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Olympia mit Licht und Schatten

Olympia – schön und gut. Ich habe auch stundenlang vor der Glotze gesessen und in Teilen mitgefiebert (Fußball, Beach-Volleyball, Handball etc.). Aber die Sache hat – wie jede andere – zwei Gesichter. Auch ein übles. So wurde sie benutzt, um eine unsägliche Hetzkampagne – weniger gegen das Doping selbst – als vielmehr gegen  Russland loszutreten. Wo doch jeder weiß, dass in anderen Ländern ebenfalls – nur eben raffinierter – gedopt wird. Mit Mittelchen, die erst  Jahre später als verboten erkannt werden (s. Armstrong).

 

Olympia steht für Sportarten, die m. E. verboten werden müssten, weil sie eine hohe Verletzungsgefahr implizieren, und es steht auch für wahnsinnige Kraftanstrengungen bei Verletzten, die es dennoch schaffen wollen. Niemand fragt, wie es bei den Beteiligten morgen oder in zwanzig Jahren steht. Künstliche Knie und Hüften, permanenter Rückenschmerz, Herz-Kreislauf-Probleme sind massenhaft angesagt – man denke nur an Boris Becker, dem kurz nach den Siegen zwei künstliche Hüften verpasst wurden.

 

Olympia soll das Beieinander, das gegenseitige Kennenlernen der Menschen befördern, schafft aber allzu oft Gräben – aus blödem Nationalismus heraus. Brasilianische Pfeifkonzerte für den jeweiligen Gegner – Experten wollten das mit der heimischen Fußballtradition begründen –  standen und stehen für grobe Unsportlichkeit und wirkten mehr als kontraproduktiv.

 

In einem Punkt haben die Brasilianer allerdings vorbildlich gehandelt – sie haben die Kosten für das Spektakel begrenzt. Ob wegen der misslichen volkswirtschaftliche  Lage oder ganz allgemein aus Vernunftsgründen, sei dahin gestellt. Japan, dessen Premier Abe die olympische Flagge übernahm, will den aufwendigen Irrsinn bei Eröffnung und Schlussveranstaltung fortsetzen – und verspricht zudem Unversprechbares: kein Doping, das Ausbleiben jeglicher Korruption, wenig Strahlung aus Fukushima und Sauberkeit auf allen Klosetts. Japan werde alles dafür tun, dass Sportler und Zuschauer „die besten Olympischen Spiele aller Zeiten“ erleben. Dieses Selbstdarstellungsgehabe der wirtschaftlich starken Länder hat etwas Perfides. Es repräsentiert nicht nur eine gnadenlose Ressoursenverschwendung  – das Geld könnte an anderer Stelle sehr viel sinnvoller eingesetzt werden – sondern auch die Düpierung derer, die sich solche Spiele nie leisten können. Wer Arges dabei denkt, könnte unterstellen, dass Japan den Makel Fukushima – oder besser gesagt: die Energie-Politik der lernresistenten Kaste in Japan übertünchen will.

Die Russlandverächter mags kränken: Russlands Sportler waren trotz Ausdünnung erfolgreicher als deutsche Sportler. Doch da stehen noch die B-Proben aus, die – so es denn der dumme Putin so will – wieder positiv ausfallen.

Ausgerechnet ZDF-Chefredakteur Peter Frey findet zum abgelaufenen Großereignis  die richtigen Worte die richtigen Worte

 

Prost auf die allgemeine VerFußballhornung!

Der neuerlich brandende Fußballwahn macht  deutlich, wie vereinnahmt die Menschen sind. Natürlich ist es opportun, sich an einem guten Fußballspiel zu erfreuen, zumal dann, wenn es nicht vorrangig um Millionen, sondern um attraktive Spielzüge geht. Davon aber ist die Fußballwelt oft entfernt. Nicht nur, dass sie in Gestalt der Fifa ein durch und durch korruptes System am Leben erhält. Sie ist und bleibt in erster Linie das große Business. Fußballvereine werden wie Unternehmen geführt. Da geht es nicht mehr um die Forderung des heimischen Nachwuchses, sondern nur noch um Tore – um Tore um jeden Preis. Die aber erzielt man mit TOP-Spielern, die man weltweit einkauft – so man denn die Moneten dafür hat. Die sind bei deutschen  Vereinen in der Regel vorhanden – wenn auch mit unterschiedlicher Verteilung. Vereine in armen Ländern sind hingegen ebenfalls arm – und damit jeder Chance beraubt, irgendwo oben „mitzumachen“. Und so zeigt sich Fußball als elitäres Gehabe der reichen Nationen, deren Vereine sich gegenseitig die Spieler abkaufen. Auch in Deutschland treibt das groteske Blüten. Wenn der erste in der Bundesliga, dem zweiten ständig Spieler abwirbt – was zwischen Bayern und Dortmund immer wieder der Fall ist – dann wird der Erste immer erster bleiben, während der zweite vielleicht noch Dritter, möglicherweise aber auch nur Vorletzter wird. Wer mag das in Ruhe mit ansehen?

