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Politik bleibt eine Hure ... noch lange/ Entwicklungshilfe |
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… Über das Thema »Entwicklungshilfe« wird seit eh und je diskutiert – ohne rechtes Ergebnis. Und die Bilanz ist frustrierend: Trotz der 1 Billion Dollar, die seit den 1950er Jahren in die unterentwickelten Länder flossen, wurden vor allem in Afrika viele der Menschen nicht reicher, sondern ärmer. Dafür gibt es viele Ursachen: Zum einen waren die Geberländer nie bereit, auf Augenhöhe mit den Bedürftigen zu kommunizieren. Dem »edlen Samariter« stand der »ewige Bettler« gegenüber, den man mit billigen Industriegütern, Altkleidern und Trockenmilch faktisch totschlug – aber nicht zu selbstbestimmtem Leben animierte. Auch heute arbeitet eine Vielzahl von Organisationen an umfangreichen Programmen, die sich – z. T. völlig unabgestimmt – überschneiden, gegenseitig behindern und Leistungen von vierfach bis nahe Null erbringen. Allein den Vereinten Nationen sollen durch Wildwuchs und miserable Koordinierung bis zu 7 Milliarden Dollar pro Jahr verloren gehen. Hinzu kommen die Ambitionen vor allem staatlicher Akteure, angebotene Leistungen an politisches Wohlverhalten zu koppeln. Ein Großteil der Entwicklungshilfegelder versickert zudem in der unübersichtlichen Bürokratie des Gesamtapparates. Viele Angestellte betrachten ihre Arbeit als glänzendes Geschäft, in dem man hervorragend leben, reisen und absahnen kann /5/. Auch bei den NGO kommt es immer wieder zu Veruntreuungen. Viel zu spät haben die beteiligten Staaten und Institutionen begriffen, dass es kein universell einsetzbares Modernisierungsmodell für die unterentwickelte Welt geben und dass Entwicklung nicht wie ein Impfprogramm von außen »exekutiert« werden kann. Zahlreiche Experten handeln so, als fände die Entwicklung quasi unter Laborbedingungen statt. Sie wissen in der Regel zu wenig über Sozialstrukturen, Kulturen und Traditionen (Großfamilie, Rechtsprechung etc.) und verdrängen allgemeine Entwicklungshemmnisse wie z. B. den ständig präsenten Aberglauben (»Ökonmie der Hexerei«). Oft begreifen sie gar nicht oder zu spät, dass maßgebliche Abläufe nicht durch rationale Kräfte, sondern übersinnliche bestimmt sind /3/. Vielfach weigern sie sich, zur Kenntnis zu nehmen, dass bei vielen Völkern spontanes Tun (Jetzt brauche ich etwas zu essen), Lethargie und auch Faulheit historisch/kulturell gewachsen sind – oder aus der Hoffnungslosigkeit heraus Wurzeln schlugen. Manches löst sich auf in spontaner Ablehnung und Geschmacksfragen. Selbst eine simple, einfach zu installierende Apparatur kann schnell in einen anderen Kontext geraten. So wurden die Spiegel von Solarkochern schon mal als mögliche Schmuckstücke geortet und von Einheimischen beiseite geschafft. Wasser und Speisen kochten dann weiter über Holzfeuern. Niemand kann im Umfeld kulturell fremder und armer Länder Schnell-schüsse landen. Und dass Einheimische trotz guten Zuredens anderen als den logisch empfundenen (westlichen) Mustern folgen, gehört zum Tagesgeschäft. Allein einfühlsame Geduld und ein unabgehobenes Leben unter den Hilfsbedürftigen kann hier weiterführen. Helfer werden allzu oft an ihrer karitativen »Tonnenideologie« und den damit einhergehenden überzogenen, bisweilen utopisch anmutenden Zielen gemessen. Dabei – das wissen Experten seit langem – funktioniert gerade eine überdimensionierte Hilfe nur selten. Oft sind auch »selbstsüchtige Altruisten« am Werk – Einzelpersonen und ganze Staaten /3, 11/. Erstere gerieten, schaffte man die Not ab, selbst in Bedrängnis. Einzelne Länder hoffen