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Weiter manipulieren oder ... zurück zur Natur |
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… Für Spekulanten sind Nahrungsgüter, wie alles, was sie an den Börsen »verzocken«, virtuelle Objekt zur Geldvermehrung – und die Forderung, Lebensmittel als öffentliches, bezahlbares Gemeingut (Almende) zu betrachten, eine blauäugige Illusion jenseits ihres Denkens. Auch die These, dass man die Ernährungsprobleme der Erde nur mit Hilfe der Gentechnik lösen könne/müsse, kommt aus dieser Ecke. Weil sie neue gigantische Einnahmen verspricht. Diese ideologisch gefärbte Zuweisung beschreibt freilich nicht alles. Niemand bezweifelt heute, dass die grüne Biotechnologie auch positive Ansätze enthält. Diese jedoch für das Nonplusultra – für den universellen Rettungsanker – zu vereinnahmen, ist lächerlich. Zweifellos müssen in Zukunft sehr viel mehr Nahrungsgüter auf unserem Planeten erzeugt werden. Ex-Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer sprach von plus 60 % für 2030 /29/. Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es aber weniger der transgenen, also genetisch veränderten Pflanzen und Tiere, als vielmehr der Erhaltung der Artenvielfalt und der Rückbesinnung auf die natürliche Pflanzen- und Tierzucht. Diese Richtung hat der Weltagrargipfel (Johannesburg, April 2008) ausdrücklich bestätigt. Tatsächlich ist es heute möglich, sowohl die Schädlingsbekämpfung als auch die Züchtung trockenheitsresistenter Pflanzen auf natürliche, nachhaltige Weise zu betreiben – und das bei immens wachsenden Erträgen. So konnten z.B. in Afrika der Output beim Anbau von Mais durch gleichzeitiges Anpflanzen von Büschelkraut und Elefantengras (biologische Schädlingsabwehr) fast versechsfacht werden /38/. Noch spektakulärer scheint die Entwicklung von »Nerika«, einer neuen, auf Anspruchslosigkeit »getrimmten« Reissorte, die durch Kreuzung afrikanischer und asiatischer Pflanzen entstand. Ihr Anbau, so der Erfinder aus Sierra Leone, könne die gesamte Ernährungswirtschaft auf dem afrikanischen Kontinent revolutionieren /39/. Nicht nur hierzulande setzt eine zunehmende Anzahl von Menschen auf Nahrungsmittel aus biologischem Anbau und damit auf angestammtes Saatgut, natürlichen Dünger und nachhaltige Schädlingsbekämpfung. Sie verurteilt den Wahn der »makellosen Optik« und die mit ihm einhergehende Kontaminierung von Obst, Gemüse und Wein mit krebserregenden Pestiziden, Dioxinen und Salzsäure /36, 40/. Und sie lehnt genetisch manipulierte Lebensmittel – auch solche, die mittelbar über transgenes Futter auf die Ladentische gelangen (Fleisch) – kategorisch ab. Diese Bürger fordern die artgerechte Tierhaltung (natürliche Züchtung, Rückbesinnung auf alte Haustierrassen, ausreichende Weideflächen, Verzicht auf Antibiotika etc.), die Rekultivierung überbeanspruchter/verlorener Böden, bessere (konventionelle)Technologien und ein fundiertes Agrarmanagement vor Ort. Vor allem für Länder, die zwingend auf Agrarexporte angewiesen sind, muss ein weiteres Ziel greifen: mehr Verteilungsgerechtigkeit im Welthandel. Obwohl nahezu alle Experten darüber »fabulieren«, passiert auf dieser Strecke so gut wie gar nichts. Nach wie vor werden die Agrarindustrien der reichen Länder in hohem Maße subventioniert. Allein die EU stellt jährlich 50 Milliarden Euro für solche »Hilfen« bereit – und ermöglicht es so, Billigprodukte zu produzieren und in alle Welt »auszuschütten«. Mit der Folge, dass landwirtschaftlich orientierte Länder in Afrika – vor allem bei Milchprodukten, Getreide und Fleisch – vom Markt gedrängt werden /30, 39/. Dabei wäre es angesagt, gerade das Umgekehrte zu tun: die Landwirtschaft in diesen Ländern zu stärken und den EU-Markt für deren Produkte zu öffnen. Doch der Egoismus des Westens – angefeuert von einer starken Bauernlobby (Frankreich, Deutschland) – hat dieses Umdenken bis heute verhindert. Möglich, dass ein sinnvoller Anbau von Energiepflanzen (auf bislang stillgelegten Flächen) Bewegung in die Diskussion bringt. Denn dieser ermöglichte steigende Einkünfte bei den Bauern. Vor allem Biogas und die Biotreibstoffe der 2. Generation /25, 26/ passten vortrefflich in ein neues Gesamtkonzept. Damit freilich ist die Ungleichverteilung der Einkünfte nicht aus der Welt geschafft. Denn zweifellos sind es wieder die großen Agrarbetriebe, die von solchen Strukturveränderungen mehr profitieren als kleine Bauernhöfe …
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