POSITIV ÜBERRASCHT, ÜBEL GETRICKST, ÜBERFLÜSSIG UND DREIST Drucken
Geschrieben von: Ulrich Scharfenorth   
Samstag, 08. Januar 2011 um 17:22 Uhr

POSITV ÜBERRASCHT:

• Heute macht die Rheinische Post echt Punkte. In ihrer Samstagsausgabe räumt sie dem Thema Ernährung mehr als 5 Seiten ein ("Rheinische Post", 8. Januar 2011). Dabei beschäftigt sie sich nicht nur mit dem jüngsten Dioxin-Desaster, sondern mit sämtlichen Lebensmittelskandalen der letzten Jahre. Ungeniert räumt sie auch mit den Machenschaften der Lebensmittelkonzerne auf, die aus Kostengründen zunehmend auf natürliche Rohstoffe verzichten und auf Aromen und Ersatzstoffe umstellen. Doch damit nicht genug. Sie kritisiert auch uns Bürger, für die der Supermarkt zur ständigen Bezugsquelle für a-saisonale Früchte, zuckerstrotzende Getränke, Joghurts, Süßigkeitsriegel etc. und qualitativ minderwertiges Billigfleisch wird, wobei wir ständig und en gros Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker "abschlucken". Die inzwischen weit verbreitete Arthrose, aber auch andere mit Entzündungen einhergehende Erkrankungen (Bandscheibenvorfall, Rheuma) sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollen zum überwiegenden Teil auf falsche Ernährung zurückzuführen sein. Diesem Tatbestand – so die RP weiter – könne man mit sinnvoller Umstellung der Nahrung gut begegnen. So empfiehlt sie die regelmäßige Zuführung der Vitamine C und E mit natürlicher Nahrung und bündelt ihre Kostvorschläge überaus konkret. Wollen wir das Vitamin C aufstocken, dann können wir – stärker als bisher und wahlweise – folgende Früchte/Gemüse in unseren Speiseplan einbauen: Brokkoli, Paprika, Fenchel, Blumenkohl, Rosenkohl, Hagebutte, Sanddorn(saft), Holunder(saft). Für Vitamin E gilt sinngemäß: Avocado, Mandeln, Erdnüsse und Volkornerzeugnisse.Darüber hinaus sollte unser Essen auch Omega-3-Fettsäuren enthalten. Sie finden sich in Hering, Lachs, Makrelen und Speiseölen (Olivenöl, Leinöl, Rapsöl und Sojaöl). Verschiedene Einzelhinweise werden durch Rezepte ergänzt.

Die traditionelle Grippeschutzimpfung wurde ab Herbst 2010 durch eine 3-fach-Impfung ersetzt, die auch Schutz gegen die erneut aufkommende Schweinegrippe bietet. Die neu hergestellten Präparate sollen lt. Presseberichten keine Impfstoff-Verstärker (Adjuvans)enthalten.

ÜBEL GETRICKST:

Die Ergebnisse der (Um)Weltkonferenz von Cancun sind von Politikern und Medien offenbar mehr als geschönt worden. Vor allem, weil man glaubte, die USA und China wenigstens formal für das wichtige +2-Grad-Ziel mit im Boot zu haben. Die Wahrheit sieht anders aus. Nach wie vor bleibt es diesen Staaten selbst überlassen, Maßnahmen zu ergreifen oder aber zu unterlassen. Die "ZEIT" berichtet in ihrer letzten Ausgabe über eine Vielzahl völlig unverbindlicher Verabredungen, Kenntnisnahmen und Versprechungen. Diese betreffen u.a. das (im Grunde nicht mehr erreichbare) +2 Grad-Ziel für die Erderwärmung, aber auch die vollmundig gepriesenen Hilfszahlungen der reichen an die armen Länder. Die Rede ist von den bereits in Kopenhagen versprochenen 30 Milliarden Dollar für 2010 bis 2012 und von 100 Milliarden Dollar für die Zeit ab 2020. Beides stehe in einem Beschluss. Aber wie? Das Versprechen der 30 Milliarden wird "zur Kenntnis genommen", das Versprechen der 100 Milliarden "anerkannt". Die Jahre 2013 bis 2019 hat man erst einmal ausgelassen – einfach nicht definiert. Entscheidungen – so "DIE ZEIT" – lesen sich anders (http://www.zeit.de/2011/01/Klima-Konferenz-Cancun.)

