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Husten im All

Weil ich mich nicht mehr recht erinnern konnte, hab‘ ich mir Interstellar nun ein zweites Mal reingezogen. Immer verfolgt von der Neigung, den Fernseher abzudrehen. Denn physikalisch stimmt da kaum etwas und menschlich erst recht nicht https://www.welt.de/kultur/kino/article134221317/Warum-Christopher-Nolan-heillos-ueberschaetzt-wird.html.

Immerhin wurde ich an die häufig bemühte Idee, die Erde zu verlassen, erinnert. Weil der Mensch sie ja irgendwann versaut hat und dann gar nicht anders kann, als … ja, was … eigentlich?

Kriecht dann eine auf sonderbare Weise ausgesuchte Mannschaft in Raumschiffe, um irgendwo außerhalb zu siedeln? Selbst Stephen Hawkin hat diesen Ausweg in Erwägung gezogen https://www.welt.de/wissenschaft/weltraum/article165782800/Die-Menschheit-ist-verloren-wenn-wir-nicht-die-Erde-verlassen.html. Fragt sich nur, wann, wie und wo der Exodus stattfinden soll. Zyniker könnten den vermuteten Insassen – es kann sich ja nur um die hinterhältigsten, cleversten und brutalsten Exemplare unserer Spezies, also um diejenigen handeln, die den Menschen das Leben auf der Erde zur Hölle gemacht haben – viel Glück auf den ruppigen Felsgraten der Galaxis wünschen. Immerhin  dürften sie dort schnell ausatmen, das Zeitliche segnen, aber auch dem Kollaps der Erde entkommen.  Trotz Wurmloch und silberner SaturnSauciere.

Wie, frage ich mich, kann die Flucht von der Erde zum Thema werden? Ist es die Verzweiflung darüber, dass in Sachen Klima, Künstlicher Intelligenz und Sand nichts mehr oder eben nur Furchtbares gelingt? Sind wir soweit, dass wir den Horror bereits festschreiben und den Blödsinn einer Absetzbewegung proben? Gerade erlebt Alexander Gerst, wie sein Blut heiß wird, dass der Mix aus Strahlenbelastung, entzündungsfördernden Effekten der Schwerelosigkeit und psychologischem Stress nur bedingt aushaltbar ist,  ziemlich sicher sogar das Hirn  beschädigt https://www.zeit.de/2018/40/weltallforschung-astronaut-alexander-gerst-iss-raumfahrt und https://www.zdf.de/nachrichten/heute-journal/heute-journal-vom-18-november-2018-100.html (8:22 Minuten). Was zweifellos heißt, dass nur härtetesten, vielleicht auch hirnlosesten Kerle ein Stück weiter kommen. An den roten, trostlosen Mars dürfte trotzdem ebenso wenig zu denken sein wie an den interstellar begrünten Saturn. O ja, Letzterer! Woher nur der Humus, woher das nette Klima, und die Jungs – sie sind schon wieder beim Super Bowl, und es sind natürlich Amis, die da rumspazieren und den Rest des Erdenunkrauts verkommen lassen. Jawohl verkommen lassen! Denn wie viele Raketen, wieviel Geld müsste man dem ausgelaugten Planeten Erde abzwingen, um 10 (oder sind es gar 20) Milliarden Menschen so einfach, so mir nichts,  dir nichts … nach oben zu befördern?

Übrigens will Elon Musk – ihr wisst schon: der mit den TESLA-E-Autos und den wiederverwendbaren FalconRaketen – 2025 auf den Mars umziehen http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/elon-musk-will-auf-den-mars-umziehen-a-1240407.html.

Echt lachhaft – diese Vision, oder?

 

Horx – nein danke!

Horx_18_1_16Der Bestand an Meerestieren hat sich bereits halbiert, die Wälder Brasiliens und Indonesiens werden schonungslos weiter abgeholzt, Der Ausstoß an klimaschädlichen Gasen wächst unaufhörlich, China, die USA, Russland und Deutschland verpesten die Welt-Atmosphäre, die Böden unseres Planeten werden jährlich im Wert von fast 10 Billionen Euro zerstört , die Gletscher schwinden in beängstigendem Umfang, die Umweltverschmutzung durch multinationale Öl-Konzerne zerstört vor allem in Afrika und Südamerika ganze Landstriche http://www.genios.de/presse-archiv/artikel/SZ/20151104/schmutzige-foerderung/A62899096.html und http://www.genios.de/presse-archiv/artikel/SZ/20151201/hoffnung-aus-ontario/A64806792.html, die gnadenlose Urangewinnung führt in Afrika zur Verstrahlung von Hunderttausenden, der Kongo – hier könnten Freude und Wohlstand herrschen – wird ausgeraubt und verwüstet http://de.zenit.org/articles/bischof-tapa-der-kongo-wird-von-seinen-nachbarn-ausgeraubt/. In Afghanistan, im Irak, in Syrien, Palästina und Mali toben Kriege, die niemand stilllegen will oder kann. Zahllose Länder werden von Terroristen attackiert. Das alles unter der Schirmherrschaft von Globalisierung und TurboKapitalismus. Nirgendwo wird diesen Missständen wirksam Einhalt geboten. Im Gegenteil: die gesamte Welt ächzt im WEITERSO.

 
Und da kommt ein Mann wie Matthias Horx daher und nennt die Deutschen apokalyptische Spießer- lässt sich verächtlich über unsere Angst aus („der Freitag“, Nr.2/2016) – die übertrieben, wenn nicht völlig gegenstandslos sei. Im Bypass schlägt er auch auf seine Berufskollegen ein: Die meisten Zukunftsforscher seien Weltuntergangspropheten oder, vor allem im angelsächsischen Raum, grenzenlos technikgläubig. Alle, die nicht seiner, eben Horx’s Auffassung seien – so kommt das herüber – würden ständig Verschwörungstheorien aufsitzen und das Nach-vorn-Blicken vergessen. Es gebe lt. Karl Popper eine Pflicht zum Optimismus. Wo die allerdings herkommen solle, verrät Horx nicht. Er kennt weder Flüchtlingsbewegungen noch die brutaler werdenden Arbeitswelten. Er predigt Anpassungsfähigkeit und das tägliche Fitmachen. Er liebt den Kapitalismus, und nichts lässt darauf schließen, dass er ihn einhegen will.
Solcherlei Botschaft ist – vor allem im Freitag – überflüssiger als ein Kropf.
Auch dass diese Zeitung in abgehobenen Phrasen die Neuverbreitung von Hitlers Mein Kampf unterstützt, erschreckt mich. Die vom Institut für Zeitgeschichte neu angefügten Kommentare mögen für die Wissenschaft von Nutzen sein. Dem OTTO-Normalverbraucher, respektive 95% der Bürger helfen sie nicht – denn die nehmen sie entweder nicht zur Kenntnis oder verstehen sie nicht. Von denen, die erneut zugreifen und nicht verstehen wollen, ganz zu schweigen.