Ticker im Januar 2012 Drucken
Geschrieben von: Ulrich Scharfenorth   
Freitag, 13. Januar 2012 um 00:03 Uhr

.Tut mir leid: ich bin mit Leib & Seele gegen das Menschenrecht auf billiges Fleischfressen, oder besser: gegen das Recht des Menschen auf den Zugang zu Billigfleisch. Wer mir erklärt, auch der arme Mann müsse ausreichend mit Fleisch versorgt sein … , wer mir sagt, dass mit der Bereitstellung von immer mehr und immer billigerem Fleisch ein weiteres Stück der verhassten 2-Klassengesellschaft beseitigt wird … jawohl, eben der müsste in einem deutschen Mastbetrieb für Schweine, Puten oder Hähnchen für zwei Monate angekettet werden. Wobei ich für diese Zeit darauf drängen würde, die Antibiotika-Gaben im Stall einzustellen.

. Ich bin bei YouTube auf ein tolles Video gestoßen. Diesmal ging es nicht um Jo Kiki, der drei bis fünf Instrumente gleichzeitig spielt, sondern um fünf Leute, die sich an nur einem Instrument zu schaffen machen. Nun, die dumme Formulierung "zu schaffen machen" beschreibt das falsch. Da geht es wirklich – ganz toll - nach vorn los … http://www.youtube.com/watch?v=d9NF2edxy-M

. Sie haben vermutlich davon gehört, dass das silvesterliche "Dinner for one" ein wenig auf Merkel und Sarkozy zugeschnitten wurde. Aber waren Sie schon mitten dabei? NEIN ? Na dann los: http://www.youtube.com/watch?v=S8kj4JBf-W0&feature=player_embedded

. Weil live nichts lief, kramte ich vorgestern mal wieder in meinen Filmaufzeichnungen. Und stieß auf einen österreichischen Streifen, der mich schwer verstört hat: Import Export. Ulrich Seidl hat ihn in Szene gesetzt: http://www.filmstarts.de/kritiken/71634-Import-Export/trailer/19216356.html. Der Film lief bei den 60. Filmfestspielen in Cannes, wurde aber sonst nirgendwo ausgezeichnet. Das ist mehr als bezeichnend. Wer den Finger zu tief in die Wunden steckt, steckt im Gerangel um erste Plätze selbst fest. Hier sprengte der entwürdigende Umgang von Devisenbringern mit ukrainischen (Notfall-) Prostituierten ebenso jede Grenze wie die Bestandsaufnahme bei Demenzpatienten in österreichischen Pflegeheimen. Solch Movie will niemand … ganz gleich, ob es die Wirklichkeit bezeichnet oder nicht.

. Seit amerikanische Soldaten nicht nur foltern, sondern mit fetten Absätzen auf toten Gegnern posieren, wusste man, welch Abschaum in der US-Army dient. Heute wurde bekannt, dass sich diese Exzesse noch steigern lassen (http://www.tagesschau.de/ausland/afghanistanvideo100.html) Es muss niemand wundern, wenn jetzt die Zahl der toten GIs weiter in die Höhe schnellt.

. Dass Spanien und Italien ihre Staatsanleihen heute zu vergleichbar guten Konditionen auf den internationalen Geldmärkten positionieren konnten, wird von den meisten unserer Medien bewusst falsch interpretiert. Der blasse Lichtpunkt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass zwei Desaster unaufhörlich zur Hochform auflaufen: die Verschuldung Griechenlands von 162,8 % (2011) auf voraussichtlich 198,3 % des Bruttoinlandsproduktes (2012) → http://nachrichten.rp-online.de/wirtschaft/griechenland-erhaelt-16-milliarden-euro-neuen-kredit-1.2668842 und die neue Finanzblase.