auf gute Geschäfte. Vielfach jedenfalls scheint unklar, ob das, was getan wird, wirklich nützt. Nur eines ist sicher: dass Entwicklungshilfe, ganz gleich, ob sie fruchtet oder fehlgeht, Arbeitsplätze sichert – im reichen Norden. Ähnlich ambivalent sieht es auf der Nehmerseite aus: Vieles, was konkret entsteht und Formen annimmt, wird dankbar angenommen und selbständig fortgeführt. Im Geldverkehr hingegen herrscht oft das Chaos. Salopp überwiesen, verschwinden die Millionen in den Taschen von Kleptokraten. So gelangten z.B. in Uganda nur 13 % der Mittel für ein Bildungsprogramm tatsächlich in die Schulen. Ein Großteil versickerte in den Taschen von »Phantomlehrern«, die nie existierten /3/. Oder aber die Empfänger setzten die Mittel bewusst für den eigenen Clan ein, schafften für dessen Kinder exzellente Lernbedingungen und ließen andere außen vor. Auch bei der medizinischen Hilfe geriet manches außer Kontrolle. In Ghana beispielsweise sollen nur 20 % der für Kliniken bestimmten Spendengelder ihr Ziel erreicht haben /4/. Dennoch konnte man dort ein modernes Gesundheitssystem installieren, musste allerdings zur Kenntnis nehmen, dass die ausgebildeten Krankenschwestern und Ärzte scharenweise davonliefen – nach England, wo sie heute sehr viel mehr Geld verdienen als in der einstigen Heimat. Diese Negativbilder schockieren. Ob sie symptomatisch sind, sei dahingestellt. Wahr ist, dass es auch Beispiele erfolgreicher Hilfe gibt. Tausende von Brunnen in Savannen und Wüsten, unzählige Schulen und Krankenhäuser belegen das – auch wenn vieles davon später vernachlässigt, sich selbst überlassen oder in Bürgerkriegen ruiniert wurde. Viele Helfer sind seit Jahren uneigennützig am Werk, tun Sinnvolles und bringen ihren Partnern wirklichen Lebensfortschritt. Cap Anamur, die Andheri-Hilfe /5/, die Mikrokredite /9/ und das Lebenswerk eines Karlheinz Böhm /8/ sind unverrückbare Zeichen dafür. Dieser Einsatz war und ist einzigartig – und dabei ständig mit Gefahren verbunden. Allein die Welthungerhilfe hat zwischen 1997 und 2005 vierhundertundvierunddreißig Mitarbeiter durch Anschläge von Einzeltätern und Banden verloren /10/. Ähnlich sieht es bei anderen Organisationen aus. Die UNO hat die reichen Industriestaaten aufgefordert, künftig 0,7 % ihres Bruttoinlandsproduktes für Entwicklungshilfe bereitzustellen /5/. Dieses Ziel wird heute mehrheitlich verfehlt. Frankreich bringt es gerade mal auf 0,39 %, Großbritannien auf 0,36 %, Japan lediglich auf 0,17 % und die USA auf noch magerere 0,16 % (jeweils 2006) /146/. Auch Deutschland liegt mit 0,36 % (einschließlich Schuldenerlass) weit abgeschlagen. Doch selbst, wenn das Geld wunschgemäß flösse, wären die Probleme nicht vom Tisch. Entwicklungshilfe muss in Zukunft einfach anders aussehen – und vor allem auf gleicher Augenhöhe stattfinden. Entweder es entsteht das Bewusstsein, in einer Welt zu leben und fühlbar miteinander verbunden zu sein – oder die Dinge entgleiten vollends. Zwingend bleibt aber auch, dass die armen Länder vor allem selbst dazu beitragen müssen, ihre Probleme zu lösen. Oktroyierte Hilfe allein nützt ihnen auch künftig nicht. Die Emissäre der Unterstützerländer müssen künftig sehr viel nachdrücklicher und gleichzeitig sensibler auf die Eliten der Nehmerländer zugehen. Wichtig ist es, dass ein neues Gefühl von Verantwortung entsteht – auf beiden Seiten. Restriktionen (z.B. der Entzug von Mitteln) dürfen nicht – wie heute oft praktiziert – als Strafe für bloße politische Unbotmäßigkeit verhängt werden. Maßstab muss der Wille zu konstruktiver Weiterentwicklung sein – ganz gleich, nach welchem Gusto sich ein betroffenes