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Wer in diesen Tagen am Martin-Luther-Platz in Düsseldorf vorbei kommt, trifft noch immer auf sie: die unermüdlichen Düsseldorfer Occupy-Aktivisten (Fotos siehe unter Aktuelles/Galerie). In einer kleinen Zeltstadt harren sie seit dem 15. Oktober aus - und verwirklichen ein Stück von dem, was sie "Demokratie von unten" oder "echte Demokratie jetzt" nennen. Ähnlich wie ihre Gesinnungsgenossen in tausend anderen Städten der Welt stehen sie auf gegen die Macht und Skrupellosigkeit der Banken. Und ihr Votum "Eine massive Bürgerbewegung muss die Reform der Finanzmärkte erzwingen" entspricht nicht zufällig dem meinen.
Im Hauptzelt treffe ich junge Leute vor Notebooks und Laptops. Sie checken tagenaktuelle Meldungen und die Programme für die nächsten Tage. Zwei arbeiten an einer Solidaritätsaktion für die Stuttgart-21-Gegner.
Ein Exil-Jugoslawe erzählt mir draußen von seinen täglichen Vorträgen in Straßen- und S-Bahnen. Er hat die Gangster dieser Welt ausgemacht. Ihr Name: Bilderberger* und Jesuiten. Dahinter - so erklärt der Mann wortgewaltig - verberge sich alles, was am rechten Rand dieser Welt nicht nur Rang, Namen und Macht habe sondern all dies auch bis zum St. Nimmerleinstag bewahren wolle: angefangen bei Bush jr., Pearl, Wolfowitz … über Helmut Kohl … bis zu den heute Regierenden. Nur Willy Brandt nimmt er aus. Mit den jungen Leuten im Camp hat er so seine Schwierigkeiten, weil die den komplizierten Zusammenhängen der offenbar weltweiten Verschwörung nicht so recht folgen wollen. Für die geht es mehr um konkrete Aktionen, was nicht heißt, dass sie blind sind für Wissensverbreitung. Im Gegenteil: Sie alle diskutieren gern. Jeder so, wie er kann und möchte.
Überhaupt scheint hier alles frei. Jeder, der die Schnauze voll hat vom regierenden Establisment, jeder, der nicht weiß, welchen Politiker oder welche Partei er wählen soll, jeder, der es satt hat, von einer Partei oder Organisation gegängelt zu werden, kann hier mitmachen - als Bürger, einfach ... als Mensch. Dieses Angebot ist toll, weil es auch auf die trifft, die bereits keinen Bock mehr hatten, gegen den Mainstream anzutreten. Es birgt aber auch Probleme … in der bewussten Abgrenzung vor Fahnen/Emblemen/Logos, die auf Parteien oder Organisationen rückschließen lassen. Diese Logik könnte auch zur Ausdünnung potentieller Protestierer führen. Occupy hat dennoch triftige Argumente. Man wolle einfach nicht im System, weder bei den Linken, Grünen oder sonstwie verortet, sprich: in die entsprechende, von den Medien verordnete Ecke gesteckt werden, erklärt mir ein junger Mann. Vorübergehende Passanten sollen wissen, wogegen man aufbegehrt, und jeder, der dassselbe Anliegen/dieselbe Wut spüre und dann bereit wäre, seine Fahne/sein Logo zu Hause zu lassen, sei bei gemeinsamen Aktionen mehr als willkommen. Am besten wäre, wenn jeder ein Schild trüge, auf dem die eigenen Wünsche /Forderungen dingfest gemacht würden.