Jetzt wird dem Irrsinn noch eine weitere Krone aufgesetzt. Rund 4,6 Milliarden Euro wird die Deutsche Fußball-Liga (DFL) für die Medienrechte ab der Saison 2017/18 einstreichen http://www.tagesschau.de/wirtschaft/dfl-medienrechte-101.html. Das heißt für die Vereine ein Plus von 85 Prozent – und noch mehr Kohle für Spielerkäufe. Wer das als Quelle für mehr Qualität im deutschen Fußball betrachtet, hat völlig Recht. So er denn  den aus dem Ruder laufenden Zirkus einfach ausblendet.

Ich warne einfach mal: Wenn die Fans eines Tages bei keinem Spieler ihres Vereins einen Einheimischen entdecken, werden sie vielleicht aufwachen. Und sich die Frage stellen, ob sie selbst noch Einheimische sind.

Dass die Rheinische Post schon weit vor Beginn  der Europameisterschaft fast 50% ihrer Seiten mit Fußball zudröhnt, zeigt, wie prächtig es mit dem Kleingeist in unserem Lande bestellt ist. Fußball wird zum Nebengott der Autoindustrie – und der Leser zum Arena-Narren degradiert, während andere Sportarten ein z. T. kümmerliches Dasein fristen.

Ich wünschte mir, dass die Menschen erkennen, welchem Betrug sie ausgesetzt sind – dass sie sich von Spielen betören lassen, deren Ausgang feststeht, selbst wenn das im Einzelfall nicht zutrifft.

Ich werde mir einige Spiele der EM auch ansehen, weil die Spielzüge der RasenMillionäre durchaus beeindrucken können* – dabei aber im Hinterkopf haben, was ich schon zur Fußball-WM in Brasilien formuliert hatte: Was die Marktwirtschaft an dieser Stelle hergibt, ist teuflisch. Hätten wir einen  Bruchteil des Geldes für gemeinnützige Zwecke zur Verfügung – würde also der Staat die Machenschaften des Fußballs sehr viel stärker besteuern als das heute geschieht, dann wären wir ein großes Stück weiter.

Natürlich muss auch „der Freitag“ auf der Fußballwelle mitschwimmen. Ein fauler Kompromiss, und die Überschrift zum Beitrag will so gar nicht zu dem üppigen Kommentar passen https://www.freitag.de/autoren/dominik-bardow/unnuetzes-fussballwissen.

Nachtragvom 15. Juni 2016: Jetzt ist der Streit darüber entbrannt, ob es Sinn mache, zur EM die deutsche Flagge zu zeigen. Ich meine, mit den teutschne Farben irgendwo am Körper ist es mehr als genug. Das aber lehnt eine Mehrheit der Deutschen offenbar ab – so jedenfalls die Rheinische Post. Die meisten wollen also zeigen. Nun wir haben die Fahnen in den Stadien. Daran werden Unwillenbekundungen nichts ändern. Wenn es allerdings solche mit Bundesgeier oder vielleicht sogar die Reichskriegsflagge sind, sollten sich die Fans schnellstens distanzieren. Dieser sch… Nationalismus kann und muss uns gestohlen bleiben.

*das wurde mir im Chat natürlich verübelt

Fußball: Du sollst keine anderen Götter haben neben mir!

Fußball_17_10_15Ganz klar: Der allgemeine Fußball-Irrsinn, ein Geschäft wie alles im Turbo-KAP, verdrängt allmählich andere Sportarten – bei denen es weniger um Geld geht oder bei denen die Akteure weniger Geldclever sind. Und der TV-Fußball dröhnt selbst die Feiertage zu – Martin Beils hat da völlig Recht http://www.rp-online.de/sport/fussball/bundesliga/liebe-bundesliga-lass-andere-sportarten-leben-aid-1.5715358

 
Können Sie sich/könnt ihr euch noch an die WM erinnern? http://www.stoerfall-zukunft.de/?p=155