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Es ist wie immer: Man hat einen Text geschrieben und fragt sich, ob man dies bei rechtzeitigem Wissen um die Mühe auch getan hätte. Meine Antwort ist JEIN. JA, weil ich nach wie vor daran glaube, dass sein Extrakt etwas – und sei es nur marginal – bewirken könnte. JA aber auch, weil ich hoffe, dass meine Kinder und Enkel das Ganze nicht nur einmal, sondern mehrfach lesen werden. NEIN, weil mich das Unmaß an Arbeit abgeschreckt und der Anspruch, nahezu alles packen zu wollen, vielleicht doch gelähmt hätte. Kein Einzelner ist in der Lage, alles Wesentliche auf diesem Planeten zu erfassen und zu bewerten, geschweige denn fortzuschreiben. Dennoch ist die zusammenfassende Sicht wichtig. Sie allerdings aus der der Perspektive des Normalbürgers herstellen zu wollen, wirkt abenteuerlich – selbst dann, wenn solche Mitwirkung gefragt ist. Der Historiker Joachim Fest hat einmal geäußert, dass nur der, der die nötige Unbefangenheit und eine gewisse Bereitschaft zur „Unverschämtheit“ aufbringe, die Chance habe, ein komplexes, die Gesamtheit einer Zeitepoche kennzeichnendes Gesamtwerk zu erstellen. Es liege in der Natur der Sache, dass Experten solcherlei Mühe scheuten. Ihnen fehle die integrative Kraft, weil sie die Kritik von Fachkollegen an Fakten, die jenseits der unmittelbaren Kompetenz liegen, fürchteten. Kaum jemand finde sich bereit, Angriffsflächen zu akzeptieren, die dem Image schaden könnten. Und der für die Gesellschaft so wichtige Ausflug in die Niederungen des Populärwissenschaftlichen werde oft als rufschädigend empfunden. Was mein eigenes Anliegen angeht, hätte ich hier stutzen müssen. Denn die Gefahr, sich massiver Kritik, ja der Lächerlichkeit auszusetzen, ist weitaus größer. Nicht nur, dass man mir die versuchte Analyse um die Ohren hauen könnte. Man hätte auch, weil ich weit über sie hinausgehe (nämlich Zukunft entwerfen möchte), die Chance, meine Glaubwürdigkeit an sich in Frage zu stellen, mich der Ideologisierung, Panikmache oder bloßen Geschäftemacherei zu bezichtigen. In dieser „Gefahrenlage“ dennoch zu arbeiten, ist schwierig. Nun, ich habe es riskiert. Ich bemühte mich, unkompliziert und unterhaltsam zu schreiben - in einer Art Erzählmodus. Weil mich jeder verstehen soll. Neu ist, dass ich nicht nur Einzelthemen auswalzte, sondern so etwas wie ganzheitliche Betrachtung anstrebte. Es ging mir um die Wechselwirkungen von Teilen in der Gesamtheit. Wer so vorgeht, hat es nicht allein mit Zahlen und Sachverhalten zu tun. Er muss auch deren gegenseitige Beeinflussung und Durchdringung abschätzen –Thesen abwägen, annehmen und verwerfen. Gefüge dieser Art leben mehrdimensional. Sie drehen sich täglich, verabschieden sich und erfahren Zulauf – punktuell oder vielspurig. Kein Autor sieht es gern, wenn seine Fakten schon morgen überholt sind. Ich muss das, zumindest in Teilbereichen, genau so wie er hinnehmen - und mir gleichzeitig bewusst sein, dass jedes „Zukunftgerede“ erschreckende Halbwertzeiten birgt. Wer sich anmaßt zu deuten, was unser jetziges Leben ausmacht und noch dazu mögliche Entwicklungen für die Zukunft skizzieren will, muss auch maßlos sein. Sehen Sie es mir nach, wenn ich genau so über mich denke. Auch was die Vermittlung der Inhalte angeht, finden sich neue Formen: eine Art Dreigestirn aus quellengestützter Information, persönlicher Wertung und