Gegen 15 Uhr kommt ein bunt ausstaffierter Occupyer aus der Johannes-Kirche. Er hat Wasser mitgebracht. Kurz darauf die Mitteilung: ein Vertreter des Gotteshauses bitte darum, die Benutzung der kircheneigenen Spülmaschine auf träglich 10-12 Uhr zu beschränken. Später treffen weitere Leute ein. Sie haben Büromaterial mitgebracht. Während hinten die Kaffeemaschine brodelt, macht sich eine junge Frau an einem Banner zu schaffen. Mit Farbstiften gibt sie ihrer Forderung nach einer nachhaltigen Energie-Erzeugung erste Gestalt. Vorn rechts im Zelt hängt eine Tafel mit den wichtigsten Terminen. Es geht auch um Demonstrationen. Die sind für heute, morgen (15 Uhr, Düsseldorf Hauptbahnhof – Solidarität mit der ägyptischen Protest-Bewegung) und Sonntag geplant. Eine spezielle AG kümmere sich um deren Organisation, erklärt man mir. Auf meine Frage nach regelmäßigen Infos aus dem Camp antwortet jemand, dass am Verteiler noch gebastelt werde. Man selbst könnte jedoch unter 0177/4375425 jederzeit anrufen oder mailen:
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. Ganz zeitgemäß kommt mir das nicht vor. Da wünschte man sich echt mehr Tempo … Aber das ist für den Außenstehenden schnell dahingesagt.
Draußen vor dem Zelt regnet es. Unwillkürlich denke ich an meine warme Stube zu Hause. Zum Glück merkt das niemand. Ja, ich habe den Eindruck, dass denen, die hier ausharren, die Kälte nichts ausmacht. An die 30 Leute sind hier permanent vor Ort - natürlich abwechselnd, stunden- oder tageweise. Nur ganz Hartgesottene bleiben länger. Obwohl am Haupttisch eine Spardose steht, fordert niemand, dass ich etwas spande. Auch diese Geste bleibt frei - wenngleich das Geld dringend benötigt wird.
Mancher Besucher, der im Camp war, berichtet darüber. Die Eindrücke sind unterschiedlich und vielfältig. Einige Texte erreichen die großen Zeitungen ⇛ http://www.freitag.de/community/blogs/angelia/mein-besuch-im-camp-occupy-duesseldorf.
Oft - so erzählt man mir – kommen die Leute mit Tee und Verpflegung. Es gebe viel Sympathie für die Bewegung. Demnächst gebe es auch ein Kulturprogramm - mit Musik und Texten. Für den 29. November, 16 Uhr, haben sie auch mich eingeladen. Dann soll das Ganze vorbereitet werden.
Na - wie ist es - kommt Ihr/kommen Sie mit?
PS: Übrigens kann man auch über die Website http://edj-nrw.de/am Occupy-Geschehen teilhaben
* Die Bilderberg-Konferenzen sind informelle, private Treffen von einflussreichen Personen aus Wirtschaft, Militär, Politik, Medien, Hochschulen und (ehemaligem) Adel.[1] Die Teilnahme an der Konferenz ist abhängig von einer Einladung durch den Vorsitzenden und die beiden ehrenamtlichen Generalsekretäre, die nach Beratung und Empfehlung des Lenkungsausschusses erfolgt. Die Teilnehmer werden nach Bekanntgabe der offiziellen Organisatoren so ausgewählt, dass eine wohlinformierte, ausgeglichene Diskussion über die vorgegebenen Tagesordnungspunkte sichergestellt werde. Die meisten Teilnehmer kommen aus NATO-Staaten; seit 1989 nehmen zunehmend Personen aus anderen Staaten an den Konferenzen teil. Die Tagesordnungspunkte (etwa als TOP-Liste) sowie die Teilnehmerlisten werden erst nach einem Treffen den internationalen Presseagenturen zugänglich gemacht. Eventuelle Einigungen werden nicht veröffentlicht. Zum ersten Mal wurde die Konferenz im Mai 1954 auf Einladung von Prinz Bernhard der Niederlande in dessen Hotel de Bilderberg in Oosterbeek, Niederlande veranstaltet.[1] Bei der Bilderberg-Gruppe (international auch als Bilderberg-Club bekannt) handelt es sich um keine formelle Organisation. Es existieren, soweit bekannt, weder ein Status der Mitgliedschaft noch ein Gründungsvertrag (http://de.wikipedia.org/wiki/Bilderberg-Konferenz).
Das aber ist offenbar nur die halbe Wahrheit! |