Land einrichtet. Ebenfalls wichtig ist, dass Entwicklungshilfe künftig mehrheitlich über Leistungsangebote (und damit verbundene Technik + Know-how) erfolgt – und westliche Warenlieferungen (Lebensmittel und Kleidung) auf extreme Notsituationen beschränkt bleiben. Man sollte über Beschäftigungsprogramme für Arbeitslose aus Industrieländern nachdenken – und diese angemessen bezahlt und möglichst freiwillig zur Hilfeleistung heranziehen. Denn sehr viel mehr Helfer als bisher müssten künftig gemeinsam mit den Menschen vor Ort Felder anlegen, Brunnen bohren, Werkstätten bauen und Dienstleistungsunternehmen gründen. Nur freundliche Kooperation wird das leisten können – vorausgesetzt, die Politiker schaffen die nötigen Rahmenbedingungen. Zwangsabgaben an geldgierige »Vorort-Beamte«/Clanchefs z. B. darf es dann nicht mehr geben. Gut möglich, dass wir Arbeiter in Entwicklungsländern vor den Kopf stoßen. Allein dadurch, dass wir – aus gemäßigten (Klima-)Zonen kommend – kontinuierliche Arbeit empfehlen. Hier ist ein Einfühlen verlangt, das »normales« (z.B. europäisches) Empfinden in Frage stellt. Selbst gute Anreize für Arbeitsrhythmen, die uns moderat erscheinen, könnten ins Leere gehen. Am schwierigsten dürfte es sein, qualifizierte Köpfe vor Ort zu halten. Die nämlich könnten versuchen, ihre Arbeitskraft dort zu verkaufen, wo sie richtiges Geld bringt. Das wiederum bedeutete die Flucht der Ausgebildeten in die Industrieländer. Appelle an Familienbindung und Nationalstolz allein dürften ein derartiges Verhalten kaum verhindern. Vielleicht sollten Teile der Entwicklungshilfe darauf verwendet werden, ausgebildete Kräfte für hohe (vergleichbare) Entgelte an die Heimat zu binden – die zu verlassen immer auch Schmerzen bereitet. Was auch gedacht wird – sämtliche Ansätze könnten ebenso brauchbar wie untauglich sein – und als eindimensional, ja vielleicht als rassistisch stigmatisiert werden. Denn eines stimmt zweifellos: Wir Europäer können Afrika nicht »denken« – vor allem nicht vor Schreibtischen und reichlich gedeckten Tafeln. Nur wenn wir von den Hilfebedürftigen als wirkliche Partner empfunden werden, sind Lösungen – welche auch immer – möglich. Die Helfer müssen begreifen, dass Einheimische auch unter bescheidenen Bedingungen ein glückliches Leben führen (möglicherweise ein glücklicheres als wir!) – sich also durchaus auf Erwerbsstrategien einstellen könnten, die weniger Lohn bedeuten. Die Aufgaben, die speziell Afrika – im Verbund mit den reichen Industrieländern – schultern muss, sind immens. Vor allem das Bildungswesen, die medizinische Versorgung, die Infrastruktur und die Landwirtschaft müssen vorangebracht werden /14/. Für letztere gibt es – ausgenommen die Trockengebiete – gute Voraussetzungen. Zwei und mehr Ernten sind möglich. Die erzeugten Produkte sollten allerdings vornehmlich in Afrika verbleiben – also ohne großen Transportaufwand (CO2) den dort Lebenden zur Verfügung gestellt werden. Exporte hingegen setzten ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit /6/ und die Öffnung importrelevanter Märkte voraus. Die Entwicklungshilfe gänzlich einzustellen, wie das sogar Experten aus der Dritten Welt fordern /13/, führte am Ziel vorbei, selbst wenn Fehlschläge, Verschwendung und Veruntreuung mache Wut anheizen. Ein Abbruch wäre nie geeignet, die Selbstheilungskräfte der armen Nationen so zu stärken, dass ein Wandel einträte. Hier irren die Kritiker, und auch ich folge ihnen nicht. Die Entwicklungshilfe für China /12/ allerdings sollte ständig auf den Prüfstand (fördert Sie den Umweltschutz etc.?)...
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