Niemand kann heute im Ernst daran glauben, dass Griechenlands Schulden (derzeit 340 Milliarden Euro) jemals - auf herkömmliche Weise - getilgt werden können. Das tägliche Theater um die Beschaffung von "frischem Geld" spricht Bände. Noch wird auf Zeit gespielt und gelächelt. Hinter den Kulissen aber dürfte es brutal zugehen.Es ist anzunehmen, dass die Banken eine Beteiligung am Schuldenschnitt für Griechenland nach wie vor ablehnen. Mit der unprüfbaren Begründung, dass sie ein Forderungsverzicht immens schwächen würde, sprich: ihre Herabstufung durch die Rating-Agenturen nach sich zöge. Parallel dazu sprechen die Bosse der Geldhäuser durchaus Klartext: Wenn Griechenland pleite gehen müsse, dann bitte ungeordnet! Nur dann nämlich sprüngen die vorsorglich abgeschlossenen Kreditausfallversicherungen (CDS) ein. Die von der Politik nur zögerlich ins Auge gefasste Alternative - eine planmäßige Insolvenz - entbehrte dann nicht nur der gesetzlichen Grundlage. Sie ließe sich gegen den Willen der Banken vermutlich auch gar nicht durchsetzen. Weil der dann fällige Forderungsverzicht der Banken mindestens 50% Verlust bedeutete – gegen den niemand versichert wäre. Gefahr droht auch noch aus ganz anderer Ecke. Viele der Griechen, die ihr Vermögen bislang im Lande hielten, versuchen jetzt, das Geld im sicheren Ausland zu parken - und schwächen damit griechische Banken. Weil sie ein anderes (vielleicht auch parallel ablaufendes) Szenario befürchten: die Wiedereinführung der Drachme. Eine solche Maßnahme wird derzeit von all denen befürwortet, die Griechenland im Prinzip abschreiben und die zwingend notwendige Belebung der griechischen Wirtschaft durch bloße Abwertung (der Drachme) befeuern wollen. Und jede solidarische europäische Hilfestellung (Aufbauprogramm) vehement ablehnen. Zwar weiß jeder, der sich in Finanzdingen einigermaßen auskennt, dass bei Wiedereinführung der Drachme die Schulden (in Euro) natürlich erhalten blieben und mit abgewertetem Geld noch schlechter zu bedienen wären als heutzutage. Doch was soll’s. Die Gerüchte geistern, und die Medien streuen davon, solange Auflage und Quote stimmen.

An die desaströse Situation in Spanien, Italien (das Land muss 2012 ca. 300 Milliarden Euro an frischem Geld auftreiben! → http://www.zeit.de/news/2012-01/12/eu-italien-und-spanien-bestehen-ersten-haertetest-in-2012-12133602), Belgien, Ungarn etc. ist da noch gar nicht gedacht. Auch in diesen bereits hoch verschuldeten Ländern steigen die Verbindlichkeiten weiter, weil ausreichendes Wachstum ausbleibt. Parallel dazu wird auf den internationalen Geldmärkten intensiver gezockt als vor Ausbruch der Immobilienkrise. Niemand hat die toxischen Papiere, geschweige denn die außerbörslichen Geschäfte und Leerverkäufe ausgebremst, niemand eine Finanztransaktionssteuer durchgesetzt − weder in den USA noch in Europa. Infam dabei ist, dass auch Politiker mitpokern, zumindest aber still halten – offensichtlich in der Annahme, dass sich Banken jetzt sanieren müssten, um vor künftigen Stürmen gefeit zu sein. Wer bei dieser Paranoia den Kürzeren zieht, weiß man inzwischen. Dennoch bleibt es jenseits von Occupy verdammt ruhig. Das verstehe, wer will.

 

Ach ja. Es gibt doch noch ein Video, das Mut macht http://www.youtube.com/watch?v=mNr9DbfCww0&eurl=http%3A%2F%2Fwww.cartoonland.de%2Farchiv%2Feine-nachricht-fur-die-menschheit%2F&feature=player_embedded