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. Martin Kessler, Redakteur der Rheinischen Post, hat sich als "Anti-Sensibelchen" geoutet. Ziemlich kaltschnäuzig behauptete er, dass Japan in vielen (von uns abgeschotteten) Bereichen wie ein Entwicklungsland agiere ("Rheinische Post", 25. Mai 2011). Sein dümmlicher Überschwang hat offenbar mit der Hilflosigkeit von Tepco (Fukushima) zu tun. Dass er vor Ort Abschottungen durchbrach, ist eher unwahrscheinlich. Wüsste Kessler, wie hilflos Deutsche, Amerikaner, Briten und Franzosen in vergleichbaren Gau-Situationen reagieren würden, müsste er vermutlich auch denen den Drittweltstatus verordnen. Oder?
. Ich weiß nicht, wo der Focus diesen Michael Miersch aufgelesen hat. Aus der Biotonne scheint sie ihn jedenfalls nicht gezogen zu haben. Miersch hat mit Bio gar nichts im Sinn. Im Gegenteil. Er blies nach dem irrwitzigen Motto "Gesund ist nicht gesund" allem Bio das Licht aus. Seiner Auslegung nach sei all das, was auf natürliche Weise gezogen, gezüchtet oder sonst wie auf die Beine gebracht wird, von weit größeren Übeln begleitet als die chemie- oder gentech-verseuchten Gemüse, Obste oder Tiere. Der Schwerenöter greift zum mittelalterlichen Mutterkorn, zu pflanzeneigenen Giften, die Fressfeinde verschrecken, macht Müslis zur unverdaulichen Modekost, die jeden Darmtrackt das Fürchten lehrt, verteufelt die Rohmilch nebst Folgeprodukten und gibt dem Salat, weil nitrathaltig, den Todesstoß. Vor allem Vegetarier, ja besonders Veganer, dürfte das Grausen heimsuchen, wenn es nach Miersch ginge. Der empfielt die fleischhaltige Ernährung, weil Antje Gahl (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) das so vorschlägt. Und er findet, dass man bei Obst und Gemüse durchaus dazwischen halten sollte – mit Pestiziden oder GVO („Focus“ 22/2011). Sorry, Sie kennen das nicht? GVO = gen-technisch veränderte Organismen.
. In Houston/Texas saß die Polizei einer Wahrsagerin auf. Die hatte Hinweise auf ein Massengrab. Natürlich fanden die Ordnungshüter nichts dergleichen (http://derstandard.at/1304553918164/Texas-Wahrsagerin-taeuschte-Behoerden-mit-Hinweis-auf-Massengrab). Dass sie aber überhaupt ausrückten, ist schon witzig. Und irgendwie passt das in die Sphäre, in der 70 % der Leute an die Hölle und viele halbjährlich an den Weltuntergang glauben ("Rheinische Post", 27. April 2011).
. Alice Schwarzer hat keine Sendepause. Nachdem sie BILD mit Kachelmann-Gräueln zugetextet hat, sieht man sie wieder bei Talk-Shows. Noch ist sie bei Wetterwicht, noch rückt sie dessen Anwälte und die betroffenen Frauen zu Recht. Gut so, denn solange sie rückt, bleiben ihre Anti-Islam-Tiraden („Süddeutsche Zeitung“, 28. September 2010) im Kasten. Mir treibt das immer die Fern-Bedienung in die Hand. AUS damit, AUSSSS! Wer bitte stellt diese Frau ab … ohne sie abzumurksen.
. Ein Rabbinergericht in Jerusalem (!) soll einen Hund zum Tode durch Steinigung verurteilt haben. Doch nicht etwa wegen dessen Ehebruchs. Nein! Die Rabbiner – so heißt es – gingen davon aus, dass die Seele eines vor Jahren verstorbenen Anwalts in den Hund übergegangen sei. Dieser Anwalt habe die Rabbiner vor 20 Jahren beleidigt. Jetzt müsste der Hund büßen. Zur Vollstreckung des Urteils wurden Kinder (!) aus der Nachbarschaft geordert - denen der Vierbeiner allerdings entkam ("Rheinische Post", 18. Juni 2011).
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