ÜBERFLÜSSIG:

• Auch auf die Gefahr hin als Netzbeschmutzer zu gelten: Unser mehrfach ausgezeichneter Ratinger Commedy-Star Dieter Nuhr  hat mich gründlich enttäuscht. Der Mann, den ich auch heute noch für sein TOP-Gedächtnis beneide, der so krampf-, pausen- und stresslos seine Gags aneinanderreiht, ist – was diese Fähigkeiten angeht – zweifellos ein Ausnahmetalent. Auf die Inhalte, die er serviert, trifft das leider nicht zu. Zwar strickt er erfrischende Parodien, Persiflagen und Pointen, die zum Auflachen zwingen. Doch im Grunde mischt er eine vor Beliebigkeit dampfende Brühe aus Zufällig- und Nebensächlichkeiten, die auf krampfhaften Kick aus sind. Politisch scheint mir Nuhr entweder ein Tiefflieger oder ein verkappter Reaktionär zu sein. Sein Jahresrückblick (ZDF/"Nuhr 2010", 18. Dezember 2010) war auf dieser Strecke nicht nur ohne Tiefgang, sondern bewusst desorientierend. So verkaufte Nuhr die Plattform Wikileaks als bloße Geschwätzigkeitsbude, in der sich Politiker und Botschafter ihre Missfallensbekundungen abrufen konnten. Stuttgart21 wurde nebelhaft verramscht und Sarrazin pflichtgemäß verhöht. Die Linken bekamen Watschen und den Schwarz-Gelb wurde vorgeworfen, nicht einmal den Neoliberalismus richtig hinzukriegen. Welch blöder Zynismus!

Wer sich an die "Scheibenwischer" erinnert, wird feststellen, dass Commedy eben nicht Kabarett ist. Kabarett haben wir unverwaschen, sachlich fundiert, scharfzüngig und treffend erlebt. Das alles wollen und brauchen  Nuhr, Engelke, Mittermeier & Co. heute nicht. Sie powern den Slapstick für die, die es einfach wollen. Auch ein Markt - warum nicht. Ich liebe da eher die Bissigen, von denen es – abgesehen von einigen Ausnahmen (u.a. Volker Pispers, Wilfried Schmickler, Jürgen Becker, Hagen Rether) – immer weniger gibt. Auch die Perlinger und der witzige Mathias Riechling kommen mir heute „ein-genordet“, sprich: weichgespült vor. Das zwickt kaum noch.

ENTTÄUSCHEND UND DREIST:

Die altehrwürdige Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) hat überraschend, aber völlig zu Recht den Begriff „Wutbürger“ zum Unwort des Jahres 2010 "gekürt". Obwohl mir das Wort bis zum Zeitpunkt der Nennung nicht untergekommen war, wurde schnell klar, was und wer gemeint war. Es ging um Demonstranten, um Protestler – nicht nur um die von Stuttgart 21, sondern um alle, die angeblich wutschnaubend gegen alles, vor allem gegen jede Art von Veränderung/Erneuerung/neue Technik, sprich: gegen laufende und geplante Großvorhaben zu Felde zogen. Die trugen plötzlich die Aufnäher Blockierer, rückwärtsgewandt, reaktionär und zukunfts-untauglich. Allein der Versuch, die Proteste in diese eine „Wuttüte“ zu packen, spricht für Dreistigkeit, oder besser: für die gezielte Diskreditierung der Wortbetroffenen. Den bloßen Wutbürger nämlich gibt es gar nicht. Jeder, der heute auf die Straße geht, hat eine – vielleicht nicht immer grundsolide –Vorstellung von dem, was er geißelt, anmahnt oder verändern möchte – ganz im Gegensatz zu den Millionen, die dröge vor ihren Fernsehern nach Chips und Bier langen oder auf Endlosfeten herumkiffen und nichts tun. Letztere freilich sind für die Mächtigen in unserem Lande ungefährlich und deshalb jenseits der Kritiklinie. Den Aufmüpfigen aber schlägt man ins Gesicht – gestern mit Reizgas, heute mit der demagogisch verdrehten, synthetischen Worthülse.