Rackete, Teil 3

Vor Tunesiens Küste sind 72 Menschen ertrunken. Und ja: Dieser Zustand ist untragbar! Offenbar wagen auch Menschen, die nicht schwimmen können und davon ausgehen müssen, dass sie bei einer Havarie ertrinken, die Überfahrt nach Europa. Das dürfte auf die akute Not hindeuten, der diese Menschen ausgesetzt sind. Derzeit werden in Not befindliche Flüchtlinge – sofern man sie überhaupt wahrnimmt – von Flugzeugen ausgemacht. Diese benachrichtigen die libysche Küstenwache, die ihrerseits ausläuft und die Havarierten zurück nach Libyen bringt.  Dort wandern sie dann erneut in die Auffanglager. Die für die Schlepper aufgebrachten Gelder sind weg, die Familien im Ursprungsland müssen nachüberweisen, oder es bleibt beim ungewissen, oft qualvollen Lageraufenthalt. Es ist so, dass man sich über die in den Booten Befindlichen, vom Ertrinken Bedrohten naturgemäß mehr Sorgen macht als um diejenigen, die es nie auf die Fluchtboote schaffen. Auch hier bieten arm und reich eine brutale Differenzierung. Sind die Familien der Flüchtenden in der Lage, das Geld für die Flucht aufzubringen, und das vielleicht sogar zwei- oder dreimal, dann muss man davon ausgehen, dass blanke Armut nicht unbedingt das Fluchtmotiv ist, und hier schließt sich der Kreis in totaler Ungewissheit.

Noch eine Ansage: Carola Rackete muss den in Italien anstehenden Prozess zu einem Plädoyer gegen die infamen Nichtstuer in der EU machen. Nur wenn sie die über ihre Fluchthilfe hinausreichende Problematik anspricht, wird Bewegung in den Prozess kommen. Was da wie bewegt werden muss, habe ich bereits gesagt https://www.stoerfall-zukunft.de/bei-aller-humanitaet-die-rackete-ist-fehlgesteuert/ … https://www.stoerfall-zukunft.de/rackete-teil-2/

Und: Carola Rackete muss freigesprochen werden, denn sie handelte – daran besteht nicht der geringste Zweifel – aus humanitären Gründen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass sie flüchtlingspolitisch falsch lag.