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... Die Diskussion um den Klimawandel erfährt durch S. Fred Singers Buch »Die Natur, nicht die menschliche Aktivität, bestimmt das Klima« /145/ eine harsche Note. Singer, ein offenbar bedeutender US-Wissenschaftler, lässt am IPCC kein gutes Haar. In einer polemischen, aber teilweise auch nachvollziehbaren Argumentation zerreißt er die gängigen Klimamodelle wie faule Blütenblätter. Und bezichtigt ihre Konstrukteure nicht nur des Unwissens und der Unwissen-schaftlichkeit, sondern auch demagogischer Ambitionen (Forcierung von sinnlosen Umweltschutz-Geschäften). Für ihn ist nicht das CO2 für die Klimaerwärmung zuständig – es ist der Sonnenwind mit seinem Magnetfeld. Die kosmische Strahlung erkläre mit ihrem Einfluss auf die Bewölkung sehr viel besser, was auf der Erde passiere. Es sei die Natur, die hier steuere und nur ganz unmaßgeblich (oder gar nicht) der Mensch. Was mich stutzig macht, sind drei Dinge: Singer macht die Korrelation zwischen Sonnenaktivität und Temperatur an nur einem Stalagmiten in Oman fest – und zwar mit einer Präzision, die an Wunder grenzt. In seiner Polemik gegen das IPCC indes hatte er die Zahl der klimamodell-relevanten Messpunkte (es sind tausende) für zu gering befunden. Verdächtig ist auch, dass dieser Mann nicht eines der IPCC-Argumente gelten lässt, geschweige denn würdigt. Und darüber hinaus den Eindruck erweckt, ein objektiv urteilender Forscher zu sein. Dabei weiß jeder, dass Singer jahrelang in drei US-Ministerien Dienst tat und keinem der einschlägigen internationalen Klima-Gremien angehörte. Die Beschwichtiger wollen von all dem nichts wissen. Außergewöhnliche Kohlendioxidwerte und Klimaveränderungen habe es immer gegeben, argumentieren sie, und die jetzt anstehenden Befunde fielen keineswegs aus dem Rahmen /8/. Vom IPCC werde völlig unnötig ein Desaster beschworen. Die stattfindende Erwärmung sei ein natürlicher Ausflug in die Warmzeit eines Eiszeitalters /9/. Nicht mehr Wärme – so ihre Auffassung – sondern allenfalls mehr Kälte könnte unsere Existenz gefährden. Für Tiere und Pflanzen sei der beobachtete Klimawandel gerade-zu ein Segen. Der Mensch aber habe mit dem Treibhauseffekt wenig oder gar nichts zu tun. Ein solcher Zusammenhang werde hemmungslos überbetont – aus reiner Geschäftemacherei /101/. Und alle »Ökos« und Beförderer des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) profitierten von einer schamlos erzeugten Blase /4/. Andere Kritiker gehen noch weiter. Sie betonen, dass das Zusammenspiel von Sonnenstrahlung, Atmosphäre, Landflächen und Ozeanen noch immer unbekannt und die vom Menschen verursachten CO2-Emissionen im Vergleich zum gesamten, um den Erdball jagenden Kohlendioxid winzig und damit unmaßgeblich seien. Sehr viel größere Bedeutung komme dem Wasserdampfgehalt der Atmosphäre/der Wolkenbildung zu, die vornehmlich von der kosmischen Strahlung beeinflusst werden. Und hinter dem Anstieg der Meeresoberfläche stecke nichts anderes als die Verschiebung von Erdplatten /6, 10/. Teilen dieser Argumentation kann man durchaus folgen. Ihrer Gesamtheit aber keineswegs. Noch kann der Einfluss von Wasserdampf und Wolken – er ist inzwischen unbestritten /126/ – nicht gedeutet, geschweige denn quantifiziert werden. Einige Klimatologen messen diesen Größen gar 60 % des Gesamteffektes zu. Die Sonneneinstrahlung (beeinflusst durch Sonnen-winde) wird von einigen als substanziell wichtig (Wolkenbildung), von anderen als eher bedeutungslos eingestuft. Letztere behaupten, sie habe sich seit 1940 nicht signifikant verändert /7, 10, 30/. Es stimmt schon: Wir können nicht sicher planen, wenn wir nicht ausreichend wissen. Da es aber mit den Temperaturen immer weiter aufwärts geht – und demzufolge schnelles Handeln gefragt ist – müssen einzuleitende Maßnahmen vom jeweiligen Erkenntnisstand ausgehen. Der allerdings spiegelt sich – wohl oder übel – in den heute vorhandenen, noch unzureichenden Klimamodellen /4, 85/. Vor allem der Einfluss von Wasserdampf und Bewölkung, von Luft-schadstoffen und der durch sie beförderten Aerosole, aber auch die Wechselwirkungen zwischen natürlichem Kohlenstoffkreislauf und »menschengemachtem« CO2 sowie die Wirkung der weltweit verbreiteten Wüstensande müssen studiert und in die Klima-Modelle einbezogen werden /4, 5, 27/. Die bisherige These, dass Aerosole zur Verdunklung und damit zur Abkühlung der Erde beitragen (global dimming) /28, 42, 43/, wird durch neue Forschungsergebnisse zunehmend in Frage gestellt. Einige Wissenschaftler gehen jetzt vom Gegenteil aus /87 /. Die unzureichende Auseinandersetzung mit radikalen Gegnern der derzeit dominierenden Kli-maaussagen und die dadurch entstehende Polarisierung machen betroffen. Weil sie Extreme befestigt, die völlig unterschiedliche Schlussfolgerungen nahelegen. Dem IPCC-Gefolge könnte man unterstellen, dass es alternative Energien nur puscht, um neue lukrative (aber eigentlich sinnlose) Geschäftsfelder zu befördern. Doch den Kritikern ließe sich gleichfalls auf den Pelz rücken – mit dem Verdacht, dass sie der Industrie nur teure Umweltausgaben ersparen wollten. Argumente hin, Kritik her. Wir wissen, dass die globalen CO2- und Methan-Gehalte in der At-mosphäre inzwischen immense Größen erreichen /27, 59/. Für CO2 lag dieser Wert 2007 bei 381 ppm (381 Teile auf eine Million Teile Gesamtluft) – so hoch wie seit 650.000 Jahren nicht mehr. Dieser Befund nun soll mit Temperaturveränderungen korrellieren, die auf Basis von Eiskernbohrungen ermittelt wurden. Stieg der CO2-Gehalt, dann nahm auch die Temperatur zu /2, 23, 25/. Der Anteil von Methan in der Luft kletterte 2007 ebenfalls auf ein Allzeithoch – auf ca. 1,8 ppm. Diese Zahl scheint gering, ist aber mit Blick auf die weit höhere Treibhauswirkung überaus ernst zu nehmen /46, 102/. Methanemissionen kann der Mensch kaum beeinflussen. Pflanzen (vor allem der im Wasser angebaute Reis) /85/, auftauende Permafrostböden und Faultümpel jeder Art atmen es aus. Rin-der errülpsen und erfurzen es, wie es der vegetarische Kreislauf vorgibt, und Vulkane stoßen es aus, wann immer sie ausbrechen. Dort schließlich, wo es in riesigen Mengen gebunden ist – als Methanhydrat in den Weltmeeren – gehorcht es ausschließlich dem Druck und der Temperatur an den Lagerstätten. Letztere freilich könnte sich verändern. Schon ein Anstieg um 3˚C – so einige Klimaforscher – führte zur Auflösung der als »Kitt« fungierenden Verbindung in den Kontinentalhängen – mit katastrophalen Folgen. Desolate untermeerische Berge könnten einstürzen und gewaltige Tsunamis auslösen /24/ – und sogenannten Blow outs (an die Wasser-oberfläche schießendes Methan) Schiffe versenken (Bermuda-Dreieck-Mutmaßungen). Ganz zu schweigen von der unheilvollen Kontaminierung der Atmosphäre. Sieht man von den Gasen ab, die beim Treibhauseffekt nur wenig mitspielen, dann bleibt als Stellschraube für den Menschen allenfalls das CO2. /27/. Groteskerweise in einer Wissenslage, die mehr als dürftig ist. Wie auch immer die Debatte ausgeht. Wir wären schlecht beraten, wenn wir die Hände in den Schoß legten – bis letztlich auch der kleinste Sachverhalt geklärt ist. Und Verzögerungen im Handeln wären – gerade, wenn man einen beeinflussbaren Treibhauseffekt unterstellt – unverzeihlich /7, 12, 24/. Das IPCC selbst hat diesen Standpunkt bekräftigt. Spätestens ab 2015 müs-se der Ausstoß von Treibhausgasen signifikant gesenkt werden – und zwar auf mindestens 50 % des Wertes, der 1990 registriert wurde ... Bei allem Gerangel ist eines klar: Wenn wir den Ausstoß von CO2 reduzieren, können wir nichts falsch machen. Wir zwingen die Verursacher allenfalls, den Verbrauch von fossilen Energieträgern zu reduzieren. Und das ist mehr als nötig.
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