit wird durch eine Klimakatastrophe größtenteils oder völlig vernichtet

Platz 3: Die Menschheit kommt durch uns heute noch unbekannte Waffen um (Doomsday War)

Platz 2: Wir erliegen der Bedrohung durch superintelligente Maschinen (künstliche Intelligenz)

Platz 1 (vorerst größte Bedrohung): Die Menschheit kommt um, weil künstlich geschaffene, todbringende Organismen aus Laboren freigesetzt werden.

In einer neuen, in London veröffentlichten Studie der NASA wird von nur fünf KatastrophenSzenarien gesprochen. Aufgeführt sind: das Bevölkerungswachstum, der Klimawandel, die Probleme bei der Welt-Wasserversorgung, die (desaströse) Entwicklung der Welt-Landwirtschaft sowie Probleme beim Energieverbrauch. Für ihre Untersuchungen haben Experten um Safa Motesharrei (Uni Maryland) nach eigenen Aussagen ein etwa 100 Jahre altes Räuber-Beute-Modell benutzt. Diesem Rechenansatz zufolge führten die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen und die ungleiche Verteilung des Reichtums zum totalen Kollaps der Zivilisation. Dieses Ende sei kaum noch abwendbar. Wann es eintrete, bliebe vorerst aber unbestimmt https://www.freitag.de/autoren/seriousguy47/prophezeit-nasa-studie-den-weltuntergang.

“Mal wieder Weltuntergang” titelte Ende 2011 DER SPIEGEL, wobei Journalist Alexander Neubacher m.E. kräftig daneben schlug http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-81302990.html Denn die im Beitrag bewegte Häme über Denis Meadows und die vom Club of Rome seit Anfang der 70er Jahre ausgesprochenen Warnungen vor ungezügeltem Wirtschaften trug nicht zur Aufklärung bei. “Die Grenzen des Wachstums” als Schauergeschichte abzutun, und die Universal-Lösung aller Probleme in mehr menschlicher Kreativität und Technikgläubigkeit zu vermuten, ist mehr als dürftig. Dass Meadows die Bedrohungen menschlichen Lebens vor 40 Jahren quantitativ anders (horrender) bewertete als heute, sagt nichts über die Substanz an sich. In seinem 30-Jahre-update hat der Autor die notwendigen, aus neueren Erkenntnissen resultierenden Anpassungen durchgeführt – ohne einstige Warnungen in Frage zu stellen http://www.langelieder.de/lit-gdw06.html. Aber dieses Werk war dem SPIEGEL-Autor offenbar nicht bekannt.

Fazit: Menschen und Erde werden untergehen. Das aber soll uns weder zum Anarchismus, noch zu permanenter Wehmut oder einer Nun-erst-Recht-Starrköpfigkeit verleiten. Vielmehr sind wir aufgerufen, die naheliegenden, allseits bekannten Maßnahmen zu unterstützen, sprich: überall dort mitzumischen, wo wir etwas im Sinne der Nachhaltigkeit beeinflussen können.

 

*bereits heute stellen Bakterien vom Typ des Acinebacter baumannii, aber auch resistente Keime, die bei der Massentierhaltung entstehen, eine ernsthafte Bedrohung dar – der man mit den zur Verfügung stehenden Reserve-Antibiotika kaum mehr beikommen kann http://www.rp-online.de/leben/gesundheit/gemeingefaehrlicher-keim-aid-1.7371472 und http://www.rp-online.de/panorama/deutschland/antibiotika-resistente-keime-in-seen-und-fluessen-gefunden-aid-1.7372504.

Enthemmte PlastiNation

„Ein widerlicher Scheiß“, schimpft mein Nachbar und meint Gunther von Hagens’ unglaubliche Herzenssache. Noch immer zieht der Grenzgänger durch die deutschen Lande, sucht neue Opfer, die sich ihm und seiner fragwürdigen Kunst ausliefern. Und nach wie vor gehen ihm die Leute auf den Leim, Leute, die auf Aktionismus, auf billige Effekthascherei aus sind. Mir verschlägt das zuweilen den Atem.

Münster schaltet da einen Gang zurück. Nein, tot und obszön ist das nicht, was dort im neu eröffneten LWL Münster gezeigt werden soll. Aber so richtig lebendig auch nicht. Es geht um Kunstwerke, genauer gesagt ums nackte Leben, etwas, das von FFK-Stränden, Straßen, Plätzen und aus Theatern auf die Leinwände genötigt wurde. Motive, die wirkliche Notstände präsentieren, scheinen ausgespart.

