Die Glühbirne muss weg - doch nicht um jeden Preis Drucken
Geschrieben von: Ulrich Scharfenorth   
Freitag, 04. September 2009 um 15:45 Uhr

Das schrittweise Verbot herkömmlicher Glühlampen still zu feiern – wie das "DIE ZEIT" am 3. September tat, wirkt für mich wie populistisches Sinnieren in gut betuchten Gefilden. Nix nämlich erfährt der Leser über Randbedingungen, wirkliche Alternativen, Effekte oder Zusatzbelastungen für den Bürger. Auch Angaben darüber, was der Staat tut, um die Preise fortschrittlicher Leuchtmittel an die konventioneller heranzuführen, sucht man vergeblich. Stromsparen ist immer gut, und wenn es kostenneutral nur darum ginge, wäre ich ausnahmslos unter den Feiernden. Schon die behäbig in Gang kommenden Sparlampen, der man heute allerlei Misshelligkeiten bescheinigt, waren ein Flopp. Einigermaßen preiswert waren die nur bei Aldi. Doch weder die Leuchtwilligkeit, noch die wirkliche Lebensdauer trugen zur Erbauung bei. 30% der Lampen, die ich heimtrug, segneten in den ersten drei Tagen das Zeitliche. Jetzt hält die phantastische LED-Technik Einzug. Allerdings sichert sie vorerst nur grelles Leuchten – wenngleich bei nur 10%igem Stromverbrauch. LEDs in die Glühbirne gepresst, wirken futuristisch. Doch der Preis für ein Stück mutet abenteuerlich an: 12,50 € . Wer bitte soll eine solche Birne kaufen? Gewiss: mit Aufnahme der Massenproduktion, mit weiter entwickelter Technik, mit gefälligen Farbspielen wird sich einiges relativieren. Die Leuchtmittel dürfen besser und billiger werden. Doch dass sie die versprochene Leuchtdauer von 12.000 Stunden und akzeptable, sprich: rechnerisch faire Preise wirklich erreichen, mag man zunächst nicht glauben. Für mich jedenfalls ist nicht erkennbar, dass der Staat ausreichende Mittel investiert, um die Alternative attraktiv zu gestalten. Nicht jeder Bürger nämlich wird sich ausrechnen, was er im Jahr an Strom spart – zumal Lichtstrom in der Gesamtbilanz nur marginal ins Gewicht fällt. Doch selbst wenn er einsichtig, sprich: auf Seiten der Nachhaltigkeit ist, wird er zumindest in den kommenden zwei, drei Jahren von Abzocke sprechen. Ihm wird mit Auslaufen der 100 W-, 75 Watt- und 60 Watt-Modelle der Kauf neuer Birnen aufgezwungen. Bis heute aber finden wir in den Medien keine einleuchtende Gesamtrechnungen. Der Bürger muss mit der Investition neuer Leuchtmittel erst einmal in Vorkasse gehen – den Energiespareffekt merkt er kaum. Armen Bürgern wird das ungleich schwerer auf die Füße fallen als besser verdienenden.

Meines Erachtens kommt es jetzt auf zwei Dinge an. Einmal darauf, den Verbraucher von den Vorteilen neuer Leuchtmittel zu überzeugen, zum anderen die staatliche Forschung so zu intensivieren, dass nicht nur Skaleneffekte (aus der Massenproduktion), sondern auch konstruktive und werkstoffseitige Fortschritte erreicht werden. Beides muss dann den notwendigen Preissturz ermöglichen. Hierfür bedarf es solider Vorausschätzungen, die beim Bürger ankommen. Ein Elektroauto von Mitsubishi, das 30.000 € kosten soll, nützt nur Öko-Fricks und Idealisten, die über ausreichend Kohle verfügen. Massenwirksam kann es nicht werden. Bei Leuchtmitteln ist es anders. Hier gibt es künftig keine Alternative mehr. Sie werden von uns allen gebraucht und müssen zum Marktpreis konsumiert werden. Nur wenn die Forschung klar belegt, dass ein LED-basiertes Leuchtmittel billig und gleichzeitig in hoher Qualität produziert werden kann, wird ein unrealistisches Preisdiktat der Wirtschaft vermieden. Darauf kommt es letztlich an.