Archiv der Kategorie: Kultur

Wo kein Kläger ist, ist ein Richter

Wieder ein Grund zum Ausrasten: Gerhard Richter stellt vier Arbeiten zum Thema „Birkenau“ vor. Wie immer segelt der Mann im Mainstream und macht natürlich auch mit Holocaust Kohle. Wobei mal wieder nicht klar ist, ob das Motiv exzessiv verpinselt oder gar nicht getroffen wurde. Immerhin könnte sich RP-Redakteurin Annette Bosetti vorstellen, dass hier gleichsam mehrere „MissstimmungsSzenen“ – so die desolate Situation im Irak oder Auszüge aus dem Syrienkrieg – porträtiert sein könnten http://www.rp-online.de/kultur/richters-requiem-aid-1.5743905.

 
Bei so viel Beliebigkeit fallen mir weitere NullART-Kunstwerke ein – die finsteren quergeteilten Brammen (oder sind es hohle Tonnen?) vor dem Düsseldorfer Ständehaus oder der Kasten mit Drehspänen, der kürzlich im Ratinger Museum zu sehen war. Metalldiebe, bitte zugreifen! fällt mir da ein, und was Richter angeht: Ich bin sicher, dass er sich auch über die Flüchtlingsbewegung hermacht, um Euros zu ziehen. Und die Rheinische Post wird wieder auf dem Bauch liegen – vor ihm  und … klaglos.

Kultur für Leute mit wenig Geld – eine bemerkenswerte Initiative!

Kultur _für_Arme_22_1_16Nach dem Prinzip der „Tafel“ sollen demnächst auch „übrig gebliebene“ kulturelle Leistungen, sprich: nicht in Anspruch genommene Eintrittskarten zu kulturellen Veranstaltungen kostenfrei an bedürftige Bürger abgegeben werden. Der Ratinger Verein „Kulturliste e.V. “ soll sich darum kümmern (Ratinger Wochenblatt vom 21. Januar 2016).

Ab Januar 2016 gibt es erste Tickets

Der gemeinnützige Verein freut sich auch über weitere Vereinsmitglieder oder Sponsoren, die mit ihren Beiträgen helfen, laufende Kosten zu decken. Ungefähr ab Januar 2016 ist mit der ersten Ausgabe von Karten zu rechnen. Die Kulturliste e.V. ist derzeit über das Amt für Kultur und Tourismus auf der Minoritenstraße zu erreichen.

Infos unter www.stadt-ratingen.de.

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Wa(h)re Werte oder ein Diskurs über moderne Scheinwelten

Wenn  man heute die Werte-Diskussionen  verfolgt, gerät man schnell in Kontroversen. Denn einige, für meine Begriffe sehr einseitig aufgestellte Experten verkürzen den Begriff  – auf die um sich greifende „Vergeldlichung“ aller Dinge https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/wer-kein-was-der-ist-ein-nichts. Das greift zu kurz!

Wenn man heute als Mittsiebziger den Verlust von Werten beklagt, kommt recht schnell die Frage, was man damit denn meine. Bläst man dann lehrerhaft ins Horn, geht nichts mehr. Ihr mit eurer antiquierten Moral, tönt es aus den Mündern der Jüngeren, und wo dies wegbleibt, entnimmt man es den Gesichtszügen des Gegenüber – eines Menschen, der sich schnell auf etwas wie Anstand besinnt und das Ganze eher denkt, denn herausschreit. Wa(h)re Werte oder ein Diskurs über moderne Scheinwelten weiterlesen

Vom Liedermacher zum Hassprediger

Wolf Biermann mag vor und mit seiner Ausbürgerung aus der Ex-DDR ein fortschrittlicher Mensch gewesen sein. Und es wird ihn zutiefst verletzt haben, dass er die DDR verlassen musste. Soweit kann ich verstehen, dass er nicht vergessen und weder den Ex-Bonzen noch den heutigen DDR-Nostalgikern vergeben kann.