Wenn man gar nicht mehr weiß, wie man Aufmerksamkeit erregen soll, geht man entweder ins Halsbrecherische, Pornographische, Fäkale oder Zotige. Letzteres geschieht gerade in Düsseldorf, leider im Verbund mit Sven André Dreyer, dem sonst so geschätzten Literaten. Lies Du Sau! fordert er in seinem neuen Projekt und spricht dabei Autoren an. Und tatsächlich fand sich am 6. Februar das erste Schwein. Ob es das BIBaBuZe begrunzte oder einfach nur vollpisste, ist unbekannt …

Fleischfresser beherrscht euch!

Die über Jahrhunderte währende Forderung der armen Bevölkerung nach einem ordentlichen Stück Schwein oder Rind im Mittagessen ist heute in eine maßlose Fleischfresserei ausgeartet. Der Ruf nach noch MEHR und BILLIG hat uns die abscheuliche, Antibiotika begleitete Massentierhaltung beschert http://www.peta.de/peta-ersucht-unterstuetzung-des-zentralrats-der-juden-zur-kampagne-holocaust-auf#.VfW2X5dKAtE . Gäbe es doch hier zu Lande einen für den Fleischverzehr zuständigen Diktator. Ich würde ihn anflehen, die wöchentlichen Fleischmalzeiten auf 300 Gramm pro Bürger zu beschränken, wobei der spezifische Preis durchaus auf ein vergleichbares Maß (zum heutigen Aufwand) steigen dürfte. Wir könnten Schweinen und Rindern ihren über Jahrhunderte zugestandenen freien Auslauf zurück geben und selber gesünder leben.

 

Bereits am 15. Mai 2013 hieß es:

