Was heißt hier TREUHAND?

Keine Frage: Dass die Arbeit der Treuhandanstalt vor allem dazu diente, die DDR-Substanz zu zerstören oder aber für westliche Käufer attraktiv aufzubereiten, ist weitgehend bekannt. Wenngleich dieser Vorgang von den Regierenden auch heute noch als „altruistische Handlung“, als zwangsläufige, ja letztmögliche Rettung der ostdeutschen Existenz verfälscht wird. Das ist Geschichte und leidige Wirklichkeit. Solch Rettung hat in den Neuen Ländern als böser Witz gegolten. Heute mündet sie in der massiven Unterstützung der AfD.

Die vor kurzem gezeigte Dokumentation „Der große Preis – die Treuhand und der Osten“ https://www.youtube.com/watch?v=XyxtyN0Z4HI macht einmal mehr die Mechanismen des Einverleibungsprozesses deutlich. Eines Prozesses, für den Thilo Sarrazin Fahrplan und Handlungsanweisungen konzipiert hat. Sarrazin, den wir vor allem über „Deutschland schafft sich ab“ kennen – bezeichnender Weise ein Mann aus der rechten SPD-Ecke (ich hasse diese verkappten CSU-BlauPäuslinge!) – hat also schon 1990 sein Unwesen getrieben. Ein Unwesen, dass seine rassistischen Gedanken wie kleine Versprecher erscheinen ließ und lässt. Dieser top-vernetzte Mann hat sich nicht etwa für die alte SPD-Klientel, die Arbeiterschaft (auch die ostdeutsche!) ins Zeug gelegt. Nein: Er hat den BRD-Wirtschaftseliten die Tools geliefert, die eine schnelle Vereinnahmung und Machterweiterung ermöglichten. Der „überlegene Kapitalismus“ sollte siegen!

Da waren fähige ostdeutsche Führungskräfte, die ihre z. T. modernen und leistungsfähigen Betriebe in die neue Zeit retten wollten, da waren vor allem Mitglieder der Treuhand-Führung – man hatte sie aus gespielter Fairness heraus zunächst akzeptieren müssen – sehr schnell lästig.  Sie deshalb baldmöglichst auszuklinken, war schnell angesagt.   Da bedurfte es keiner Diskussion, schon gar keiner  um sozialistische Sonderwege oder Konförderationen, da wurde einfach  geschossen. Und zwar mit  WestGeld.

Und so wie Thilo Sarrazin genau wusste, was die Einführung der DM in Ostdeutschland anrichten würde (nämlich die Vernichtung der Wirtschaft), so genau wusste ein Helmut Kohl, dass er mit eben dieser Maßnahme den einfachen geld- und reisegeilen Ossi über den Tisch ziehen konnte. Der Geldumtausch, der harte Kohle brachte, zerstörte zeitgleich die ostdeutschen Betriebe und mit ihnen die Existenz der kaufwütigen und umherreisenden Bürgerlein.

Prof. Dr. Karl Döring schildert im Beitrag, wie er das große Stahl- und Walzwerk EKO in Eisenhüttenstadt, eine moderne Produktionsstätte der DDR, vor den mächtigen Auslöschern bewahren konnte. Eine Heldentat – angesichts der Machtverhältnisse im Land. Gut – er hatte Rohwedder und Kohls Angst an der Seite, dass die totale Beseitigung der DDR-Industrie eine Revolution auslösen könnte. Doch das änderte sich, als nach Rohwedders Ermordung die Breuel das Ruder übernahm und Kohl soviel Tritt fasste, dass ihn „ostdeutsches Gezeter“ nicht mehr stören musste.  Auch in dieser Situation blieb Döring am Ball und trug dazu bei, dass zumindest der wesentliche Kern des EKO erhalten blieb. In einer Treuhandanstalt, der zum Schluss ausschließlich BRD-Leute vorstanden, wurde der Kehraus an andere Stelle brutal zu Ende geführt. Wobei moderne Substanz (die gab es allen westlichen FakeNews zum Trotz in erheblichem Maße) erfolgreich privatisiert wurde, andererseits aber auch clevere Gangster in den Besitz subventionierter Betriebe gelangten, die ihnen vorgeschriebenen Auflagen (Investitionen, Arbeitsplatzerhalt etc.) ignorierten, erworbene Immobilien extrahierten und „versilberten“.

Die Tatsache, dass die Treuhand viele, nicht mehr lebensfähige Betriebe am Leben erhielt, andere für westliche Käufer aufrüstete und die DDRischen Altlasten der Betriebe in DM-Schulden verwandelte, hat zu einer teuflischen NegativBilanz geführt. Und den deutschen Steuerzahler viel Geld gekostet. Deutsche Banken hingegen profitierten vom Aderlass – mehr als jeder andere der üblichen Verdächtigen.

Rohwedder hat lebensfähige DDR-Betrieb aufrechterhalten und für die Marktwirtschaft fit machen wollen. Was die Beute der auf Zuwachs fixierten westlichen Konzerne signifikant geschmälert, die Abschlussbilanz der Treuhand ganz sicher positiv gestaltet hätte. Solch Tun muss den Mächtigen im Lande obsolet erschienen sein. Rohwedder musste weg. Dass sein Tod noch immer mit der RAF in Verbindung gebracht wird, ist reines Kalkül. Die „böse Truppe“ hat Furchtbares praktiziert, aber sie bestand nicht aus Dummköpfen. Folglich dürfte das Haar am Tatort zum Dürftigsten gehören, was deutsche Kriminalisten je auf den Tisch packten. Wolfgang Schorlau wird mir da sofort beipflichten (W. Schorlau: „Die blaue Liste“ https://www.book2look.com/book/9783462300161).

Weitere Fakten zum Thema: „abgebloggt“, Labonde Verlag 2010 https://www.stoerfall-zukunft.de/20-jahre-deutsche-zwei-heit-aus-abgebloggt-2011-heiner-labonde-verlag/