Statement – dazu im äußeren Erscheinungsbild das Zusammenspiel von Fließtext und (fett gesetzten) Info-Blöcken. Und noch etwas ist ungewöhnlich: Ich bediene mich zahlloser Quellen, die der Sachbuchautor vorwiegend scheut. Ich setze auf Informationen des Normalbürgers, der nicht nur Bücher, sondern vor allem Zeitungen liest und abends am Fernseher sitzt. Dabei sind es keinesfalls der Horror vor Fachartikeln oder die Scheu, überhaupt in wissenschaftlicher Literatur zu graben, die mich auf die (täglichen) Medien stoßen. Auch liegt es mir fern, populistisch auf bürgernahe Vertrautheit zu schielen. Ich greife in diesen Fundus, um als interessierter Mensch nicht abgehoben, sondern authentisch zu sein. Folglich fußt mein Text nicht nur auf Büchern, sondern quasi gleichberechtigt auf Presse-, TV-, Ticker-und Website-Infos – mit der Maßgabe, dass ich (seriös wirkenden) Journalisten mehr vertraue, als Wissenschaftler das gemeinhin tun. Natürlich habe ich ständig versucht, mich der Wahrheit zu nähern, habe Überkreuzvergleiche geführt und hierfür endlos das Netz (Internet) bemüht. Aber eine Dunkelzone bleibt natürlich. Was mich tröstet, ist der Umstand, dass auch andere entweder nur breit oder tief schürfen können – und niemand das Ganze zur Perfektion bringt. Zum Inhalt des Buches nur so viel: Ich greife in unsere Zeit, die ich spannend, sprich: beglückend und schrecklich zugleich, finde. Ich schildere, was die Wissenschaft bewegt, wie Wirtschafts- und Finanzjongleure Welten zum Blühen und Ersticken bringen und was die Menschen am Arbeitsmarkt auszehrt. Ich zerpflücke unser Bildungs- und Gesundheitswesen, Umweltillusionen und Energiemonster. Meine Optik trifft Ganoven und Rechtschaffende. Und sie schärft die Frage nach der Natur des Menschen. Bleibt er, was er ist, oder mutiert er? Und wenn er mutiert, was wird er – menschlicher oder einfach nur Mensch 2.0/3.0? Sie werden in eine Welt der Fakten, Brüche und Visionen geführt, die es in sich hat. Und Sie werden sich ärgern. Weil ich oft strikt nach vorn gehe und das auch subjektiv tue. Sie sollten mich dennoch nicht für einen Ideologen halten. Was mich führte, war kein klassenkämpferisches Trauma. Es war die Suche nach einem Ausweg. Zugegeben: Die Zukunft, die ich ausmale, stimmt bedenklich. Sie ist gleichsam verlockend, wüst und voller Widersprüche. Doch die Folgerungen/Forderungen aus dem Zeitgeist heraus geben sich messerscharf. Sie markieren Richtungen, sowohl optimistische als auch verhängnisvolle – beides mit dem Hauch des Wahrscheinlichen. Vieles scheint unumstößlich, anderes schlecht datiert, manches überdeutlich – und damit fragwürdig. Ich nehme das bewusst in Kauf. Denn ich will provozieren. Ich will Sie aufschrecken und die Diskussion anfachen. Gehen Sie davon aus, dass alle Sachverhalte, die mit Quellen belegt sind, ihre eigene Sprache sprechen. An anderen Stellen, wo dies zweifelsfrei deutlich wird, finden Sie meine persönliche Wertung. Ich schließe nicht aus, dass Sachverhalte inzwischen überholt oder in ihr Gegenteil verkehrt wurden. Hierfür kann ich angesichts der Faktenfülle und –bewegung nicht einstehen. Ich danke allen, die mir beim Schreiben dieses Buches zur Seite standen, sich hier und da um Stellungnahmen zu Einzelkapiteln bemühten, Korrektur lasen oder mich einfach nur machen ließen. Ratingen, im Oktober 2008
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