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Grund zur Freude:
• Die dreiunddreißig, in Chile verschütteten Bergarbeiter konnten unverletzt geborgen werden. Zumindest für sie scheint die nahe Zukunft gesichert – wenngleich ihre Schadenersatzansprüche angesichts der Grubeninsolvenz in Frage gestellt sind. Sehr viel ungewisser allerdings ist das Schicksal der verbleibenden, vom Grubenunglück nicht betroffenen Kumpel. Bleibt zu hoffen, dass Staatspräsident Piňera, der das mediale Umfeld der Rettung trefflich zur Imagepflege nutzen konnte, auch hier Lösungen anbietet. Genauso wichtig jedoch wären neue Gesetze zur Grubensicherheit – die jetzt versprochen wurden und hoffentlich im Blickfeld bleiben.
• Unter der Piz Vatgira im Schweizer Gotthard-Massiv ist am 15. Oktober der Durchschlag des Gotthard-Basistunnels gelungen. Durch den mit 57 km längsten Tunnel der Welt sollen ab 2017 Hochgeschwindigkeitszüge fahren und dazu beitragen, dass umfangreiche Gütertransporte von der Straße auf die Schiene verlagert werden. So ist z.B. zwei Jahre nach der Eröffnung des Tunnel geplant, die Anzahl der tunnelrelevanten Schwerlaster auf max. 600.000 pro Jahr zu begrenzen. Derzeit rasen pro Jahr ca. 1,2 Millionen LKWs durch die Landschaft, was stark zur Erosion der Alpen beiträgt („Rheinische Post“, 16. Oktober 2010)
Grund zur Trauer:
• Herman Scheer, der unermüdlicher Streiter für alternative Energien ist am 14. Oktober 2010 an Herzversagen gestorben. Das Ableben von Scheer, der von 1993 bis 2009 dem Bundesvorstand der SPD angehörte, hat parteiübergreifende Trauer ausgelöst („Rheinische Post“, 16. Oktober). In der SPD selbst galt er nicht nur als Streiter für eine nachhaltige Welt, sondern auch als einer der wenigen Hoffnungsträger für innerparteiliche Reformen. Am kommenden Montag wollte Scheer der Öffentlichkeit sein neues Buch „Der energet(h)ische Imperativ“ vorstellen, das bereits vom Titel her auf die künftig anzustrebende Symbiose zwischen Energietechnik und Ethik hinweist. Dieses Ziel wird jetzt zu seinem Vermächtnis. Hermann Scheer hat trotz der gegen ihn gerichteten Ignoranz und Auslach-Kampagnen viel erreicht. Er ist der Vater des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, Gründer der International Renewable Energy Agency und war bis zu seinem Tod Präsident der Europäischen Vereinigung für Erneuerbare Energien. Er hat am Atomausstieg mitgewirkt und wurde für sein Engagement mehrfach ausgezeichnet. 1998 erhielt er den Weltsolarpreis, 1999 den Alternativen Nobelpreis. Das amerikanische Time Magazine ehrte ihn mit dem Titel "Hero for the Green Century" und manche nannten ihn ehrfurchtsvoll "Sonnengott" („sueddeutsche.de“, 15. Oktober 20101). "Rheinische Post" und "DIE ZEIT" hatten dagegen nur marginale Zeilen für ihn übrig.
Grund zur Empörung:
• Ex-Hypo-Real-Estate- (HRE-)Chef Georg Funke – nach dem Milliarden-Debakel des Immobilienfinanzierers fristlos entlassen – hat gegen diese Entlassung erfolgreich geklagt und jetzt vor Gericht die Nachzahlung von zwei Monatsgehältern durchgesetzt. Bleibt die Frage, in welcher Bananenrepublik wir leben – wenn ein für Milliardenverluste verantwortlicher Banker statt ins Gefängnis zu wandern, mit 150.000 € beschenkt wird? Der Skandal verweist einmal mehr darauf, dass es bei der derzeit herrschenden Ordnung unmöglich ist, wirksame Reformen im nationalen wie internationalem Finanzsystem durchzusetzen. Dazu gehörte freilich auch, dass Bankvorstände dann, wenn sie für das Auslösen systemischer Krisen – respektive: die Auflage großflächiger Rettungsaktionen zu Lasten des Steuerbürgers verantwortlich sind, mit Haft und Geldbußen bestraft werden müssten. |