|
Ohne fruchtbare Böden kein Leben |
|
|
Geschrieben von: Ulrich Scharfenorth
|
|
Donnerstag, 21. Mai 2009 um 18:30 Uhr |
|

Nach UN-Einschätzungen habe die Menschheit in den zurückliegenden 1000 Jahren ca. 2 Milliarden Hektar produktives Ackerland in Ödland verwandelt. Das sei mehr als die derzeit weltweit genutzte Ackerfläche. Etwa 100 Millionen Hektar an bewässertem Terrain gingen durch Versalzung (Überdüngung) verloren. Auf weiteren 110 Millionen Hektar sei die Produktivität deutlich zurückgegangen. Hinzu komme ein jährlicher Humusverlust von 760 Millionen Tonnen, was die Bodenfruchtbarkeit signifikant verschlechtere und zusätzlichen CO2-Ausstoß bedeute (S. 101). Ähnliche Aussagen beinhaltet jetzt der UN-Glada- Report 5). Hiernach wurde allein von 1981 bis 2003 ein Viertel der globalen Landmasse degradiert. Das heißt: Die Ertragsfähigkeit hat sich verringert, oder die Flächen haben sich gar in Wüsten verwandelt. Eine Ursache sind Klimaveränderungen, eine andere: landwirtschaftlicher Raubbau. In unterschiedlichem Ausmaß seien bereits 1,9 Milliarden Hektar Land geschädigt, etwa vier Fünftel davon potentielle Äcker und Weiden. Rund 1,5 Milliarden Menschen fahren wegen schlechterer Böden spärliche Ernten ein. Diese Erkenntnisse – so Experte Alfred Hartemink – schlummerten jedoch weitgehend vor sich hin. Die digitale Weltkarte der Böden sei – was ihre zwingend notwendige Erforschung angehe - "tot und begraben". Grundlegende Daten stammten teilweise aus den 60er Jahren. Stattdessen zieht die Unmoral ein. Konzerne und geldschwere Privatleute kaufen/pachten fruchtbare Ackerflächen in Drittwelt- und Schwellenländern. Das scheint zweckdienlich, wenn eigenes Land knapp ist oder die Renaturierung vorhandener Flächen zu teuer scheint. So streiten z. B. das südkoreanische Unternehmen Daewoo und der indische Konzern Larun um Ackerflächen auf Madagaskar – Flächen, die schon mal die Hälfte des gesamten nutzbaren Eilandes umfassen ("DIE ZEIT", 7. Mai 2009).
Nach dem Verkauf von Fischereirechten an reiche Industriestaaten (Somalia) stellt dies einen weiteren hegemonialen Eingriff in die Rechte anderer Völker dar – deren Potentaten nicht selten mit im Geschäft sind. Dass wir heute in unseren Dritte-Welt-Läden Substrate zur Herstellung von fruchtbarer Gartenerde angeboten bekommen (s. Abbildung), wirkt da wie ein schlechter Scherz. Zwar verdienen die (zweifellos armen) Erdarbeiter an diesen Exporten. Doch sollten sie ihre Ware nicht besser denen anbieten, die Sorgen mit ihren Feldern haben? Die freilich dürften sich die "Wunderpakete" kaum leisten können. Wir aber, die wir gute Erde im Überfluss haben, könnten sicherstellen, dass Entwicklungshilfe auch "Bodenverbesserer" umfasst – sofern sie im Herkunftsland "abkömmlich" sind. |