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Geschrieben von: Ulrich Scharfenorth   
Montag, 06. April 2009 um 12:17 Uhr

Die Schweiz ist in der aktuellen Diskussion um Steueroasen einmal mehr ins Blickfeld geraten. Nicht nur Per Steinbrück hat sie kräftig attackiert (und dafür wüste Beschimpfungen geerntet), auch die OECD setzte die Eidgenosssen jetzt auf die sogenannte "graue Liste". Will sagen, die Schweiz gehört zu den Ländern, die die Steuerflucht eindeutig begünstigen. Andreas Missbach, Finanzexperte der Entwicklungshilfe-Organisation "Erklärung von Bern",  hat an dieser Stelle kräftig nachgelegt: Die Schweiz – so seine Feststellung – repräsentiert ein Drittel des Weltmarktes an grenzüberschreitender Vermögensverwaltung. 2.150 Milliarden Franken an ausländischem Geld lagerten im "Alpenländle". Heute gehe es weniger um Geldwäsche, Drogengeld oder die versteckte Beute von Diktatoren (S. 377), sondern vornehmlich um Steuerhinterziehung. Und mit Blick auf die Gesamtheit der Steueroasen fügt er hinzu: "Entwicklungsländer verlieren jährlich schätzungsweise 64 bis 120 Milliarden US-Dollar an Steuereinnahmen auf Privatvermögen, die irgendwo unentdeckt im Ausland lagern. Dazu kommen jährlich etwa 160 Milliarden US-Dollar, die von Konzerne nicht gezahlt werden. Allein die Steuerflucht mithilfe Schweizer Banken beschert den Entwicklungsländern nach unserer Schätzung Verluste zwischen 5,4 und 22 Milliarden Franken jährlich."

Und was fordert Missbach? Einmal den automatischen Austausch von Informationen zwischen den internationalen Steuerbehörden - zur Eindämmung der Steuerflucht reicher Individuen, zum anderen eine Offenlegung darüber, welche Wertschöpfung welcher Konzern in welchem Land erzielt. Nur so nämlich sei festzustellen, ob die Steuerzahlung in vernünftigem Verhältnis zum erzielten Gewinn stehe ("DIE ZEIT", 26. März 2009).

Wir Außenstehende dürften jetzt feststellen, was nach dem G20-Gipfel tatsächlich geschieht. Vorerst geistern nur die Listen. Die sind zwar gefürchtet, doch nur die Länder, die wie Costa Rica, die Philippinen, Malaysia und Uruguay auf der schwarzen stehen, dürften wirklichen Druck erfahren. Ansonsten könnte es "grau in grau" bleiben.