Aber mit Biermann, der einst Che Guevara besang, ist mehr passiert. Er hat komplett das Lager gewechselt und dabei den Blick für gut und böse, für schwarz und weiß, eingebüßt. Biermann kungelt jetzt mit CSU und Merkel, und wer letztere – wie heute geschehen – sogar umarmt, ist für die Nachwelt – so sie denn fair und nachhaltig werden soll – verloren. Gewiss, diese meine Meinung ist nicht wichtig, und es wird Biermann nicht jucken, dass ich so über ihn denke … und schreibe. Dennoch bleibt anzumerken, dass der Mann, den die GROKO für heute in den Bundestag geladen hatte, jegliche Souveränität, geschweige denn Größe vermissen ließ. Statt vorrede-los seinen wirklich denkwürdigen Song „Ermutigung“ zu präsentieren, zog er platt und böse über die Fraktion der LINKEN her. Fünf Minuten lang pöbelte er geradezu steinzeitlich. Und machte dabei einmal mehr deutlich, dass der politische Mensch von einst im Schleppnetz von Scheindemokratie, Machtgeilheit, Konsum und Wahn verkommen ist. Nur so ist zu erklären, dass Biermann auch 25 Jahre nach dem Mauerfall noch nachschlägt, bei Tiefrot noch immer bewahrte SED und verleugnete stalinistische Knechtschaft verortet. Nein Biermann! Diese gewählten Volksvertreter als reaktionären Rest zu beschimpfen, stellt die Wirklichkeit auf den Kopf. Kasino-Kapitalismus, Privatisierung von Daseinsfürsorge und Staatsbetrieben, prekäre Beschäftigungsverhältnisse, organisierte Altersarmut, Zweiklassen-Medizin, Korruption bei Abgeordneten, Steuerbetrug in Luxemburg, ein blockierter NSU-Prozess, Tod und Verletzung bei sinnlosen/moralisch verwerflichen Auslandseinsätzen etc. – das ist es, was heute für reaktionäres „Brauchtum“ steht. Und nicht die LINKE, die – oft auf verlorenem Posten – für Transparenz, für das Ausbremsen von Günstlingswirtschaft und Kungelei votiert.

Biermann hat sich vom Bundestagspräsidenten das Wort nicht verbieten lassen. Gut so. Doch dass er es für blanke Verleumdung nutzte, dass er neuerlich zur Verkürzung/Verzerrung des DDR-Bildes beitrug, ist echt schlimm. Doch was will man angesichts der laufenden Hysterie, der überbordenden Mauerfall-Kampagne erwarten? Hier tickt doch alles auf neuerliche DDR-Vernichtung – in einem Rummel, der vielen Ostdeutschen, ja selbst vielen Bürgerrechtlern, längst zum Halse heraus hängt. Das alles ist perfekt synchronisiert – und natürlich im doppelten Sinn rückwärtsgewandt. Der „Wessi“ und der mutierte „Wossi“ haben erneut blank gezogen – in der GROKO, in den Massenmedien, ja selbst in den Kirchen, wo Gauck gegen Rot-Rot-Grün zu Felde zieht. Hier wird bewusst vergessen, was 1989 AUCH geschah. Vielen DDR-Bürgern ist damals die Lebensleistung brutal zerstört worden. Sie wurden Opfer von schamlosen Versicherern und Kredithaien. Ihre Arbeitsstätten wurden abgewickelt, viele ihrer Wohnungen und Häuser zum Spielball der Spekulation. Um genau zu sein: Der Osten versumpfte zur blütenlosen Landschaft, zum Trostlosgebiet, das Hunderttausende verließen und das auch morgen nicht aufholen wird. Ossis Ruf „Wir sind das Volk“ ist längst kommerzialisiert, ist längst aufgekauft … vom reichen Westen. Heute brüllen das sogar die NeoNazis.