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Die Bildungsreform verpassen, heißt scheitern |
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... Oft scheint mir, dass junge Leute auf Klischees fixiert sind, auf das, was später den Kick, mehr Kohle oder zumindest viel Freizeit verspricht. Da setzen auch wir Älteren kaum Bremsen. Oft in der Vermutung, dass imageträchtige Berufe aus alten Tagen auch in Zukunft en vogue sein könnten. Ach, würde der Junior doch Arzt, Anwalt, Richter, Germanist, Hochschulprofessor oder Architekt, lamentieren wir und wissen nicht, dass wir arg vorbeistöhnen. Denn es sind die anderen, die Techniker, die Lehrer und Wissenschaftler, die unsere Zukunft maßgeblich gestalten werden. Warum viele Aspiranten diese Sparten »unter Wert handeln«, wurde oben z. T. begründet. Offenbar machen es auch Begriffe schwierig, jene Aufbruchstimmung zu erzeugen, die imageträchtigen Berufen innewohnen. An den Verdienstmöglichkeiten dürfte es nicht liegen. Nano-Techniker, Quantenwissenschaftler, Echtzeitführungskräfte, Wissensmanagementberater, Gentechniker, Anti-Hacker – um nur einige Zukunftsberufe anzuführen – dürften in Kürze genauso viel oder mehr Geld verdienen als traditionelle Ärzte oder Anwälte. Vermutlich sind es die pragmatische Aura, die dröge erscheinende Welt der Werkstoffe und die bedrohliche Gegenwart undurchschaubarer Mechanismen und Maschinen, die hier abstoßen. All das scheint mit dem wirklichen Leben, der Kunst und Geisteswissenschaft zu wenig »verbandelt«, um frisch und attraktiv zu wirken. Die Zukunft allerdings fragt wenig nach solchen Vorlieben. Sie fordert nachhaltige Bauwerke, erneuerbare Energien, Sicherheitssysteme, ökologische Quantensprünge und Substitute für ausgehende Rohstoffe. Wer bitte soll die hier anstehenden Aufgaben lösen? ... Wenn wir künftig das gewaltige Defizit an Ingenieuren abbauen und junge Leute für wissenschaftlichtechnische Zukunftsaufgaben begeistern wollen, dann müssen wir radikal umdenken – diesen Schwenk aber nicht allein den jungen Leuten überlassen, sondern selbst »in die Pedalen steigen«. Und das heißt viel, heißt die Lerninhalte an den Schulen verändern und vor allem: Anreize schaffen. Gleichzeitig muss das Diktat von »schickem Wissen« (wo liegt noch Sokrates begraben?) und geisteswissenschaftlicher Dominanz gebrochen werden. Dabei gilt es nicht wegzuspülen, sondern maßvoll zu erhalten und neu zu ordnen. Denn wir brauchen keineswegs die »Zwangsbewirtschaftung« des Wissens, sondern nur bessere Wichtung und Darstellung. Einmal weniger Vergil zitieren, dafür mitempfinden können, wenn der Bio-Nano-Techniker dem Krebs zu Leibe rückt ...
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