Unter dem Titel „Schweinehalter: Tierschutz ruiniert uns“ hat die Rheinische Post eine Diskussion wieder belebt, die seit langem geführt wird http://www.rp-online.de/regionales/regionale-nachrichten/tierschutz-ruiniert-uns-1.3394939– wenn auch nicht in dem Tenor, den die RP bevorzugt. Es kann nicht darum gehen, einen Kompromiss zwischen Schweinequälerei und sogenannter „Bio-Haltung“ zu befördern. Vielmehr müssen alle Kräfte mobilisiert werden, die Boxenhaltung von Schweinen zu verbieten. Es ist ein Unding, dass diese Tiere auf derart engem Raum leben müssen. Derzeit sind es bei konventioneller Masthaltung nur 0,75 m2 bei 50-110 kg Lebendgewicht, was bei Erreichen der oberen Gewichtsgrenze nahezu Null Zwischenraum rund ums Schwein bedeutet. Schon der Gedanke, das Tier nahezu bewegungslos für die menschliche Fressgier aufwachsen zu lassen, ist perfide. Und um es deutlich zu sagen: Mich interessieren protestierende deutsche Viehhalter so gut wie gar nicht! Die sollten dafür sorgen, dass ihre Tiere artgerecht aufwachsen und dazu beitragen, dass die Fresswut und der unbedingte Drang nach billigem Fleisch nachlässt – und nicht neue Wege suchen, noch billiger (und natürlich auch schlechter) zu produzieren. Auch das Bestreben, die ausländische Konkurrenz das Fürchten zu lehren, ist mit Blick auf EU-Länder, die mangels Industrie sehr viel dringender auf Erträge aus der Tierhaltung angewiesen sind, nicht nur unsolidarisch, sondern völlig unnötig. Unter dem Strich geht es darum, die Schweinezucht auf ein normales, tiergerechtes Maß zurückzufahren. Ginge es nach mir, würde ich sie völlig aufgeben und den Bauern eine Alternative anbieten. Jeder weiß inzwischen, dass insbesondere Schweinefleisch der menschlichen Gesundheit eher abträglich ist. Ja, dass der Fleischkonsum mit Blick auf die Gesundheit auf maximal 2-3 Mahlzeiten pro Woche eingeschränkt werden sollte. Obwohl inzwischen viele Menschen diesem Trend folgen, setzen die Regierenden (im Verbund mit der Agrarlobby) alles daran, die Billigfleisch-Offensive weiter voranzutreiben. Das hat vor allem damit zu tun, dass auch prekär Beschäftigten (Leuten in Werkverträgen, Leiharbeitern und anderen Billig-Jobbern) und Hartz-IVern ein stabiler Zugang zu Fleisch eröffnet bzw. erhalten werden soll. Schon Jahrhunderte lang ist vor allem von armen Menschen das Fleisch in der Mahlzeit als Zeichen von Wohlstandes verstanden worden – nicht zu Unrecht, wie man weiß. Heute, da das Elend vergangener Zeiten fast überall überwunden ist, existiert das alte Empfinden weiterhin. Und man folgt ihm. Es gibt die stabile Nachfrage, und der Markt stellt sich darauf ein. Das alles scheint zunächst natürlich – ist es aber nicht. Denn es gibt eine politische/handelspolitische Komponente, die zunehmend an Bedeutung gewinnt. Deutschland ist im Zeichen der Globalisierung einem immer heftiger werdenden Wettbewerb ausgesetzt, den es selbst mit aller Energie anheizt. Schröder hat darauf mit der Einführung der Agenda 2010 reagiert, den verständlichen Applaus des politischen Gegners eingeheimst und eine Explosion bei Dumpinglöhnen und Billigarbeit ausgelöst. Das wiederum ermöglichte eine Reduzierung der Lohnstückkosten und damit wachsende Exportchancen.
Wer Niedriglöhne zum Konzept für mehr Wettbewerbsfähigkeit erklärt, muss Geringverdienern Billigpreise für den Grundbedarf anbieten – will er denn Konflikte mit den minderbemittelten Schichten des Volkes vermeiden. Hier nun schließt sich der Kreis. Nur wenn die Abwärtsspirale bei einfachen Lebensmitteln funktioniert, funktioniert auch die Abwärtsspirale bei den Löhnen. Beides ist mehr als kontraproduktiv – sowohl, was das notwendige Aufrücken schwacher EU-Partner als auch was die Schweine in Boxen, Kühe im permaneten Schwangerschaftsexzess, Hühner im gegenseitigen Verbiss und von Gentechnik bedrohten Getreide und Gemüse betrifft (man verzeihe mir die zu große Nähe der Begrifflichkeiten). Unsere Regierung schadet den europäischen Partnern mit den hohen deutschen Exportüberschüssen, sie zwängt Schweinezüchter, Milchbauern etc. in eine Existenz bedrohende, dekadente Wirtschaftsweise und glaubt in fataler Ignoranz/Dummheit, dass die Strategie von immer billigerer Arbeit …. im Wettbewerb mit Billiglohnländern wie China, Indien, Malaysia, Bangladesh etc. langfristig aufgeht. Eben das aber wird nicht geschehen. Europa wird bei Aufrechterhaltung der WTO-Regeln und des Freihandels immer tiefer in einen Sog gezogen, zumal auch viele mittelständische Betriebe durch konkurrierende Billigprodukte aus den o.a. Ländern ruiniert, sprich: Arbeitsplätze vernichtet werden. Wirksam gegensteuern ließe sich nur, wenn man den schrankenlosen Vergleich von Kosten, Preisen und Produkten – und damit auch das Lohndumping aufgäbe. Europa müsste zu einer neuen regional orientierten Wirtschafts- und Handelspolitik, einer neuen Arbeitsmarktpolitik sowie zu ethisch vertretbaren Normen für den Tierschutz und zu deutlichen Vorgaben für ein besseres Gesundheitsbewusstsein finden. Was wir langfristig bräuchten, wäre ein im Wesentlichen unabhängiges und eigenständiges Bündnis. Dessen Länder müssten sich darauf besinnen, den Binnenhandel auf seine bisherige Größe (wenn möglich sogar über 90%) zurückzuführen. Darüber hinaus sollten für ausländische Erzeugnisse, denen modernste europäische gegenüberstehen, Zölle erhoben, Kapitalverkehrskontrollen eingeführt und eine fairere innereuropäische Arbeitsteilung organisiert werden („Splendit Isolation“) – wie es auch Buchautor Gero Jenner in vielen seiner Publikationen fordert http://www.gerojenner.com/portal/gerojenner.com/Startseite.html. Nicht nur den Menschen, auch allen Tieren in der Union würde das gut tun.